Ausgabe 
25.11.1899
 
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wichtig sind. So kamen sie von fern her über die grasigen Steppen, die Buren- über hohen Bergpaß und durch tiefes Thal, durch Furt und Sand, das einzig denkbare Verkehrs­und Reisefuhrwerk benutzend, in dem ganze Familien monate­lang Hausen, begleitet von der Herde der Schlachthammel. Unten auf dem Boden des riesigen Planwagens sind die Kisten und Kasten mit Gepäck und Gerät verstaut, darüber wird-zur Nachtzeit eine Art federnden Ledergurtgeflechts ge­spannt, auf das die Matratzen zur Ruhe gebreitet werden - unter dem schützenden Plandach hängt die schwankende Laterne und wirft wechselnden, ungewissen Schein über die Gesichter der Schläfer, und glitzernd leuchtet die Pracht der Gestirne herab auf die weite, stille nächtliche Einsamkeit, durch die von ferne das Bellen des Schakals dringt, daß die Hunde aufmerkend den Kopf heben und knurrend unter dem Wagen die Zähne zeigen. Pferde sind für solche Reisen gar nicht zu gebrauchen, auf denen oft für drei, vier Tage das spär­liche Trinkwasser für die Menschen im sorgsam gefüllten Faß mitgeführt wird und die Zugstiere einfach dursten müssen bis zur nächsten Quelle. Das Pferd würde dabei zugrunde gehen, während der Rasieochse zufrieden ist wenn er sich dann nur buchstäblich volltrinken kann. Weiter wird er im Innern noch als ausdauerndes Reittier geschätzt und gesattelt, das in gleichmäßigem Paßgang es auf die Länge mit dem besten Pferde aufnimmt.

Ein besonders intereffanter Ort ist die hannöversch-west­fälische Kolonie Neu-Deutschland, eine Tagereise von Durban entfernt. Unsere wackeren Landsleute dort, gegen 50 Familien, die 1847 dahin ausgewandert, sind im eigentümlichen Besitz von etwa 23 tausend Morgen, halten ihren eigenen Prediger und Lehrer und halten fest an heimischer Sitte. Auch sie stellen ihr Aufgebot zu der Freiwilligenmiliz, die auch im Kaffernkrtege unter Waffen treten mußte und so ziemlich einziger Schutz der ganzen Kronkolonie war und der Haupt­stadt in jenen Tagen, als die Schlacht von Jsandula von den Königlichen Truppen verloren war und man in Durban schon daran dachte, Weiber und Kinder in einzelnen festen Gebäuden unterzubringen und die übrige Stadt preiszugeben, falls die siegreichen Kaffern in ihren furchtbaren Eilmärschen sich auf dieselbe richten sollten. Unsere Norddeutschen ließen 50 Berittene marschieren unter Führung eines Kapitäns, eines Leutnants, eines Sergeanten und Korporals, denen sich die Mannschaft durch Unterschrift verpflichtet hat. Die kleine Truppe darf nicht außerhalb der Natal-Kolonie verwendet werden. Jetzt wird auch sie wohl mobil gemacht sein unter den Natal- Voleers, von denen die Rede war bei Beginn des Krieges.

Gönnen wir ihnen auch diesmal unter englischer Fahne nicht den Sieg gegen die Buren, Ehre und fröhliche Heim­kehr dürfen wir dem deutschen Haufen doch wünschen. Mögen sie alle unversehrt zurückkommen wie die Royal Dragoons.

Gräberschmuck.

Von M. Kosak.

------- Nachdruck verboten.

In altäghptischen Museen trifft man zuweilen seltsame Gewinde. Auf den ersten Blick scheinen sie aus kleinen, pergamentähnlichen Papierrollen zu bestehen, wenn man aber näher hinsieht, erkennt man sie als rundzackige, blumenartige Gebilde, eng zusammengefaltet, bräunlich und trocken, in der Form aber dennoch an unsere Wafferrosen erinnernd. Es sind denn auch in der That Blumen die in Dichtung und Sage verherrlichten Lotosblüten. Vor Tausenden von Jahren, als noch die Pharaonen über das alte Aegypten herrschten, hatten sie sich dem Licht der Sonne geöffnet, um dann gepflückt zu werden und in einer der Zett trotzenden Präparierung, zusammen mit kostbaren Kleinodien, Bildern und anderen den Toten teuren Dingen, diese in ihre letzte Ruhestätte zu begleiten. Wie heute liebende Hände den Verstorbenen die Gräber schmücken, so thaten sie's schon dazumal. Die Menschheit ist sich immer gleich geblieben in

ihrem Fühlen und Denken bis auf den heutigen Tag. Der Zug, die Heimgegangenen zu ehren durch Gaben der Liebe, liegt tief in der menschlichen Natur begründet, und ob auch die äußeren Formen wechseln, ihr innerster Kern ist immer der gleiche.

Je höher der Bildungsgrad eines Volkes, desto edleren Ausdruck finden auch jene Sitten liebender Pietät! Hewrliche Denkmäler derselben find noch in jüngster Zeit in Griechen­land zu Tage gefördert worden. Während man früh r all­gemein annahm, daß die Hellenen von jeher ihre Toten ver­brannt und die Urnen mit ihrer Asche in öffentlichen, an Len Verkehrsstraßen befindlichen Gebäuden aufbewahrt hätten, ist es neueren Forschungen zufolge festgestellt, daß dieser Brauch nur in späteren Epochen geherrscht. In früheren setzten ste, wie die Königsgräber in Mykenä unter anderen das sogenannte Grab des Agamemnon beweisen, die Leichen in prächtig ausgestatten Grabkammern bei, deren Wände und Inneres plastische Bildwerke Relieftafeln und Marmorstatuten zierten. Meist stellten diese Götter, sowie mythologische und allegorische Szenen, selten nur die Verstorbenen selbst dar. Bei deck Römern hingegen bildeten deren Porträts den hauptsächlichsten Schmuck der Gräber. Sie wurden sowohl in Plastik, wie in Maleret ausgeführt. Eine Anzahl jener Bilder find in den weitesten Kreisen des Publikums bekannt. Jeder, der ste gesehen, staunt über ihre unverblaßten Farben, über den sprechenden Ausdruck der Züge und die nach unseren Begriffen so ganz und gar nicht antik wirkenden Trachten. Gar seltsam mutet es uns an, wenn wir denken, daß diese Mädchen, Frauen und Männer, welche uns so frisch und lebensvoll anschauen, vor Jahrtausenden auf Erden wandelten, liebten und litten.

Welch' einen Gegensatz zu diesen Schöpfungen hoher Kunst und eines geläuterten Geschmacks bildet dagegen der bei vielen »»zivilisierten Völkern der Vor- und Jetztzeit üb­liche Gräberschmuck! Wohl findet fich auch in ihm manch' Sinniges und Poesievolles, doch wird es überwuchert von allerhand, das uns roh und barbarisch oder doch zum mindesten unästhetisch dünkt. So erzählen uns die Reisenden von den Bewohnern des afrikanischen Lundareiches am Kassaifluß, daß ste auf Pflege und Dekoration der Gräber großes Gewicht legen. Die Dynastie des Landes besitzt ein eigenes Erb­begräbnis an dem heiligen Orte Enzai, dessen Ausstattung aus dem Kostbarsten besteht, was die Lunda kennen. Arm­ringe aus Papageienfedern, Brustschilder aus Metall und Perlen die höchsten Würdezeichen ihrer Edlen dürfen nie darauf fehlen, doch haben diejenigen Stücke, welche die Verwandten und Freunde deren Feinden abgestritten oder gestohlen, die meiste Geltung. Die Betschuanen Süd­afrikas, welche ihre Toten in hockender Stellung beerdigen, geben ihnen nicht nur Speisen und Getränke mit in die Gruft, sondern stellen ihnen auch späterhin fortlaufend solche in blumenbekrärizten Gefäßen hin. Manche derselben sind mit Figuren von Schlangen, welche in hohem Ansehen stehen, geziert. Ebenso werden auch künstliche Schlangenleiber zur Grabdekoration benutzt, auch blutbespritzte Amulette in Form von Krokodilen und Eidechsen. Natürlich wurzeln derartige Bräuche stets in religiösen und sittlichen Anschauungen, aber gerade in der Bedeutung, die ein Volk ihnen beilegt, prägt sich sein Kulturzustand am stärksten aus. Während bei einem tiefer stehenden wüster Aberglaube ihre hauptsächlichste Grund­lage bildet, läßt sie der gebildete Geist eines zivilisierten als Sinnbild wirken.

Unbestreitbar ist es denn auch, daß die meisten Arten des Gräberschmucks, wie Form und Anordnung der Gräber selbst, sich auf sinnbildliche Vorstellungen zurückführen lassen. Wir sind uns heutzutage dessen kaum bewußt, wir machen im großen und ganzen nach, was durch Ueberlieferung auf uns gekommen ist. Zudem hat auch der wechselnde Zeitgeschmack bei der Ausstattung der Gräber gewaltet und manches einzelne darin umgestaltet, bis schließlich etwas scheinbar ganz neues daraus geworden war.