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Er ächzte und schwatzte unaufhörlich, aber seine Worte waren gänzlich unverständlich.

Ich wies Banyard an, ihm die Lippen abzuwischen und dieselben mit Wasser zu benetzen; dann eilte ich nach hinten, um dem Kapitän Bericht zu erstatten. Er saß unter dem offenen Oberlicht und ich rief hinein-.Ich glaube, Joey, der Schiffsjunge, liegt im Sterben,- es würde wohl gut sein, wenn Sie sich ihn einmal ansehen möchten."

®er?" rief er, in die Höhe sehend.

Der Knabe, den Mr. Sloe diesen Morgen ge­schlagen hat."

Augenblicklich sprang er auf und kam auf Deck.

Wo ist er?"

Im Deckhaus."

Er ging eilig dorthin und ich folgte ihm. Ich be­obachtete ihn, als er den Knaben anblickte und bemerkte, daß er blaß wurde wie ein Bettlaken.

Was fehlt dir? Hast Du Schmerzen? Wo thut es denn weh?" rief er mit der schüchternen Art eines Mannes, der nicht gewohnt ist, freundliche Worte zu sprechen.

Der Junge murmelte und wimmerte, und rollte das Weiße seiner Augen. Obgleich Banyard ihm die Lippen ab­gewischt hatte, war ihm doch wieder Schaum vor den Mund getreten, noch blutiger als zuvor, und auch der Fleck auf seinem Kopfkissen war jetzt fast schwarz.

Wenn de Schipper den Maat nich glik in Isen leggt un uns versprökt, em uphängen tau laten, bei--so

wull'n wi dat besorgen," grollte eine tiefe Stimme hinter mir.

Ich blickte zurück und sah drei Leute durch die Thür gucken, welche zu meiner Wache gehörten.

Der Schiffer wandte den Kopf nicht um.

Würde nicht etwas Branntwein ihn beleben, was meinen Sie, Chadburn?" fragte er.Gehen Sie rasch und holen Sie welchen. Geben Sie mir das Tuch"; er nahm es Banyard ab und wischte dem Jungen den Schweiß von der Stirn, während ich nach hinten eilte.

Miß Franklin stand am Tisch, als ich die Kajüte betrat.

Was giebt es?" rief sie.

Der Junge, welchen Mr. Sloe diesen Morgen schlug, liegt im Sterben."

Im Sterben?" rief sie, mit einem Blick unbeschreib­lichen Entsetzens.

Ich lief mit dem Branntwein ins Deckhaus zurück. Der Kapitän füllte ein Glas und hielt es dem Knaben an die Lippen. Dabei zitterte seine Hand derart, daß er dem Burschen einen Teil des Inhalts über den Hals goß.

's is hart für en Jungen, ümbröchr tau wurden, wil hei sie» Arbeit bahn het, so gaud as hei tonnt,* sagte der Schiffsjunge, Namens Hardy.Hei verteilte mi, sien Modder wier starben, eine Woche eh sei sik inschippt hädd, hei was dadörch weikmäudig worn, un ik hürt em irst gistern abend tau ehr beden. Hei was en gauten Maat, hei gaw mi dit Hemde," dabei wie er auf ein altes abgetragenes Stück, welches er an hatte, und brach in Thränen aus.

Hul' nich; Jung," schrie Banyard,'t is Water naug in 't Kielraum, ahn dat du uns noch extra Arbeit makst mit Pumpen;" und nicht unfreundlich hakte er seine Finger in Hardys Kragen und warf ihn durch die Thür auf das Deck hinaus.

Lucius, um Gottes willen, der Knabe stirbt, er muß in die Kajüte gebracht werden. Sieh den Schaum vor seinem Munde! Knöpfe den Kragen seines Hemdes auf!"

Diese Stimme klang unmittelbar hinter der Banyards, wie das Flöten einer Nachtigall nach dem Bellen eines Kettenhundes.

Miß Franklin eilte an mir vorüber und trat zu dem Burschen, worauf ihre weißen Finger sich sogleich an seinem Halse zu thun machten.

Geh zurück in die Kajüte, dies ist kein Ort für dich!" rief der Kapitän in leisem, aber hastigem Ton.

Warum soll ich ihm nicht helfen? Sieh das Blut auf seinem Kopfkissen! Oh, was für ein herzloses Ungeheuer, olch einen zarten Knaben so zu schlagen! Ich will nicht gehen!" rief sie heftig, sich dem Griff entwindend, mit welchem ihr Bruder sie am Arm gefaßt hatte.Siehst du nicht, daß er im Sterben liegt? Warum erlaubst du deinem Maat, so grausam zu sein? Tauchen Sie dies Tuch in Waffer und drücken Sie es auf seine Stirne."

Mit diesen Worten wandte sie ihre Augen hilfesuchend nach mir und streckte mir ihr Taschentuch entgegen. Ich trat vor und nahm es ihr ab; als ich aber im Begriff stand, das durchnäßte Tuch auf die Stirn des Leidenden zu legen, stürzte ein Strom von Blut aus seinem Munde.Namt dat Külle von mien Bost!" schrie er, darauf streckte er sich, er war tot.

Das Mädchen legte die Hände über ihre Augen, und ein heftiger Schauder schüttelte sie. Mit einem Gesicht, so blaß wie der Tote selbst, wandte sich sich um und ging aus dem Haus.

Der Kapitän war im Begriff, ihr zu folgen.

Schipper," rief eine drohende Stimme,wat beab­sichtigen Sei mit dem Mürder tau dauhn?"

Die Stimme war die des schönen Bluut, und dicht hinter ihm standen mehrere von der Mannschaft.

Der Maat war nicht schuld daran," antwortete der Kapitän hastig.Ich glaube nicht, daß der Junge an dem Schlage starb. Chadburn, laffen Sie den Körper einnähen, wenn Sie denken, daß er tot ist, wir wollen ihn dann gleich begraben."

Sei warben uns nich so los, Schipper, wat wollen Sei mit em dauhn?"

Was wollt ihr, daß ich thue?" erwiderte der Kapitän, in dem Schein der Lampe stehend, welcher aus dem Hause auf das Deck fiel, und die Leute fest ansehend.

's steiht schrewen:Blaud üm Blaud'," lautete die Antwort.

Erwartet ihr etwa, daß ich den Maat hängen werde?' sagte der Kapitän mit leiser, aber scharfer Stimme.Ich sage euch, Leute, es war ein Unfall, aber kein Mord!" Macht Platz!"

Dat is als» Ehr letztes Wurt?"

Ja!" dabei stampfte er mit dem Fuß auf, wandte sich um und ging nach hinten.

Die Leute blieben einige Augenblicke in atemlosem Stillschweigen beisammen. Einer von ihnen ging darauf leise zur Thür des Hauses.Kämt, un seiht em an," sagte er flüsternd, und schritten alle zusammen vor und schauten hinein.

Nachdem sie schweigend auf die Leiche gesehen hatten, gingen sie nach vorn. Ich horchte, um zu vernehmen, was sie sprächen; aber kein anderer Ton erreichte mein Ohr, als das Schluchzen von Hardy, welcher im Schatten des Vormastes ungestört seinen Thränen freien Laus ließ.

Banyard und ich nähten den Toten ein und befestigten Blei am Fußende der Hängematte. Als wir fertig waren, ging ich, es dem Kapitän zu melden. Er lehnte in düsterer Haltung an der Kampanje.

Sloe wird mich noch in Ungelegenheiten bringen, wenn er seine Fäuste so freigebig braucht. Mag er die Hunde pauken, bis sie Manieren lernen, aber von dem Jungen hätte er seine Hände weglaffen sollen," murmelte er und sah mich an, schien aber kaum zu wissen, zu wem er sprach. Er trocknete sich die Stirn mit dem Taschentuch und ich wiederholte, was ich gesagt hatte.

Dann werfen Sie ihn über Bord !" befahl er.

Gleich?"

Gleich! Natürlich, noch diesen Augenblick."

Soll kein Gebet gelesen werden?"

Wer soll um diese Stunde der Nacht Gebete lesen?