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>m Herrn, der alles gleich gewährt, Ist nicht des Gebens Kunst gelehrt: Stets muß er Mangel leiden oder trügen. Viel besser zehn versagen als ein Lügen. Er soll versprechen wen'ger, grüßen mehr, Will er für seine Ehre sorgen: Was er von andern nicht mag borgen, Noch selber hat, versage er.
Walther v. d. Vogelweide.
Nachdruck verboten.
Pygmalion.
Novelle von Anton Frhr. von Perfall.
(Fortsetzung.)
Im Laufe der Jahre war sein Bild längst erblaßt, da — es war vor wenigen Monaten, kam die furchtbare Mahnung — Ein Schreiben von dem Polizeiamte in M.
Herr Holaus wird ersucht, ewaige mögliche Angaben über den Aufenthalt des Andreas Fichtner, des Vaters, des von demselben angenommenen Kindes Marie, umgehend an die Polzizeidirektion gelangen zu lassen. Der Mann, ein höchst gefährliches Individuum, ist verschiedener schwerer Vergehen halber steckbrieflich verfolgt und ist im Betretungsfalle an das nächste Amtsgericht abzuliefern.
Holaus hatte das Schreiben eben wieder aus dem wohlverwahrten Fache genommen und über dem wiederholten Lesen seine ganze Umgebung vergessen.
Der trockene Amtsstil empörte ihn.
Alle erdenklichen Bilder entstanden vor ihm — das düstere Jourzimmer mit dem grünbeschirmten Schreiber, in seinem Arme Marie, in triefende Lumpen gehüllt, der brave Wachtmeister, — — die Bank im Parke, der Todesschrei der Mutter, der schwarze Strom — die That, — das Zimmer der Frau Beiger. —
Dann ging es aufwärts im Sturmschritte, immer sie an der Seite, das Martele. — Wenn er verzagte, wenn der alte Holaus sich rührte, ein Blick auf sie, und alles war gut.
Er lernte mit ihr, spielte mit ihr, goß alle seine verkannten Ideale, seine innersten Gedanken und Wünsche itr diese liebliche Form.
Sie weitete sich, vertiefte sich. Er war ihr wahrer Schöpfer, er gab den Inhalt, er war ihr — Pygmalion!
Ein Wagen fuhr in den Fabrikhof.
Jäh fuhr er auf, warf das Schreiben in die Lade zurück und eilte an das Fenster.
Das Blätterwerk der Kastanien verbarg daS Gefährt seinem Blicke.
Er vernahm die laute Stimme der Frau Opel, welche Marie auf dem Bahnhof abgeholt. Er erblickte die wohlbekannten Koffer auf der Achsel eines Dieners, dann perlte ein Lachen herauf — ein Strohhütchen mit einem rosa Bande tauchte zwischen den Blättern auf.
Holaus hielt die Hand auf das Herz. Durfte es denn nicht lauter schlagen, wenn sein Kind zurückkehrte. Doch, wo blieb sie denn? Warum eilte sie nicht in seine Arme?
„Ei, das Mariele! Donnerwetter! Da muß man ja „Sie" sagen. Einfach reizend! Entzückend! Nun, da wird der Papa gucken! Na, nur nicht so eilig!"
Das Uebrige war nicht mehr verständlich.
Holaus runzelte die Stirne und biß sich auf die Lippe. Es war die Stimme Hermanns, seines Kompagnons.
Man hält doch nicht ein Kind auf, das nach zweijähriger Abwesenheit in die Arme seines Vaters eilt.
Mit welchem Blicke er sie ansehen wird, die erblühte Jungfrau, dieser frivole, rücksichtslose Mann.
Er war ihm herzlich gut, hatte ihm vieles zu danken - aber in diesem Punkte verachtete er ihn geradezu, den ausgemachten Wüstling.
Sie kam nicht, immer noch nicht.
Er vergaß, daß es sich nur um Minuten handelte. Plötzlich riß er das Fenster auf und rief zornig: „Marie!"
Da kam sie herbeigeeilt, mit Schirm und Tasche winkend, eine Vollreife Mädchengestalt im duftig weißen Sommerkleide, den Hut im Nacken, die Wangen glühend, das üppige Blondhaar von der Reise verwirrt.
Unter dem Fenster blieb sie stehen.
„Empfängt man so sein Kind, von der garstigen Arbeitsstube aus?" rief sie schmollend hinauf.
„Aber, liebes Kind, ich hatte eben wichtige Geschäfte —," erwiderte Holaus.
„Die hat Onkel Franz gewiß auch, und doch ist er mir entgegen gekommen. Das macht — weil er mich mehr liebt, als Du."
Schon war sie im Hause verschwunden.
Herrmann, ein stattlicher Mann von aristokratischem Aussehen, in elegantem Reitkostüme, winkte ihm zn


