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Der junge Herr wird wieder Schulden gemacht haben, das ist nichts Seltenes", schaltete Ernst ein.

Um Schulden hat es sich dabei auch gehandelt", er­widerte Felicitas,daS war aber nicht das Schlimmste. Der Kommerzienrat hat Adalbert in Verdacht gehabt, er habe ihm Geld aus dem Geheimfach in seinem Zimmer entwendet".

Aber das sind ja ganz unglaubliche Dinge!" rie: Aurelie, während der Bruder, dem es nur um das schnellere Vorwärtskommen der Geschichte zu thun war, fragte:

Was für ein Geheimfach?"

Kommerzienrat Helldorf soll in der Wandtäfelung seines Zimmers ein Geheimfach haben, das sich durch den Druck auf eine kleine, nur Eingeweihten sichtbare Erhöhung öffnet. Außer ihm wissen nur seine Frau und seine beiden Söhne um diesen Mechanismus".

Weiter, weiter", drängte Ernst, als sie einen Augen­blick inne hielt.

Er bewahrt in diesem Fach das Geld auf, das er aus dem Geschäft mitbringt, um es für die verschiedenen Be- dürfniffe der Familie zu verwenden, und von diesem Gelbe ist ihm zweimal hintereinander ein ansehnlicher Teil abhanden gekommen".

Wie? Durch wen?"

Das schien rätselhaft bis die Frau Kommerzienrätin die Erklärung dafür gefunden haben will", antwortete von neuem aufschluchzend Felicitas-doch ich will der Reihe nach erzählen. Zuerst richtete sich der Verdacht des Kommerzien­rats auf Adalbert. Der Schein war gegen ihn, er hatte einem Wucherer eine Summe Geld bezahlt und konnte oder wollte dem Vater, der davon erfahren hatte, nicht sagen, wie er dazu gekommen. Zuletzt stellte sich heraus, daß Hans ihm aus der Klemme geholfen, und er ihm sein Ehrenwort gegeben hatte, niemand zu sagen, von wem er das Geld erhalten".

Mein guter Hans, das sieht ihm ähnlich!" flüsterte hier Aurelie, Ernst warf ihr aber einen unwilligen Blick zu.

Der Kommerzienrat wollte der Sache, da Adalbert so glänzend gerechtfertigt war, kein Gewicht beigelegt wissen", fuhr Felicitas fort,und verbot den Söhnen, seiner Frau etwas davon zu sagen. Als aber vor einigen Tagen eine zweite, noch größere Summe entwendet worden war, ent­schloß er sich doch, es ihr mitzuteilen und sie war schnell mit der Erklärung bei der Hand den Diebstahl habe niemand anders verübt als ich".

Bruder und Schwester schrieen hier laut auf:Aber kanntest Du denn das Geheimfach?" fragte Aurelie.

Ich kann beschwören, daß ich bis heute von der Existenz eines solchen keine Ahnung gehabt habe, aber das gilt ja gleich ich habe darum gewußt und"

Aber durch wen?"

Felicitas lächelte bitter auf.Das ist ja eben das Diabolische durch Hermine. Die Frau Kommerzienrätin hat sich darauf besonnen, daß die Kleine mehrmals mit ihr im Zimmer des Vaters gewesen ist, wenn er den Schrank geöffnet und Geld daraus genommen hat. Sie hat sich den Mechanismus genau gemerkt, mir davon erzählt, wie sie alles gegen mich ausplaudert, und ich ich habe diese Mitteilung benutzt, um Geld zu stehlen".

Aber, das ist ja um den Verstand zu verlieren!" rief Ernst, sich an den Kopf greifend.

Warte nur, es kommt noch besser", erwiderte Felicitas und die Schwester fragte:

Was ist denn eigentlich Wahres an der Geschichte?"

Das ist nicht so leicht zu ergründen. Hat Hermine wirklich etwas von dem Mechanismus gewußt, hat ihr die Mutter das nachträglich eingeredet, darüber habe ich mir keine Gewißheit zu verschaffen vermocht- genug, das Kind hat unter dem Einfluffe der Mutter dem Vater erzählt, sie habe mir mitgeteilt, daß in seinem Zimmer ein Wandschrank

vorhanden sei, der viel Geld enthalte und wie er aufzumacher ist. Das Uebrige könnt Ihr euch denken".

Aber das ist ja unglaublich, wie kann die Frau dem Kinde dergleichen einstudieren?" rief Aurelie.

Ach, Hermine ist ein sehr eigenartiges Kind, so unbe­schreiblich eindrucksfähig und phantasievoll!" seufzte Felicitas. Stellt man ihr etwas recht lebendig dar, und auf der­gleichen versteht sich, wenn es ihr daran gelegen ist, die Frau Kommerzienrätin, so überredet man sie sehr leicht, sie habe etwas selbst erlebt oder gethan. Nachdem sie dem Vater die ihr von der Mutter soufflierte Darstellung gegeben, ist sie zu mir gekommen und hat mir in aller Harmlosigkeit die Geschichte erzählt".

Auch, daß man Dich des Diebstahls zeiht?" fragte Ernst.

Nein, um diese Schlußfolgerung unbehindert ziehen zu können, hat man sie zuvor aus dem Zimmer geschickt- aber sie liegt nahe genug", antwortete Felicitas.

O, Du hast sie selbst gezogen, es ist Dir niemand mit dem beleidigenden Verdachte zu nahe getreten!" rief Ernst erleichtert aufatmend, aber mit dumpfer Stimme entgegnete Felicitas:

//Man ist mir damit zu nahe getreten! O, Ihr habt noch nicht das Empörendste von dem vernommen, was ich Euch mitzuteilen habe!"

Noch mehr!" riefen die Geschwister wie aus einem Munde, und die vor Scham brennende Stirn an Aureliens Schulter lehnend, fuhr Felicitas fort:

Aurelie, Dir habe ich schon früher vertraut, daß Dr. Eorbus mich mit seinen Anträgen verfolgt und dabei durch die Kommerzienrätin unterstützt wird"

//Was? Was?" fuhr Ernst wütend auf-und davon höre ich erst jetzt! Der Kerl"

//Ruhig, ruhig, lieber Ernst", unterbrach ihn Felicitas, und trotz allen Kummers huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Warum sollte ich Dich mit einer Angelegenheit behelligen, deren ich mich selbst sehr gut erwehren konnte. Jetzt freilich durfte ich nicht länger darüber schweigen".

Rede! Rede!" drängte er.

Wenige Stunden, nachdem Hermine mir ihre für mich so schwerwiegenden Mitteilungen gemacht, suchte mich Dr. Eorbus auf, oder besser, überfiel er mich in einer so geschickten Weise, daß ich ihm nicht entrinnen konnte- es war unschwer zu er­kennen, daß ihm die Kommerzienrätin dabei behilflich gewesen war. Ich war noch ganz niedergeschmettert durch das Er­fahrene, hatte doch aber schon begonnen, mich etwas zu be­ruhigen. Dr. Eorbus belehrte mich erst über die eigentliche Sachlage.

Er begann mit den Beteuerungen seiner heißen, großen Liebe zu mir, beschwor mich, die Seinige zu werden und malte das Leben, das meiner an seiner Sette warte, in den glänzendsten Farben aus".

O, ich breche dem Menschen noch den Hals!" murmelte Ernst. Seine Schwester gebot ihm Schweigen, und Felicitas erzählte weiter:

Ich wies ihn mit Abscheu zurück und nun zog er allmählich andere Seiten auf. Er fing an von den rätsel­haften Diebstählen im Helldorfschen Hause zu sprechen, durch hn habe ich erst alle Einzelheiten, die ich Euch mitgeteilt, erfahren"

//Wie? Man hat diesen Menschen in solche Familien­angelegenheiten eingeweiht!" rief Ernst entrüstet.

Es scheint, die Kommerzienrätin hat kein Geheimnis vor ihm!" entgegnete Felicitas.Er wußte alles, und auch, daß niemand als ich die Diebin sei, die Diebin sein könne. Man wisse auch ganz genau, was mich zu der verzweifelten That getrieben"

,/Aber was denn in aller Welt?" fragte Ernst ungeduldig. '

Mein Bruder August! Er verbrauche große Summen, denn er sei ein leidenschaftlicher Spieler"