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Woher sich die symbolische Bedeutung der Stacheleiche schreibt, besagt schon der ihr auch beigelegte Name „Christdorn". Nach der Volkssage mancher Gegenden ist aus dem Gezweigs der Stecheiche die Dornenkrone Christi verfertigt worden. Der Glanz seines Hauptes übertrug sich auf ihre Blätter, und von seinem Blute färbten sich Spitzen und Rand derselben rot. „Die Blätter der Dornenkrone, vom Stu>m beim Erdbeben ersaßt und zerstreut, flogen weit in alle Lande hinein. Wo dieselben sich niedersenkten und alsbald Stachelerchcn erwuchsen, da sollte eine Stätte sein, welche bestimmt war, später in besonderer Heiligkeit dazustehen." (Handtmann: „Was aus märkischer Heide sprießt.") Nach demselben Autor hat nach der märkischen Volksfagc das Blut Christi mannigfache geheime Kräfte in den Strauch gelegt. Wer seine oetrockneten Blä ter im Zimmer aufbewahrt oder damit räuchert, schützt seine Kinder vor der Taufe gegen alle Anfechtung des Bösen. Solches Laub muß daher sowohl innerhalb der Wochenstuben, wie unterhalb der Fenster solcher außen gestreut werden. Stöcke aus der Stachcleiche wachen wider Hexerei und jeglichen sonstigen Angriff sicher, Thee, aus den Fruchtkernen aufpebrüht, heilt Steinbeschwerden."
Die Wistel (Viscum album), auch Kreuzholz getauft, ist in Verbindung mit der Siecheiche bereits ar geführt und die Art ihrer Verwendung als Weihnachtsshmbol oben bezeichnet worden. Die Pflanze selbst ist bei uns weit verbreitet und wohl jedermann bekannt, da sie auf den meisten unserer Laub- und Nadelbäume in Gestalt eines stark verzweigten Busches als Parasit lebt. Sie trägt gelbe Blüten und weiße Beeren, aus welchen Vogelleim bereitet wird und die von der sogenannten Misteldrossel gern gefreffen werden. Da die Mistel auf Eichen nur selten vorkommt, so galten auf Eichen gewachsene Misteln den alten Teutschen als heilig und waren als Schutzmittel gegen Hexen und andere Teufelswerke im Gebrauch. Auch die Griechen legten der Mistel Bedeutung bet, ein Zweig von ihr sollte die Pforten der Unterwelt erschließen. Des weiteren spielen in der Wcih- nachtsbotanik besonders der Apfel- und Nußbaum eine gewichtige Rolle. Aepfel und Nüffe will niemand bei der Bescherung und am Christbaume entbehren, und zwar finden am letzteren sowohl Walnüffe als Haselnüffe ihre Liebhaber. Es erscheint überflüssig, näher auf die allbekannten Beziehungen der Apfel- und Nußbäume zum Weihnachtsfeste einzugehen, nur einer wohl in weiteren Kreisen unbekannten märkischen Volkssage will ich gedenken, welche sich ebenfalls in dem oben erwähnten verdienstvollen Buche von Handtmann findet und die der fleißige Forscher dem Volksmunde abgelauscht hat. Danach vermag ein frommer Hausvater — oder noch besser der Großvater auf dem Altenteil im Hause — am Weihnachtstage einen nur ein Jahr um das andere tragenden Apfelbaum in einen jährlich gleichmäßig tragenden, auf folgende Weise umzuwandeln: „Er läßt alle die Seinigen zur Christandacht gehen und hütet das Haus. Er betet still für sich einen Weihnachtsvers, nimmt einen blanken Pfennig, der im laufenden Jahre geprägt und thm im Verkehr während der Christwoche zufällig in die Hand gekommen ist, kniet neben dem Baume nieder und schlägt den Pfennig in Höh- seines Herzens während des Läutens der Christglocken mittels seines Holzpantoffels mit drei Schlägen derartig in den Stamm, daß sich die Rinde über dem Rande des „Weih- nachtspfennigs" wieder zusammenschließt. Durch solches Opfer ist der Baum entsühnt . . ." Er trägt von da ab alle Jahre regelmäßig. Doch niemand darf etwas davon erfahren, sonst stirbt er ab. Sogar die blühende Blume fehlt dem Weihnachtsfeste nicht. Mitten im Scknee steckt in den Gärten die Weihnachts- oder Christrose (schwarze Nieswurz Hsiiodorns niger) ihre große, weiße, zart rosenrot angehauchte Biüre zum Licht empor,' sie trotzt dem Winter und der Kälte, denn die zarte Blüte, die meist aus Kelchb ättern besteht, da die gelben Blumenblättchen wie kleine Honiggesäße aus ehen, be
sitzt^eine seltene Stärke und Widerstandskraft,- die rauhe Witterung macht ihr die kleinen Blättchen nicht welken, und sogar leichten Frösten hält sie stand. In der W ihnachts- rose haben wir eine Erscheinung vor uns, die wiederum in innigster Beziehung zu unserem WelhnachtSfeste steht. Dir Sage erzählt von ihr, daß sie in der Christnacht ihre Blüte öffne und an einer Stelle, wo man mitten im Schnee die erblühten Rosen fand, soll H lbesheim gegtündet worden fein. In England kommt die Christblume, die man zu diesenr Zweck in Töpfen heranzteht, zum Weihnachtsabend auf den Markt und robb als holder Schmuck des Festes hoch geschätzt. Mehr und mehr bürgert ich die schöne Sitte auch bei uns ein, und in der That läßt sich, wie Roßmäßler treffend bemerkt, kaum etwas Sinnigeres denken, als unter dem Weihnachrsbaum einen Tepf mit blühenden Schneerosen. Auch die Christwurz (Eranthis hiemalis) blüht um die Weihnachtszeit, eine nahe Verwandte der Nieswurz, sodaß also das Leben in der Natur nicht so erstorben ist, wie viele Leute wähnen. Und wie wir in Weihnachten den Sieg be& Lichtes, den Triumph der wieder ausstehenden Sonne feiern, so wissen wir auch, daß unter den belebenden Strahlen derselben bald genug die Erde ihr festliches Blütenkleid wieder anziehen und dem immergrünen Christbaume sowie der glänzend- grünen Stecheiche tausend B>über und Schwestern erwecken wird.
Litterarifches.
Im Verlage der G. I. Göschen'schen Berlagshandlung ik Leipzig erschienen: Mathematische Mußestunden. Eine Sammlung von Geduldspielen, Kunststücken und Umerhaltnngsaufgaben malhe- niatischer Natur, von Dr Hermann Schubert, Professor an der Gelrhrlcn- schule des Johanneums zu Hamburg. In Originellem Einband Mk. 5. Wie schon der Titel sagt, handelt es sich hier um kein streng wissenschaftliches Werk, sondern um ein Buch in dem der Verfasser seine Gedanken uiedergelegt hat, mit denen sich der Mathemaiiker in seinen Mußestunden gerne beschäftigt. Es sind ungezwungene kritisch-historische Belrachtungen und unlcrhaitende Plaudereien über alle möglichen Probleme und Kunststücke, die in einer auch dem Laien leicht faßlichen Form vorgeführt, erklärt und ergänze werden.
Zwölf Geduld spiele für Nicht-Maihematiker zum Zwecke der Unterhaltung historisch und kritisch beleuchtet von Dr. Hermann Schuber!. Professor an der Gelehrtenschule des Johanneums zu Hamburg. Orig, kartonnicrt Mk. 2,— Neue Ausgabe. — In einigen dieser Spiele dürfte jeder Leser alte Bekannte wiedererkennen, die ihm arges Kopfzerbrechen gemacht haben. Kinderleicht wird indeffcn die Arbeit, wenn man den Weisungen des Verfassers folgt. Derselbe begnügt sich übrigens nichr mit der Schilderung der Spiele und Enthüllung ihrer Geheimnisse, sondern erteilt zugleich sehr anziehende kulturgeschichtliche Aufschlüsse.
Der Name des Verfassers bürgt für einen gediegenen Inhalt, somit dürften die Bücher nicht nur dem Mathematiker von Fach, sondern jedem, der sich nur einigermaßen für diese Wissenschafr interessiert, ja überhaupt jedem denkenden, gebildeten Laien manche genußreiche Stünde schaffen.
Schachaufgabe.
lNachdruck verboten.)
a b c d e f g h
abedef g h
8
8
6
5
3
2
Weiß.
Weiß setzt in zwei Zügen matt.
5h stö i ng folgt in nächster Nummer.
Redaktion: @. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brübl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Glesien.


