Nachdruck verboten.
Die Sünden der Väter.
Roman von Osterloh.
(Sortierung.)
„Es ist mir sehr peinlich," begann sie zögernd, „daß eine so unerquickliche Angelegenheit zwischen uns zur Sprache kommt- doch da es nun einmal geschehen, möchte ich mit meiner Meinung nicht zurückhalten. Was früher war, läßt sich nicht ändern, und jeder muß sich damit abfinden, so gut er kann. Ich habe aber das Vertrauen gehabt, Konrad, — daß — daß — alles mit dem Hochzeitstage abgeschlossen und erledigt sein würde für immer/' Sie schlug die Augen nieder, während sie sprach. Es fiel ihr schwer, über solche Dinge zu reden und nun gar zu ihrem Schwiegersohn, 'ber ihr so gar nicht wie ein Sohn vorkommen wollte, sondern der ihr immer reifer erschien, als sie selbst. In Konrads Gesicht zuckte es- er machte eine heftige Bewegung, als wolle er mit dem Fuße aufstampfen, aber er beherrschte sich- nur eines Anflugs von Bitterkeit vermochte er sich nicht zu erwehren, während er antwortete:
„Ich hätte nicht geglaubt, Mama, daß ich in die Lage kommen würde, mich gegen derartige Vorwürfe verteidigen zu müssen. Sei es. Ich habe mit der betreffenden Frau nichts weiter zu thun — und zu thun gehabt, als daß ich ihr in regelmäßigen Zwischenräumen ein bestimmte Summe Geldes für ihren Sohn auszahle im Auftrage eines Freundes, — der abwesend ist."
„Wie heißt der Freund?" fragte Else hastig.
„Den Namen werde ich aus leicht begreiflichen Gründen nicht nennen," erwiderte Konrad kurz und bestimmt.
„Natürlich nicht!" rief Else leidenschaftlich. „Weil Du es nicht kannst, weil er nicht existiert. Du vergißt, daß ich noch mehr gehört habe. „Der Junge hat mich schon genug Geld gekostet," sagtest Du. Mich, nicht meinen Freund."
Ziel schwieg. Eine unbehagliche Pause trat ein. Nur Frau Andree hob vorwurfsvoll ihre reinen Augen zu Konrad
sA it unerbittlicher Strenge vollzieht sich zum Nachteil vieler Einzelnen, aber dennoch zum Segen für die Gesamtheit das Gesetz, daß ein Vermögen sich nur in der Hand dessen
erhalten kann, der es zu verwalten versteht.
auf und flüsterte: „Ich hätte geglaubt, daß Du mir die Wahrheit geben würdest."
Eine dunkle Röte stieg in Ziels Schläfen und verbreitete sich über die gebräunte Stirn.
„Ja, Ihr sollt Wahrheit haben!" rief er mit bebender Stimme. „Ihr alle, weil Ihr sie fordert. Du willst wissen, Else, wer Frau Schmidt ist und was ich mit ihr und ihrem Sohne zu schaffen habe. Du sollst es erfahren —"
„Frau Schmidt?" wiederholte Dorothea mit stockendem Atem, und eine furchtbare Ahnung, dunkel und beklemmend, überkam sie.
„Frau Clariffa Schmidt," bestätigte Ziel. „So heißt sie. Nicht die sogenannte Frau Schmidt, wie Du sie nennst, Else. Aber — Du wirst nicht vergessen —" und wie mit einer stummen Frage heftete sich sein Blick auf Frau Andree, „daß ich nur gezwungen gesprochen habe."
Mit einer leidenschaftlichen Bewegung streckte Frau Andree beide Arme abwehrend aus.
„Nein, nein!" kam es wie ein Aufschrei, von ihren Lippen. Die Ahnung nahm Gestalt an, verdichtete sich, grau Clariffa Schmidt!
Sie sah plötzlich die Frau wieder, die am Weihnachtstage, um ein Almosen bittend, zu ihr gekommen war und die, nachdem sie abgewiesen worden, sich so ungeniert vertraulich in ihrem Zimmer umgesehen hatte. „So sah er aus, wenn er vergnügt war." Sie hatte das Wort nicht loswerden können. Und dann tauchte eine andere Erinnerung vor ihr auf: ein Stoß Zettel und Briese mit C unterschrieben, alle mit demselben langgezogenen C — C — C und schließlich der ganze Name Clariffa.
Clariffa Schmidt! Es war, wie wenn ein Blitzstrahl eine im nächtlichen Dunkel ruhende Gegend erhellt. Es währt nur einen Augenblick- aber dieser Augenblick genügt, um die fernsten Winkel zu durchleuchten. Ach, Dorothea war sonst nicht so schnell im Erraten- doch hier fügte sich plötzlich mit unheimlicher Klarheit Bild an Bild — Ahnung an Ahnung, Verdacht an Verdacht. So war es nicht genug gewesen, daß sie die Briefe ins Feuer geworfen und jede Spur davon vernichtet, daß sie das Geheimnis in ihrem Herzen begraben hatte? Es tauchte wieder auf — drohend, fürchterlich. Die Frau lebte noch. Das unselige Verhältnis war nicht ohne Folgen geblieben. Der Name, für dessen Geheimhaltung Konrad kämpfte, war nicht sein eigener.
Es überlief sie eiskalt.
„Nein!" rief sie noch einmal, „nein, nein!" und „nein/,


