Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. Ditsnrth.

(Fortsetzung.)

XI.

Als Renata am anderen Morgen eben angekleidet war, trat Frau Charlotte mit herzlichemguten Morgen" ein. Sie jah verwacht und verweint aus.Nicht wahr, Kind, Sie hörten den Lärm?"

Das junge Mädchen nickte.

Es thut mir so leid, wie gern hätte ich Ihnen das erspart."

Sie sprechen von mir, und ich sehe, was Sie wieder durchkämpft haben!" sagte Renata abwehrend.

Ach, mein gutes Kind," sagte Frau Falkner, zärtlich über Renatens Gesicht streichend,wenn ich Ihr junges Gemüt noch mehr belasten wollte, ich müßte Ihnen eine lange Geschichte erzählen voll Jammer und Herzeleid- aber ich kann und will es nicht. Wir würden ja alles überwinden und mit Gottes Hilfe überwunden haben, aber mein armer Vater wühlt in der Vergangenheit, und es wird immer dunkler in ihm. Seit Jahren ringe ich für ihn um einen Strahl von oben und nach oben, ich kann ihn nicht so dahinfahren sehen!"

Renata faßte wortlos die Hände der Erregten, da um­klammerte plötzlich diese daS junge Mädchen, legte ihren Kopf auf deren Schulter und brach in bitteres Weinen aus.

Tief erschüttert blickte Renata auf die sonst so feste, energische Frau.

Jedes Wort erstarb ihr' im Munde, was sollte sie auch diesem Jammer gegenüber sagen?

Charlotte richtete sich auf:

Ich weiß nicht, ob es recht war, in dieser Aufregung zu Ihnen zu kommen," sagte sie, ihre Augen trocknend,es

Dienstag den 24. Dfaräer.

v

LL

1

f enn dich die Stürme des Lebens bedräuen, Sinke dir niemals der tröstende Mut. Lache des Sturmes, es wiegen die Möven Auch sich ergötzend auf zürnender Flut. Lottrow.

Große Gedanken und ein reines Herz, das ist'S, was wir uns von Gott erbitten sollen. Goethe.

kommt selten so über mich, ich habe gelernt, mich zu be­herrschen, aber es ist oft so schwer, es zu ertragen, da thut das Ausweinen gut. Doch nun ist es genug," fuhr sie mit veränderter Stimme fort,mein armes Kind, Sie sind ganz blaß geworden. Sehen Sie den Tag mit dem Frühlings- geficht, er muß uns das Herz helle machen."

Um die Mittagszeit schlug Renatas Abschiedsstunde, und nachdem sie Frau Falkner versprochen hatte, bald wieder zu kommen, verließ sie, von Frida, die heute ihr böses Benehmen gut zu machen suchte, geleitet, den Gylsenhof, ein stilles Heimweh mit sich nehmend.

Wehmütig war ihr doch, als sie ihr Stübchen wieder betrat, aber sie kämpfte tapfer den Trübsinn nieder und traf mit Fridas Hilfe Vorbereitungen zum Empfang der Nolteschen Damen. Sie freute sich wirklich, die beiden guten Frauen wiederzusehen und überhaupt für jemand sorgen zu können. Frida verließ sie bald, und so saß sie noch ein Weilchen still träumend am Fenster bis das Rollen eines Wagens sie auf­schreckte. Es waren die Erwarteten, und das junge Mädchen eilte ihnen freundlich entgegen.

Frau und Fräulein Nolte schienen sich sehr über den festlichen Empfang zu freuen und waren die Herzlichkeit selbst.

Nein, aber Fräulein Renatchen!" rief die kleine Dame ein über das andere Mal,wie allerliebst von Ihnen, einen Kranz über der Thüre, und Kaffee und Kuchen, und alles so sauber, nein zu nett! Sie sollen auch gleich einen Kuß dafür haben!"

Selbst Fräulein Lina lächelte befriedigt und strich mit ihren runden Fingern zärtlich über Renatens Gesicht.

Diese selbst war ganz gerührt und glücklich, daß ihre kleinen Aufmerksamkesten den Damen solche Freude machten - die vielen Dankesäußerungen machten sie beinah verlegen. Sie mußte nun viel Interessantes mit anhören, denri es war außerdem noch Tauffest bei dem Sohn und Bruder gewesen. Der Täufling wurde von der stolzen Großmama beinahe persönlich vorgestellt. Dann kamen die Paten, die Pfarre und das Dorf an die Reihe.

Ach, und die lieben Kinder alle! Sie sollten sie nur sehen, Renatchen!" rief die alte Frau strahlend.

Ja, und der Lärm," schaltete Lina trocken ein,ich wußte bei dem Spektakel manchmal nicht, wo mir der Kopf stand."

Freilich, Linchen," gab die Mutter zu,da hast du recht, aber es sind auch sieben, und vier wilde Jungen darunter. Ihr wäret nur zwei, und du bist immer so ruhig gewesen."

Renata sollte nun auch ihrerseits Erlebnisse erzählen,