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Teil des schlauen Feldzugsplanes ebenso geschickt wie unver- sroren zur Ausführung zu bringen.

Mit Auguste wird der Anfang gemacht und ihr sogar die verlockende Perspektive eröffnet, daß man sie jedenfalls auf der Reise nicht werde entbehren können, sie möge sich nur schleunigst mit ihrer Mutter in Verbindung setzen, um die Erlaubnis zu einer weiten Fahrt rechtzeitig von ihr zu erlangen.

Auguste jubelt laut auf der erste Triumph des schönen Gedankens des Herrn Meier.

Die übrigen Triumphe folgen: Die Bekannten und Verwandten bersten in der That vor Neid, in so zärtlichen Nachtigalltönen sie auch ihrer Herzensfreude Ausdruck ver­leihen. Alles gelingt auf das Beste, Eulalia genießt während dreier Wochen die Lorbeeren ihrer Badereise im voraus. Der Onkel trifft pünktlich ein jetzt werden die Augen diejenigen Augustens eingeschlossen unter groß Wasser gesetzt. Ueberall fließen die Thränen der Resignation, grau Eulalia ist ganz Entsagung, Geduld, Heroismus. Die un­erbittliche Notwendigkeit wird einmal wieder als rettender Engel angerufen, und die Philosophie der edlen Familie gipfelt in dem Gedankensplitter, daß ein vernünftiger Mensch sein Herz nicht an die Eitelkeiten der Welt hängen soll.

Trotzdem ist Frau Eulalia untröstlich, als sie eines Morgens ihrem Gatten die Trauerbotschaft übermittelt:

Denke nur: Müllers sind gestern nach Ems abgereist und Werners treten heute ihre Reise nach Ostende an".

Und wir machen zum Lohn für unsere Verzichtleistung und zur Fahrt des glücklichen Gelingens unseres Planes morgen einen Ausflug nach Rüdersdorf. Bereitet alles vor der Onkel geht auch mit!"

* * *

Im Garten eines lauschigen Waldrestaurants bei Rüders­dorf, die Augen an der wundervollen Aussicht über den Kalk­see weidend, sitzt Herr Müller mit seiner Familie. Vater schmaucht schmunzelnd seine Zigarre, Mutter blättert in den Fliegenden", die Tochter Nr. 1 stickt, während die Tochter Nr. 2 einen Strauß von Waldblumen ordnet.

Na, ist's hier nicht ebenso schön wie in Ems?" fragt Herr Müller vergnügt.

Gott, wenn man nichts Besseres haben kann", erwidert Frau Müller resigniert.

Besser als gar nichts mein' ich doch auch. Ebenso schön wie in Ems und billiger. Mögen Werners solche Narren sein und sich für Ostende ruinieren ich kann's nicht. Haha, wenn die Herrschaften eine Ahnung hätten, wo wir steckten glauben uns in Ems, hahaha".

Wenn uns nur niemand Bekanntes sieht"

Hier? Bewahre. Unsere Bekannten sind ja alle weit fort in Seebädern, in der Schweiz, im Thüringer Walde hahaha".

Da treten plötzlich aus dem Walde mehrere Personen und lassen sich am Nachbartische nieder.

Na, ist's hier nicht ebenso schön wie in Ostende?" nimmt eine wohlbekannte Stimme das Wort.Und See­bäder können wir auch hier haben".

Herr Müller verfärbt sich Frau Müller verfärbt sich die Töchter dito nach der Anciennetät, wie es sich für wohlerzogene Kinder gebührt.

Gütige Götter das sind Werners!"

Heiliger Nepomuk da sitzen Müllers!"

Allgemeiner Stupor! Endlich fassen sich die Damen zuerst und stürzen mit wütender Freude auf einander los.

Liebe Frau Müller liebe Frau Werner nein, welche Ueberraschung! Sie hier zu finden! Ist das eine Lust. Wir glaubten Sie in Ems und Sie in Ostende, welcher glücklichen Fügung des Himmels verdanken wir das Ver­gnügen Sie können sich gar nicht ausmalen, wie entzückt wir sind"

Ja, denken Sie nur, wie es uns ging," erklärt Herr Müller im Tone lauterster Aufrichtigkeit. , Eben im Be­griffe, nach Ems abzureisen, kommt die Nachricht, daß mein Chef erkrankt ist. Er kann zwar im Bureau hin und wieder nach dem Rechten sehen, aber ich muß doch in der Nähe bleiben, um jeden Augenblick bei der Hand zu sein, wenn ich nötig bin."

Nein, solches Pech," versetzt Herr Werner mit einer Stimme, in der sich sein tiefes Bedauern kundgiebt.Aber wie es uns ergangen ist: Noch am letzten Tage legt unser Hausarzt sein Veto gegen Ostende ein. Unsere Lina sei zu schwäch, um die Seeluft vertragen zu können. Er könne dafür die Verantwortung nicht übernehmen. Für sie eigne sich am besten die Ruhe des Waldes, der stärkende Ozon der Nadelhölzer. Was nun in aller Eile thun? Kurz ent­schlossen fuhren wir hierher und bereuen es nun erst recht nicht, da wir so angenehme Gesellschaft getroffen haben."

Welcher glückliche Zufall," verkündete in diesem Augen­blicke Müller,da kommen auch Meiers!"

Nein, welcher glückliche Zufall! Wieder geht es ans Erklären und Bedauern ja,was sind Pläne, was sind Entwürfe, die der Mensch, der flüchtige Sohn der Stunde, aufbaut auf dem betrüglichen Grunde!" Nie hat es so überzeugte, gläubige Seelen gegeben, und nie so glückliche Menschen, denen die Herzensfreude ordentlich aus den Ge­sichtern strahlt! Und diese Freude ist echt, das dürfen wir glauben, besonders bei den weiblichen Mitgliedern der drei befreundeten Familien, denn jede der Damen ist nun erst über das eigene Unglück getröstet, da sie weiß, daß es ihren teueren" Freundinnen nicht besser geht.

Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid!

Devumsehtes.

Ein angebliches Szepter Karls ves Großen. In der Gallerie d'Apollon Louvre zu Paris bewahrt man ein Szepter, das als Szepter Karl's des Großen gilt. Gelegent­lich feiner Krönung äußerte Napoleon I. den Wunsch, dieses Szepter in der Hand zu haben. Für die Feier wechselte man den das Szepter umgebenden roten Sammet. Wie groß war aber das Erstaunen des Goldschmiedes, der damit beauftragt war, als er auf dem bloßgelegten Metall ein­gegraben folgende Worte entdeckte:Dieser Stab gehört mir. X. . . ., Sänger in Notre Dame 1802." Das Szepter war also ein profaner Taktstock! Der Goldschmied verständigte sofort Duroc, den Großmarschall des kaiserlichen Hauses.Man muß die Thatsache Napoleon mitteilen!" meinte der Goldschmied.Hüten Sie sich davor!" ent­gegnete Duroc.Umziehen Sie schleunigst den Stock mit Sammet und sprechen Sie kein Wort über das, was Sie gesehen! Es ist absolut notwendig, daß der Kaiser in der Ueberzeugung stirbt, das Szepter Karls des Großen bei seiner Krönung gehalten zu haben!" So kommt es, daß man dies Szepter noch immer für dasjenige Karls des Großen hält.

EineUnmöglichkeit. Patient:Sie, Herr Doktor, mit mir geht's fei gar net vorwärts. Wiffen's, wenn alle Strick retß'n, na häng' i mi auf.

* * *

Hausfrau:Jane, heute morgen sah ich, wie der Milchmann Sie küßte, das darf nicht mehr Vorkommen. In Zukunft werde ich selbst die Milch an der Thüre entgegennehmen." Köchin:Ach, da brauchen sich Madame nicht zu bemühen- er hat mir geschworen, keine andere als mich zu küffen."

(Münch. Jugend.")

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universttätr-Buch- und St-indruck-r-i (Pietsch Erben) in Gießen.