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aber da gabs wenig zu berichten, die Tage im Ghlfenhofe waren ja meist gleichförmig verlaufen, und auf einige ange­legentliche Fragen nach dem Wesen und Treiben des alten Konsuls ging sie natürlich nicht näher ein.

Man trennte sich abends mit großer gegenseitiger Zufriedenheit, und Lina äußerte gegen ihre Mutter:Siehst du, das junge Ding hat am Ende doch gemerkt, was sie an uns hat."

Die Zufriedenheit der beiden Damen wuchs noch, als ihnen in den nächsten Tagen Frau Falkner einen Besuch machte. Sie hielt es der Artigkeit für angemesfen, da doch Renata mehr oder minder von ihnen abhing, munterte auch diese selbst auf, sich den herzensguten Frauen vertrauensvoll anzuschließen, und Renata kam dem auch bereitwillig nach.

Frau Charlotte lud auch die Damen balö zu einer Tasse Kaffee ein, leider konnte Renata heftiger Kopfschmerzen wegen sie nicht begleiten. Sie kamen sehr befriedigt heim und hatten sogar Anerkennung für Fridas Betragen.

Sie wußten freilich nicht, daß, nachdem sie gegangen waren, das übermütige king sich totlachen wollte über die sonderbaren Damen:Wie es nur die Renata dort aus­hält," sagte sie zu Max,ich stürbe vor Langweile. Aber sie wird sehr verständig mit den Damen sprechen und bei Zeiten eine alte Jungfer werden, die über jedes Lachen und Vergnügen die Nase rümpft."

Schäme Dich, Frida," ließ sich da Plötzlich eine ganz andere als des Bruders Stimme vernehmen,wie kannst Du es wagen, so absprechend über Fräulein Wendelin zu urteilen, über sie, die Dir so viel Nachsicht entgegenbringt, wie Du es nicht im mindesten verdienst) denkst Du nicht an ihr schwarzes Kleid, an ihr einsames Leben, Du leichtsinniges, gedankenloses Kind?"

Frida starrte den Bruder und dann mit ihm den Onkel Gottfried an. War er es wirklich, der so scharf, ja beinahe zornig sprach? Frida hatte bei ihren unüberlegten Aeußerungen nicht an seine Nähe gedacht) er hörte ja nach ihrer Meinung nie auf das, was man sprach.

Sie schwieg und wandte sich errötend ab, während Max kopfschüttelnd hinter dem Onkel hersah, der rasch und entschieden ärgerlich das Zimmer verließ.

Frida blickte jetzt den Bruder fragend an und hatte Lust, ihre Betroffenheit unter Lachen zu verbergen. Max steckte die Hände in die Tasche und schritt gravitätisch im Zimmer auf und ab:Ich würde Dir auch raten, etwas anders über diese Renata zu sprechen. Ich ärgere mich auch zuweilen über sie, und sie ist mir keineswegs grün, die Gefahr gegenseitiger Liebe also vollständig ausgeschlossen, aber trotzdem hat sie Eigenschaften, die ich Dir von Herzen wünschte." Er setzte sich ans Klavier und spielte:Ach, du lieber Augustin."

Frida verließ das Zimmer und warf die Thüre ziemlich hörbar ins Schloß, Max in gewaltigem Stolze über seine Ruhe und Ueberlegenheit zurücklassend.

XII.

Einen Krankenbesuch muß ich Ihnen doch machen," sagte lachend Frau Charlotte zu Renata, die warm eingehüllt in ihrem Zimmer saß, während draußen Regentropfen und Schneeflocken einen lustigen Apriltanz aufführten. Renata war stark erkältet gewesen und hatte auf strenges Gebot ihrer beiden Damen das Bett hüten und Thee trinken müssen nach Möglichkeit. Nun war sie ziemlich wieder hergestellt, sah nur noch etwas blaß aus. Sie freute sich sehr über diesen Krankenbesuch ihrer lieben Frau Falkner, der sich auch Frida angeschlossen hatte, und nötigte ihre Gäste eifrig zum Sitzen.

Wir wollen in die Kunstausstellung," sagte Frau Charlotte,mein Bruder möchte uns einige Bilder von uns persönlich bekannten Malern zeigen, da können wir uns nicht allzu lange aufhalten."

Ein Regenschauer schlug prasselnd an die Scheiben und

Charlotte ries:Ach, mein armer Bruder wartet draußen auf uns."

Aber, warum kam der Herr Professor nicht mit herein?" sagte Renata lebhaft,hole ihn schnell, Frida, bitte."

Frida eilte hinaus und kam bald mit dem Onkel zurück, der lachend seine Dankbarkeit versicherte.

Renata begrüßte ihn mit anmutiger Würde, es war ja der erste Herrenbesuch, den sie in ihrem Zimmer empfing, und daß es gerade der Herr Professor war, machte fie be­sonders stolz. Sie sprach so lebhaft und frisch, daß Frau Falkner fie mit liebevoller Befriedigung betrachtete.

Wolfram ließ verstohlen seine Blicke in diesem zierlichen Mädchenheim umherschweifen,- jeder Gegenstand schien ihn zu interessieren. Eine lebhafte Unterhaltung war im Gange, bis Frida fie unterbrach mit den Worten:Sage nur, Mama, wollen wir denn eigentlich noch in die Ausstellung? Das Wetter hält uns schon seit einer Stunde nicht mehr ab."

Ja so, Kinder, das haben wir ja ganz vergessen!" rief lachend Frau Charlotte.Gottfried, dachtest Du denn nicht daran?"

, Nein, nicht im geringsten," erwiderte dieser, einen Band Gedichte, in dem er geblättert, beiseite legend. Er zog seine Uhr:Uebrigens ist es nun auch zu spät, die Ausstellung wird in einer halben Stunde geschlossen."

Daß Sie nun um diesen Genuß kommen, thut mir herzlich leid," sagte Renata, aber ihr Gesicht mit seinem beinah schelmischen Ausdruck strafte sie Lügen,besonders für den Herrn Professor, der hier in meinem kunstlosen Reiche hat eine ganze Stunde aushalten müssen."

Müssen! müssen!" sagte er lächelnd vor sie hintretend, wer von uns mußte denn, Fräulein Renata? Oder wollen Sie ein Kompliment hören?" Er hob drohend den Finger und noch nie hatte sie diese ernsten, ruhigen Augen so aus­leuchten sehen.

O nein, nein," wehrte fie und senkte errötend das Gesicht, eine eigene Befangenheit überkam sie.

Frida lachte:Nein, Onkel, daß Du necken kannst, habe ich auch noch nicht gewußt, und es steht Dir ganz gut."

Der Onkel griff nach seinem Hute, während Charlotte die jugendliche Wirtin in die Arme schloß,- vielleicht regte sich in ihrem Herzen ein Gedanke, der fie heute so besonders herzlich sein ließ.

Als die Gäste gegangen, kam Renaten ihr Zimmer recht öde vor, und doch war sie so befriedigt.

Dem Professor hatte es hier gefallen, das war klar und machte ihr viel Freude, wann würde ihn sein Weg wohl einmal wieder in ihr stilles Heim führen?

Einige Tage vergingen, und die Sonne schien wieder hell und warm. Renatens Fenster stand offen, und ein Licht­strom flutete herein, getragen von der mildesten und duftigsten Frühlingsluft.

Es war Sonntag, und von allen Türmen läuteten die Glocken den Gottesdienst ein.

Renata kehrte eben zurück von Walters Grabe,- der Gang hatte sie müde und still gemacht. Sie setzte sich an das Fenster und ließ das Sonnenlicht und die Frühlingsluft um sich her wogen.

Heute war ihr Geburtstag, und es lebte nun niemand mehr, der ihn wußte oder daran dachte. Sie faltete die Hände, es war so friedlich in ihr wie lange nicht, sie fühlte so deutlich, jetzt, wo fie an diesem Tage ganz allein war auf der Welt, daß Gott fie nicht verlaffen, wenn auch ihr Vater, ihre Mutter es gethan. Sie lauschte dem feierlichen Chor­gesang der Glocken, der über die Stadt hinschallte.Und die Erde ist doch schön, und auch ich werde ein Plätzchen für mich finden," dachte sie. Sie griff nach dem Taschentuch, das fie bei ihrer Heimkehr achtlos auf ihr Nähtischchen ge­legt, und wollte sich erheben, aber wie festgewurzelt blieb sie sitzen.

Ein duftender Veilchenstrauß lag unter dem Tuche, kunstlos zusammengebunden, halb auf dem Tische, halb auf