Ausgabe 
25.2.1899
 
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Samstag den 25. Februar. Q

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as halte fest: Bei Hellem Sonnenschein Jst's leichte Kunst, getrosten Muts zu fein, Doch ob ein Menschenherz ist stark und groß, Das zeigt sich erst bei einem schweren Los.

K. Telmann.

Nachdruck verboten.

Die Armenhausprinzessin.

Roman von O. Elster.

I.

Da lag sie wieder vor ihm, überflutet vom Abend­sonnengold des sinkenden Herbsttages, die Heimat, der er vor fast dreißig Jahren entflohen war, als ein trotziger, wilder Jüngling, und in die er jetzt zurückkehrte, als ein kranker, alter, gebrochener Mann.

Was hatte er gesehen, was erlebt in derweilen, großen Welt? Und wie traulich, wie unverändert lag die Heimat seiner Jugend da, zwischen den gelben Feldern, den saftigen Wiesen eingebettet, überragt und geschützt von den himmel­anragenden Bergen, überschattet von den rauschenden Wäldern, überwölbt von dem lichtblauen Himmel, an dem die lang­gestreckten Wölkchen dahinzogen, wie die schneeigen Wellen­kämme über das blaue Meer.

Ueber das Meer, das Weltmeer war er gezogen, über das wogende Grasmeer der Prairien war er gewandert, im dichten, düsteren Urwald des amerikanischen Westens hatte er gehaust, reißende Ströme mit donnernd zur Tiefe stürzen­den Katarakten überbrückt, in den Felsenthälern und auf den schneebedeckten Gipfeln der Anden sein Zelt aufgeschlagen, in den brudermörderischen Schlachten des großen Bürger­krieges zwischen dem amerikanischen Süden und Norden mit- gcfochten, an der Grenze der Zivilisation sich seine Hütte gebaut, im Kampfe liegend mit der wilden Natur, mit den blut- und beutegierigen Rothäuten und jetzt jetzt lag er da am Straßenrand seiner Heimat, ein müder Mann, ein Invalide des Lebens, hinabblickend mit finsterem, fieber­heißem Auge auf das an den Bergen emporkletternde Städtchen, auf das Kirchlein inmitten der Häuser und Hütten, auf die im Fruchtschmuck des Herbstes prangenden Gärten, auf die Wiesen und Felder, auf die Wälder und Berge, auf den unendlichen, stillen, trauten Frieden seiner Heimat, seiner Jugend.

Aechzend stützte der Mann sein Haupt in die schwielige Faust, tief in sich zusammenstnkend. Er wollte nichts mehr sehen von diesem Frieden, dieser stillen Schönheit. Der Anblick schmerzte sein gebrochenes Herz. Er war nicht heim­gekommen, um sich dieses Friedens, dieser Schönheit zu er­freuen, sondern weil er keinen Platz auf Erden hatte, wo er sein Haupt ruhig zum Sterben ntederlegen konnte, nach­dem er sein einziges Gut, sein einziges Kind der Obhut seiner Heimat, seiner Verwandten anvertraut haben würde.

Sein Kind, seine blondlockige, blauäugige Elsie, sollte nicht untergehen in der großen Welt da draußen. Sie sollte leben in dem stillen Frieden der Heimat, sie sollte das heiße Wünschen, das fieberhafte Streben, die Unruhe des Herzens vergessen in dem stillen Frieden der Heimat. Sie sollte nicht werden wie er, ein ruheloser Wanderer auf Erden, ein heimatloser Abenteurer auf dieser Welt, ein Fremder, ein Einsamer unter den Millionen und Abermillionen von Menschen. Sie sollte eine Heimat haben, sie sollte den Frieden, die Liebe, die Ruhe der Heimat genießen.

Elsie, komm her \" rief er plötzlich mit rauher Stimme einem etwa zehnjährigen Mädchen zu, das in der Wiese am Wege Blumen pflückte.

Und das kleine, zierliche Ding, dessen sonnenverbranntes Gesichtchen goldblonde Locken in wilder Ungebundenheit um­flatterten, sprang herbei und warf einen großen Strauß Feldblumen in den Schoß des alten Mannes.

Sieh, welch' herrliche Blumen, Vater," rief sie lachend. Fast so schön wie bei uns da draußen auf der Prairie . . . aber Väterchen, was ist Dir? Du hast geweint?"

Das Kind schmiegte sich an den alten Mann und lieb­koste seine eingefallenen Wangen.

Ich habe geweint, stieß der alte Mann hervor, weil wir uns bald trennen müssen . . ."

Trennen?! Ich sollte von Dir gehen, Vater? Nie­mals . . ."

Und doch wirst Du es müffen, meine kleine Elsie. Sieh dort das Städtchen es ist meine Heimat, von der ich Dir oft erzählt habe, meine Heimat, die ich niemals wiederzusehen glaubte, die ich niemals wiedergesehen hätte, wenn nicht mein Leben, mein Glück in Scherben gebrochen vor meinen Füßen läge doch das verstehst Du nicht. Kurz, ich-brachte Dich hierher, weil hier die einzigen Ver­wandten von mir leben dort in dem großen Bauerngehöft, etwas abseits von dem Städtchen. Eine Schwester von mir lebt dort, zu ihr will ich Dich bringen Du bist dort