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noch einige Jahre darüber hinaus in Grund und Boden ge­treten sein und sie selber nicht vor Scham in die Erde finken soll, so muß ihr Gemahl als ein Mann, der weiß, was er seiner Stellung und dem guten Ton schuldig ist, sie schleunigst in die Lage versetzen, sich im Konkurrenzkampf der gesellschaft­lichen Eitelkeit auf dem gleichen Niveau mit der zur Zeit im Vorteil befindlichenteueren" Freundin zu behaupten.

Das sind so allgemeine Wahrheiten, daß der berühmte Lehrsatz des Pythagoras als eine unbewiesene Hypothese ihnen gegenüber gelten kann. Daher denkt auch Herr Meier an nichts anderes als einen neuen Hut oder ein neues Kleid, als eines schönen Vormittags die ehrenwerte Mutter seiner Kinder, seine holdselige Gattin Eulalia mit fliegendem Atem, rotem Gesicht und zornig blitzenden Augen in sein Privat­kontor mehr ein stürzt als ein tritt.

Männchen, weißt Du es schon?"

Was denn?"

Sie wirft sich in einen Stuhl und ringt nach Atem.

Mein Himmel, was giebt es denn? Hat Dir die Schneiderin einen Knopf schief angenäht?"

O, viel schlimmer viel schlimmer! Denke Dir nur, Müllers gehen nach Ems!"

Nach Ems? Wirklich?"

Ja und noch mehr Werners nach Ostende. Denke nur, nach Ems und Ostende Ist das nicht, um den Verstand einzubüßen?"

Herr Meier kratzt sich hinrer den Ohren.

Zum Teufel wo die Menschen nur das Geld her­nehmen! Müller hat doch nichts als sein knappes Gehalt, und Werner ein Geschäft, dessen Umfang den des unseren noch nicht einmal erreicht sonderbar, die Leute müssen den Drachen haben oder Dukaten hexen, ich begreife nicht, wie sie das alles fertig bringen".

Das weiß Gott", klagt Eulalia.Und wir was w i r für Unglück haben, Männchen da wollten wir uns dieses Jahr nun so einrichten, und nun zwingen uns diese diese nichtswürdigen Protzen, ein paar hundert Thaler in Karlsbad oder Nizza totzuschlagen".

Zwingen, uns? Wieso?"

Frau Eulalia steht auf, um ihren Mann mit einem energischen Blitz aus ihren elektrischen Augen niederzu­schmettern.

Glaubst Du denn, ich könnte mich je wieder auf der Straße oder in irgend einer Gesellschaft sehen lassen, wenn wir es diesen Parvenüs nicht zum mindesten gletchthäten?"

Du bist nicht klug ich hätte eben Geld für Karls­bad oder gar Nizza".

Aber irgend wohin müssen wir doch gehen?"

Müssen? Dann laß Dir nur sagen, daß mein neuester Vermögensüberschlag uns in die Notwendigkeit ver­setzt, für die Saison auf alle Reisepläne zu verzichten. Wenn Du durchaus ins Bad mußt, so mußt Du Dich schon mit einer unserer städtischen Anstalten begnügen".

Frau Eulalia sinkt wieder auf den Stuhl zurück.

Dann wenigstens nach Kissingen oder Salzbrunn?" Unmöglich".

Oder Friedrichroda?"

Ich kann nicht fünfzig Mark für diesen Zweck flüssig machen".

Aber unsere Gesundheit unsere armen Kinder?"

Wir befinden uns alle wie die Fische im Wasser. Denk' an die vielen armen Leute, die in der That schwer krank sind und trotzdem an keine Bade- oder Erholungsreise denken können".

O, die haben auch nicht so das Bedürfnis wie unsereins sie sind nicht daran gewöhnt. Aber wir in unserem Stande wir können einmal nicht anders"

Es muß aber doch gehen, unsere Mittel erlauben es uns nicht".

Dann dürfen wir auch nicht mehr hier bleiben wir müssen von hier wegziehen. Wir sind gesellschaftlich ruiniert".

Herr Meier zuckt die Achseln.

Wir werden finanziell ruiniert werden, wenn wir uns den Luxus einer Badereise gestatten wollen".

Was thut's? Dann fallen wir mit Ehren! Als Opfer der Verhältnisse"

/Meb Dir keine Mühe, es geht nicht. Selbst wenn ich ein solcher Narr sein wollte, der einem eingebildeten Standes- gefühl seine geschäftliche Ehre zum Opfer bringt, so würde ich doch schon mangels des erforderlichenKleingeldes" das Experiment unterlassen müssen".

Aber Müllers und Werners thun es doch auch?"

Wie die eS anfangen, weiß ich nicht. Ist mir auch egal, die mögen es selber verantworten".

Frau Eulalia schluchzt steinerweichend.

Giebt es denn keine Rettung, keine?" stammelt sie verzweifelt.

Herr Meier lächelt.

Doch", sagt er nach einer Weile mit scharfer Betonung. Doch? Du willst Dir das Geld borgen---?"

Daß ich ein Narr wäre. Nein, ich habe einen anderen Plan. Also: Da wir keine Badereise machen können, so handelt es sich für uns vor allen Dingen darum, unser ge­sellschaftliches Renommee zu wahren? Einverstanden?"

Ja". Sie sieht ihn gespannt an.

//Nichts leichter als das. Du erzählst und die Kinder erzählen es auch von Stund an allen, die es angeht und das sind alle die, die es eigentlich nichts angeht daß wir uns entschlossen haben, dieses Jahr nach der Riviera zu gehen".

Aber wir gehen ja nicht dann sind wir unsterblich blamiert".

Warte nur. Vorläufig genügt es, den Glauben zu verbreiten. Du fügst hinzu, daß ich Dir das Versprechen schon vor Jahren gegeben es aber immer nicht gehalten habe. Diesmal habe ich endlich Deiner Bitte nachgegeben. Der halbe Zweck unserer Badereise ist damit bereits erreicht: Unsere Freunde und Freundinnen werden vor Neid platzen".

Das werden sie allerdings", bestätigte Eulalia, deren vernebelte Aeuglein sich mehr und mehr aufzuhellen beginnen.

Weiter. Ich schreibe nun sofort an unfern Onkel nach Cottbus, daß er zum ersten zu uns auf Besuch kommt".

Der alte Filz ich habe noch genug von ihm vom vorigen Winter".

Hilft nichts, er ist unser Rettungsanker. Er wird sich beeilen, dem Rufe zu folgen, denn er spart für die sechs Wochen das Wirtschaftsgeld. Sobald er eingetroffen ist, fahrt Ihr gleich bei allen Bekannten herum, jammert und klagt, daß unverhofft unser Onkel zu längerem Besuch eingetroffen ser. Er sei ein exzentrischer Kauz, aber der Erbonkel wollten wir nun noch auf der Ausführung unserer Absicht bestehen, so zöge er tiefbeleidigt auf Nimmerwiedersehen ab, und die reiche Erbschaft fiel ins Wasser. Die Alternative sei also. Riviera oder Erbschaft und da hätten wir uns natürlich für letztere entschieden, so schrecklich der Aufenthalt im August tn der Residenz auch sei. Die Riviera laufe ja nicht davon und für hunderttausend Thaler dürfe man schon einmal ein paar Wochen schwitzen".

Bravo, sehr gut", ruft Eulalia entzückt, denn es ist ihr noch mehr um die Ehre, als um die Badereise selbst zu thun. '

//Nur noch ein Bedenken", fügt sie bei.Unser Mädchen wird Auguste nicht hinter unserem Rücken den Sachver­halt ausplaudern?"

Auguste wird ebenso hinters Licht geführt, wie alle anderen", meint Herr Meier sarkastisch lächelnd.Und glauben muß man uns den Trick, das gebietet der gute Ton. Die Hauptsache ist, daß unsere gesellschaftliche Ehre gerettet wird".

* * *

Herr Meier, Frau Meier und ihre drei lieblichen Töchter setzen sich unverzüglich in Thätigkeit, um den ersten