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„Vater," so sprach er, „warum haben Sie meine Kindheit der Liebe einer Mntter beraubt? Als ich Ihnen folgte, wußte ich nicht, daß der Weg, den zu betreten ich für meine Pflicht hielt, so schmerzlich sein würde! Ich bin fern von den heiligen Freuden der Familie aufgewachsen; Ihre Zuneigung ist nicht im stände gewesen, das zu ersetzen, was ich verloren habe; diese Hand, die sich so gut darauf versteht, die Thränen zu trocknen und unsere ersten Schritte in der Welt zn leiten, dieses Lächeln, das einen so unendlichen Zauber ausübt, diese Stimme, die es so gut versteht, in's innerste Herz zu dringen, — andere Kinder haben alles dies besessen, nnd die, welche der Tod von dieser nie ermüdenden Freundin getrennt, haben wenigstens am häuslichen Herde die lebendige Erinnerung an sie wiedergefunden. Ueberall, wohin das Schicksal mich geführt, habe ich ein fremdes, ödes Land gefunden; überall habe ich Heimweh nach dem mütterlichen Dach empfunden. Oh, Vater, warum hast Du mich dem Nest entrissen, dessen Erinnerung mich unaufhörlich verfolgt?"
Als Herr von Areeaux aus diesem fieberhaften Schlummer erwachte, empfand er nicht mehr die Frende über den Triumph, den er am vorigen Tage errungen. Von dieser schmerzlichen Betrachtung gequält, trat er in das kleine Zimmer seines Sohnes. Dieses Zimmer, das die Liebe der Eltern einst wie eine kokette Bonbonniere ausgestattet, zeugte ebenfalls von dem Kummer, der die Herzen bedrückte; die tausend kleinen Nichtigkeiten, die gewählt worden, die Jugend des Kindes zu erfreuen, lagen zerstreut umher, und der Staub bedeckte die Möbel. Georges schlief, doch sein Gesicht trug die Spur der Thränen, die er kürzlich vergossen; er war blaß, seine Brust hob sich mühsam, konvulsivische Bewegungen erschütterten seine Glieder, und unzusammenhängende Worte entströmten seinen Lippen.
Herr von Areeaux öffnete das Fenster, um die erfrischende Morgenluft hereinzulassen. Blumen schmückten das Sims und schlugen, vom Winde bewegt, gegen die Scheiben, sodaß die Blicke des Kindes beim Erwachen auf die roten und blauen Winden, die weißen Astern, die blühenden Erbfen fielen. Doch auch tiefe armen Blumen sind vernachlässigt worden; ihre halb verwelkten Stengel neigten sich traurig hernieder. Bei diesem Anblick schnürte sich des Vaters Herz zusammen, denn diese traurige Veränderung fiel ihm schwer aus's Herz. Er senkte das Haupt, neigte sich über das Bett und blieb lange Zeit in schmerzliche Erinnerungen versunken.
Bei einem Geräusch, das er vernahm, richtete er sich schnell auf und erblickte Frau von Areeaux, die ebenfalls dem Stübchen ihres Sohnes einen Abschiedsbesuch machen wollte. Sie schleuderte ihrem Manne einen zornigen Blick zu und fragte ihn mit erregter Stimme, warum er ihr die letzten Stunden streitig mache, in denen sie sich ihres Kindes noch erfreuen könne. Sie ließ die Bitterkeit ihres Herzens ausströmen; auch ihr war die Zukunft im Bilde erschienen, und auch ihr Geist war von den Erscheinungen getrübt, die das Gemüt ihres Gatten belastet hatten; auch ihr hatten sich die Folgen enthüllt, welche die Trennung für das Kind nach sich ziehen würden.
„Es ist seltsam," murmelte er; „ich habe die nämlichen Visionen gehabt."
„Wenn Sie für ihn zittern," fuhr Frau von Areeaux fort, „warum lassen Sie ihn dann nicht hier?"
„Sind Sie überzeugt, daß er hier glücklich wäre, daß der Vater in seinem Leben nicht auch eine Lücke zurück- lassen würde?"
Sie antwortete nicht, ihr Schweigen glich einem Geständnis.
Einige Augenblicke wurde kein Wort zwischen ihnen gewechselt. Sie folgte der Richtung, die der Blick ihres Mannes genommen, der sich hartnäckig auf einen Punkt
der Wand heftete. Ein kleiner Rahmen hing dort; es war die Photographie der beiden Gatten, die den fünfjährigen George zwischen sich hielten; alle drei lächelten, und Glück und Freude lagerten auf ihren Zügen.
Das Gesicht der jungen Frau nahm einen bewegten und gerührten Ausdruck an; alle Neigung zum Zorn und Groll war verschwunden.
„Warum," sagte sie, „konnte es nicht immer so bleiben? Warum ist der unheilbare Bruch zwischen uns getreten?"
„Der unheilbare?" fragte der Mann in einem Ton, der gegen die Auffassung dieses Wortes zu protestieren schien.
* *
In diesem Augenblick erwachte das Kind. Es schien zuerst noch von einem bösen Traum befangen, den es nicht abzustreifen vermochte, und der seinen Geist trübte. Es ließ seinen Mick über die ihm gleich teuren Wesen schweifen, die zu jeder Seite des Bettes standen, dann erfaßte es mit instinktiver Bewegung die Hand seines Vaters und seiner Mutter, die unwillkürlich ein wenig nähergetreten waren. Diese unschuldige und unbewußte Vermittelung sprach beredter, als die schönste Rede.
„Der Entschluß, den wir an einem Tage gefaßt, da wir schlecht beraten waren, ist undurchführbar," sagte der Gatte mit thränenerstickter Stimme, „wir hatten kein Recht dazu; danken wir dem Kinde, das uns vor einer verhängnisvollen That bewahrt!"
Das übrige geschah unter Thränen; nach einer Szene der Versöhnung und Verzeihung, die jeden Groll auslöschte, ließen sie das Kind entzückt und freudig, hoffnungsvoll der Zukunft entgegenblickend und innig auf die Liebe seiner Eltern vertrauend, in seinem Bette liegen, wo es jetzt bunte, schöne Träume umgaukelten.
Oh, wie kindisch erschienen den beiden Gatten jetzt die Sorgen und Kümmernisse, denen sie beinahe ihre Zukunft geopfert! Wie klagten sie über ihre gegenseitige Thorheit, daß sie einen Augenblick daran gedacht, dem Glücke auf ewig den Rücken zu kehren! Und zur Stunde der Mahlzeit, als sie das Kind zwischen sich sahen, das wieder der Fröhlichkeit und Sorglosigkeit seines Alters zurückgegeben war, erkannten sie erst, welch' unwiderstehlicher Zauber und Reiz in diesem Familiengemälde liege!
Seitdem trübte keine Wolke mehr die Ruhe ihres ehelichen Lebens. Wenn fie' je versucht waren, eine Uneinigkeit in ihre Häuslichkeit einbringen zu lassen, so brauchten sie nur ihr Kind zu betrachten, das fröhlich und glücklich unter ihren Augen aufwuchs. Mehr hedurfte es nicht, um alle Zwietracht verschwinden zu lassen.
Skatausgabe.
Nachdruck verboten.
(Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.) Vorhand spielt auf folgende Karte:
Eichel (Treff)-Solo. Mittelhand hat 12, Hinterhand 40 Augen in ihren Karten. Das Spiel geht verloren. — Wie war die Kartenverteilung und der Gang des Spieles?
Auflösung in niichster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Die Kaffeemühle.
Rebaltion: ®. Burkhardt. — Druck und Bcrlaq der Brühl'schen UniversitLt,.Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meßen.


