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dem Fensterbrett. Hastig griff Renata danach: „Woher kam er?" Ihr Zimmer war verschlossen gewesen, er konnte nur durchs Fenster geworfen sein. „Frau Falkner oder Frida/ blitzte es durch ihren Kopf. Wahrscheinlich hatten sie ihren Geburtstag erfahren und wollten sie gleich am Morgen begrüßen. Mit inniger Dankbarkeit dachte Renata an die liebe Frau.
Eine zierlich bedruckte Karte fiel heraus mit den kurzen Worten beschrieben: „Ein Geburtstagsgruß/
Kopfschüttelnd betrachtete Renata die Karte, aber sie wollte sich d'e Freude nicht verderben lassen.
Gewiß hatten Falkners sich einen Scherz gemacht und kamen noch heute selbst zu ihr.
So versank sie wieder in Sinnen, bis ein fester Schritt auf der sonntäglich stillen Straße sie aufschreckte. Er näherte sich rasch, und eine schlanke Männergestalt ging langsam an ihrem parterre gelegenen Fenster vorüber, artig grüßend zu ihr hinaussehend.
Viktor Burghoff! Renata richtete sich hastig auf, ein jäher Gedanke durchbebte sie, der ihr Herz wild pochen machte. Hatten nicht seine Augen den Veilchenstrauß gestreift und ein eigenes Lächeln diesen Blick begleitet?
Mit einem Schlage war die weihevolle, friedliche Stimmung den unruhigsten, verworrensten Gedanken gewichen, und sie ängstigten das arme Kind beinahe zu Thränen. Hilflos blickte sie den Strauß an, der sie so aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Und jetzt läuteten die Glocken zum Gottesdienst und sie hörte drüben die beiden Damen in den Flur treten, denen sie sich zur Kirche anschließen wollte. Sie wollte sich die Sonntagsstimmung nicht nehmen lassen und kämpfte tapfer alle zerstreuenden, thörichten Gedanken in den Hintergrund. Aber sie blieben doch dort und kamen siegreicher hervor, als Renata wieder allein saß. Fast gewaltsam nahm sie an, daß der Strauß doch eine Gabe von Frau Charlotte oder Frida sei, und sie horchte fieberhaft auf jeden Schritt, aber sie kamen nicht. Sie kannte ja auch die Handschrift der beiden Damen, sie hatten die wenigen Worte nicht geschrieben.
Gegen Abend Begleitete Renata Frau und Fräulein Nolte auf einem Spaziergange und auf dem Nachhausewege begegnete ihnen Viktor Burghoff. Es war gut, daß der dichte Schleier die tiefe Glut verbarg, die bei seinem Gruße in ihr Gesicht stieg.
In den nächsten Tagen kam Frau Charlotte mit Frida, aber beide erwähnten nichts von Renatens Geburtstage, sie ahnten ihn gar nicht/ Frida hätte sonst gewiß nicht geschwiegen. So welkte der Strauß, und nur ein einziges Veilchen fand seinen Platz im Gebetbuch des jungen Mädchens.
(Fortsetzung folgt.)
Sardinen in Del.
Von Fred Hood
------- (Nachdruck verboten.)
Die Sardine ist die würdigste Vertreterin der weitverzweigten und sehr ehrbaren Familie Hering in den südlichen Küstenmeeren Europas. Sie spielt dieselbe Rolle im Mittelmeer und dem Atlantischen Ozean, wie die Sprotte in der Nord- und Ostsee, und wird in konserviertem Zustande als der feinste und wohlschmeckendste aller heringsartigen Fische geschätzt. Die Hauptfangplätze liegen an der nordfranzösischen Küste, vorzüglich aber an der Küste der Bretagne.
Der Fischfang beginnt in Frankreich zur Laichzeit, also zu Anfang des Monats Juni. Sobald die Fischer an der Küste der Bretagne zahlreiche Scharen von Tümmlertauben über der See bemerken und zahlreiche Möven in kurzen Zwischenräumen in die Tiefe tauchen sehen, werden die Boote ausgerüstet; die Fische sind eingetroffen.
Die Boote fassen gewöhnlich ein Dutzend Tonnen und werden mit sechs vis zehn Personen bemannt. Nur der
Kapitän und der Steuermann sind Fischer von Beruf; die übrigen Gehilfen find Handarbeiter, Landleute, Winzer usw.
Der ganze Fangapparat besteht aus dichtmaschigen Netzen von 300 bis 1500 Fuß Länge. Der obere Rand wird durch Korkstücke an der Wasser-Oberfläche schwebend erhalten, während der untere Rand mit Bleigewichten beschwert ist, die das Netz straff spannen.
Sobald man die ersten Fischschwärme vom Lande aus bemerkt, werden die Segel gehißt, und die Boote fahren hinaus.
Eine Schicht öliger, auf der Meeres-Oberfläche schwimmender Substanz, sowie eine beträchtliche Menge kleiner, im Wasser schwebender Schuppen von metallischem Glanz verraten die Anwesenheit der Fische. Das Boot wird nun, damit es nicht von der Strömung fortgetrieben werde, durch leichte Ruderschläge über dem Fischschwarm erhalten, und das Netz ausgeworfen. Der Kapitän steht im Heck und streut mit vollen Händen den Köder in's Meer. Es ist Dorschrogen, dazu bestimmt, die Fische an den gastlichen Ort zu fesseln. Bald sieht man neue Mengen Schuppen emporsteigen, während das Netz durch die von allen Seiten herbeiströmenden Scharen lebhaft bewegt wird. Dann wird es eingeholt und zugeschuürt, die Segel werden gehißt, und das» Boot nimmt seinen Kurs nach dem nächsten Hafen, wo die stets reiche Beute auf das Deck geschüttet wird.
Es ist eine eigentümliche Thatsache, daß man selten eine lebende Sardine aus dem Wasser zieht; geschieht dies doch einmal, so stirbt sie fast augenblicklich.
Von den 250 bis 300 Fischerbooten, die während der Fangzeit in Belle-Jsle ausgerüstet werden, gehören 200 nach dem Hafen von Palais, die übrigen nach Sauzon. Diese beiden Häfen bilden zugleich die Haupt-Sardinenbörsen. Jedes Boot erzielt einen Ertrag von ungefähr 8000 bis 10000 Fischen, und man berechnet den Marktpreis nach der mit den ersten Schiffen eingebrachten Menge. Auf den Molen warten schon die Vertreter der großen Konserven- Handelshäuser, um ihre Einkäufe zu machen. Ist dieses Geschäft erledigt, so werden die Sardinen zu je 200 Stück in Körbe gezählt und sogleich von den Fischern nach den Konservenfabriken befördert.
Eines der größten Etablissements dieser Art ist das des Herrn Amieux zu Sauzon. Es liegt an der Meeresküste, an einem reizenden, natürlichen Hafen, in welchen die Fischerboote leicht und bequem einfahren können. Die Gebäude beherrscheu die Küste. Während der Fangzeit sind hier 300 Frauen und 50 Männer dauernd in der Fabrik beschäftigt; sie erwarten in einer gewissen Aufregung die Ankunft der ersten Boote. Die weiblichen Angestellten, in ihrer malerischen Bretagner Tracht, nehmen Aufstellung in dem ersten Zubereitungs-Saal, wo die Fische auf Tischen ausgebreitet und zunächst leicht gesalzen werden. Sodann werden sie gereinigt, und die Köpfe und Eingeweide entfernt. Sobald dies geschehen ist, sortieren Knaben die Sardinen nach ihrer Größe und tragen sie nach einer anderen Fabrikabteilung, wo die Fische, je nach ihrer Größe, für längere oder kürzere Zeit in Salzwasser gelegt werden.
Nach dem Einsalzen werden sie in einer großen Wassermenge gewaschen und dann sorgsam, jedes Stück von dem anderen getrennt, auf besondere Drahtvorrichtungen, sogen. „Roste", gelegt, und sofort zum Trocknen an die frische Luft gelegt. Ist das Wetter aber regnerisch oder auch nur feucht und'neblig, so ist das Trocknen unmöglich, und die Fische sind verloren. Sie sind dann gerade noch als Dungstoff, aber sonst absolut nicht verwendbar.
Natürlich hat man sich bemüht, diesem großen Uebel- stande zu begegnen. Die Firma Amieux hat zu diesem Zwecke einen großen mechanischen Trockcnapparat beschafft, welcher sich sehr gut bewährt. Es ist dies ein riesiger Ventilator, der durch Dampfkraft betrieben wird. Die Sardinen werden einige Augenblicke einem starken Luftstrom ausgesetzt, um unmittelbar danach, auf den Rosten


