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stammelte sie flehend. „Sprich nicht, Konrad, >ir zwingen Dich nicht."
Konrad blickte gerade vor sich hin und schwieg. Die Schwestern, betroffen von der seltsamen Wendung, wechselten erstaunte Blicke.
„Wir waren im Unrecht, Else/ begann Frau Dorothea von neuem, ihre tiefe, weiche Stimme zu einem Flüstern dämpfend. „Wir müssen unfern Männern vertrauen. Vielleicht sagt Dir Konrad später einmal ungefragt, was Du wissen willst. Aber dringe nicht in ihn. Wenn es fremde Geheimnisse sind, muß er sie bewahren. Verzeihe mir, Konrad."
Dabei reichte sie ihrem Schwiegersöhne die Hand, die er ehrfurchtsvoll küßte. Die beiden hatten einander verstanden.
Else begriff nicht, was hier vorgegangen war. Aber die Worte der Mutter hatten auf ihr kindisch-trotziges Herz einen tiefen Eindruck gemacht, und sie beugte sich still dem fremden Willen.
Nicht so Martha. Zunächst freilich schwieg auch sie. Als sie aber wieder zu Hause waren, meinte sie in ihrer harten Weise:
„Wenn ich mich verheiratet hätte, so würde ich gegenseitige Offenheit als erste Hausregel eingesetzt haben."
„Gewiß — das ist richtig —" erwiderte Frau Andree zögernd. „Aber es giebt Dinge —"
„Die soll es eben nicht geben," entgegnete Martha streng. „Papa hatte gewiß nie ein Geheimnis vor Dir?"
Frau Andree senkte den Blick. „Nein, wohl nicht," antwortete sie unsicher. „Jedenfalls habe ich ihn nie nach Dingen gefragt, über die er nicht aus freien Stücken mit mir sprach."
XIV.
Frau Schmidt, nichts ahnend von dem Sturme, den ihr Erscheinen entfacht hatte, war inzwischen langsamen Schrittes ihrer Wohnung zugegangen. Häufig nötigten sie böse Hustenanfälle stehen zu bleiben, besonders wenn der Wind einmal scharf um die Ecken blies und ihr den Straßenstaub ins Gesicht wehte. Auch schien fie kein Verlangen zu fühlen, schnell nach Hause zu kommen; im Gegenteil, je mehr sie sich ihrer Wohnung näherte, um so zögernder wurden ihre Schritte, fast als fürchte sie sich vor der Heimkehr.
„Es war nichts zu machen," murmelte sie vor sich hin, „wirklich nichts zu machen!"
Sie blieb vor einem Schaufenster stehen, ohne die ausgestellten Gegenstände eines Blickes zu würdigen und zupfte nervös an den Spitzen ihres Umhanges.
„Wenn ich ihm willfahre, so giebt's einen Skandal, aber Geld nicht — gewiß nicht! Da kenne ich ihn zu gut. Er wäre auch ein Thor!" Dann mit einem Seufzer: „Ach Gott, ach Gott! ich bin so müde!"
Sie hatte jetzt die Straße, in der sie wohnte, erreicht.
Zwischen einem Branntweinschank und einem Garnladen befindet sich ein Blumenverkauf. „Blum nhalle" lautet der stolze Titel, der in großen Buchstaben auf dem Schild zu lesen ist.
In dem schmalen Schaufenster stehen ein paar Töpfe mit billigem Sommerflor, Flox, Astern, Monatsrosen. Gläser mit abgeschnittenen Blumen und ein auf Draht gebundener halbwelker Strauß. Es ist jetzt die günstigste Jahreszeit- im Winter steht es noch weit kümmerlicher aus.
Die Blumenhalle selbst ist ein kleines viereckiges Gemach - quer vor der Rückwand der Ladentisch- hinter demselben eine Thür, die nach einem dem Hofe zu gelegenen Wohnraume führt.
In der Thür der Ladens, die Hände in den Hosentaschen, steht ein Mann, eine große, kräftige Gestalt mit stark gerötetem Gesicht, einer kolbigen Nase und aufgeworfenen Lippen. Im Mundwinkel hängt ihm eine Zigarre.
Von Zeit zu Zeit nimmt er sie aus dem Munde, spuckt aus, beugt den Oberkörper vor und schaut spähend die Straße hinunter. Endlich kommt die Erwartete.
„Nun?" ruft er ihr schon von weitem entgegen.
Frau Schmidt schüttelt mit dem Kopfe.
„Nichts!"
„Da soll doch gleich ein heiliges Kreuzdonnerwetter —!" flucht er. „Was fällt denn dem Kerl ein?"
„Ich sagte Dir ja gleich," wandte sie schüchtern ein, „es ist noch nicht die Zeit. Zum gewohnten Termin darf ich wiederkommen."
„Darfst Du?" höhnte der Mann.
„Ja," antwortete die Frau ernst, indem sie sich an ihm vorbeidrängte, um in den Laden zu gelangen. „Und wir müssen ihm dafür dankbar sein. Es ist die reine Gutmütigkeit, daß er etwas für uns thut."
Der Mann stieß ein rohes Gelächter aus.
„Wer's glaubt! Mach' Du das einem andern weiß. Ich kenne die Menschen besser. Soviel giebt keiner aus bloßer Gutmütigkeit."
„Es wird auch bald aufhören," murmelte die Frau, wie zu sich selber sprechend - „sobald 86on einundzwanzig Jahre alt ist —"
//Na, ja, der Herr Rechtsanwalt können zu genau nachrechnen, haha!"
„Das nicht," flüsterte Frau Schmidt unsicher.
„Nein, beileibe nicht!" höhnte der Mann. „Der gute Rechtsanwalt ist Dir ganz unbekannt, hat sich aus purer Nächstenliebe des lieben Lson —" er ahmte mit seinem breiten, gemeinen Dialekte ihre französierende Aussprache nach — „angenommen, zahlt ihm aus purer Nächstenliebe bis zu seinem einundzwanzigsten Jahre im Namen eines unbekannten Wohlthäters eine bestimmte Summe aus, wofür Du Dich verpflichtest, den unbekannten Wohlthäter nicht zu nennen. So war's doch. Wie?"
Sie nickte zaghaft. Er warf den Stummel seiner Zigarre weg, steckte die Hände in die Hosentaschen und pflanzte sich breitbeinig vor die Frau hin.
„Nun passe mal auf, mein Täubchen. Wenn der unbekannte Wohlthäter und der bekannte Vater, mit dem Du eine so alberne Geheimniskrämerei treibst, aufhört zu zahlen, so ist meine Geduld zu Ende, so rede ich mit ihm, Du weißt schon, mit wem, und deutlich! — Das schwör' ich Dir."
Sie duckte sich unter seinen Worten, als seien es Schläge, die auf sie niederfielen.
„Dem Manne muß an unserer Diskretion viel liegen, da er sie teuer bezahlt. Aber —" mit erhobener Stimme, „wir sind zu billig gewesen! Jetzt wo er verheiratet ist, werden wir höhere Preise stellen."
(Fortsetzung folgt.)
Drei Badereisen.
Eine „wahre" Geschichte von Friedrich Thieme.
------- (Nachdruck verboten.)
Wenn eine moderne Hausfrau, Gattin und Mutter in ihrer elegantesten Straßentoilette vor ihrem Ausgang im Arbeitszimmer ihres Gemahls erscheint, so besteht der Zweck ihres Besuchs im Verlangen der Kaufsumme entweder für ein neues Kleid oder einen neuen Hut. Wenn eine moderne Hausfrau, Gattin und Mutter in ihrer elegantesten Straßentoilette nach ihrem Ausgang im Arbeitszimmer ihres Gemahls erscheint, so besteht der Zweck ihres Besuchs in der Mitteilung, daß eine „teuere" Freundin von ihr, mit der sie soeben eine ganze Serie konventioneller Zärtlichkeiten ausgetauscht hat, in den Besitz entweder eines neuen Kleides oder eines neuen Hutes gelangt ist.
Das Endresultat ist das gleiche . . . Wenn das gesellschaftliche Renommee der Familie nicht für die Ewigkeit und


