vom Vaterhause Verstoßene sich durch ehrliche Arbeit ein Vermögen erworben und daß sein Weib ihn mit einem Sohne beschenkt, dem man den Vornamen des Großvaters gegeben hatte. Das freute ihn im stillen, aber er verharrte in seinem Groll bis zu jener Stunde, die ihm den Erstgeborenen raubte.
Und dann kamen die Tage des letzten Sommers, in denen der Greis so schwer erkrankte. Und als er unter der Pflege der treuen Schwester wieder genesen war, da hielt er eines Tages einen Brief in den zitternden Händen, der den Poststempel Philadelphia trug. Es war ein Schreiben des Sohnes, der den Vater um Verzeihung bat, und am Schlüsse des Briefes stand von Kindeshand geschrieben: ,7®arf ich zu dir kommen, Großpapa?"
Don dem Tage tut; an dem er diesen Brief empfangen und beantwortet, hatte er die Stunden gezählt, bis er demjenigen wieder ins Auge sehen konnte, den er einst mit harten Worten von sich gewiesen!
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An alles das denkt der Greis; und wie der Engel des Glücks, der hinter seinem Lehnstuhl steht, jetzt sanft die Hand auf seine Augen legt, da schlummert er ein.
Wie fest er schläft! Er hört nicht, wie die Schwester zurückkommt und sich über ihn beugt und dann ihren Sitz am Fenster wieder einnimmt. Er hört auch nicht, wie sie nach einer Weile sich wieder erhebt, um sich an dem Tische in der Ecke des Salons schaffen zu machen, auf dem der Weihnachtsbaum steht.
Er hört nicht, wie ein Wagen vor dem Hause vorfährt, und von den leisen Schritten und flüsternden Stimmen im Vorzimmer klingt nichts an das Ohr des Schlafenden.
Aus einmal aber ist es ihm, als blende eine ungewohnte Helle seine Augen und erwachend öffnet er sie. In der Ecke des Salons steht er die Lichter des Weihnachtsbaumes flimmern und zu seinen Füßen —
Ein blühend schönes Weib kniet vor ihm, das blonde Haupt beugend, als erwarte es, daß die Hand, auf die sie jetzt ihre Lippen preßt, sich segnend auf ihren Scheitel legen werde. In der Rechten hält sie die Hand des neben ihr knieenden Knaben und mit dem linken Arm drückt sie ein kleines Mädchen an ihre Brust.
Und dort an der Thüre zeigt sich die hohe Gestalt eines Mannes, noch in den Retsepelz gehüllt, und diese Gestalt eilt jetzt auf ihn zu. —
„Eduard! Meine Kinder!" — ruft der alte Mann aus, während seine zitternden Arme sich dem Sohne entgegenstrecken. . .
Auch einen Engel kann menschliche Rührung befallen, Und wie der Engel des Glücks, nachdem er sein Werk gethan, wieder die Treppe hinabhuscht, da wischt er sich eine Thräne aus dem Auge.
Gemeinnütziges.
Mörtel, der dem Frost widersteht. Mische unmittelbar vor der Anwendung unter gewöhnlichen Mörtel dem Maß nach ein Zehntel zu Pulver zerfallenen Kalk oder ein Neuntel Ziegelmehl oder Steinkohlenasche. Gebe dem Mörtel 1—5 pCt. Rohzucker zu. Er springt dann weder bei Kälte noch bei Hitze ab.
Zum Fang von Ratten und Mäusen. Ein gutes Mittel die Mäuse oder Ratten in die ausgestellten Fallen zu locken, ist den in der Falle sich befindenden Köder mit einem Tropfen Rosenholzöl zu benetzen. Der Geruch dieses Oels, den diese Tiere besonders lieben, zieht so unwiderstehlich an, daß sie unfehlbar an den gelegten Köder gehen und so gefangen werden können. Das Rosenholzöl erhält man in allen Apotheken.
Wdaklian: 8. Burkhardt. — Vr»Ä und Verlag der Brühl'schen
ISr die Küche.
Wiuterkohl. Der von den Stengeln gestreifte utid reingewaschene Kohl wird in siedendem Salzwaffer abgekocht, auf einem Durchschlag mit frischem Waffer abgekühlt, in rundem Löffel ausgedrückt und fein verwiegt. Aus eigroß gutem Fett, feingeschnittener Zwiebel und 2 kleinen Koch- löffelchen Mehl wird ein blaßgelbes Einbrenn gemacht, der Kohl mit etwas weißem Pfeffer und Salz darunter gerührt und mit Fleischbrühe oder Wasser zu Püree eingekocht. Das Gemüse bedarf ziemlich reichlich Fett und wird, wenn gut ausgekocht, mit einem Theelöffel Maggi vollendet.
Weiße Bohneu mit Aepfeln. 10 Personen. Bereitungszeit 2y2 Stunde. Zuthaten: i/2 Kilo weiße Bohnen, abends zuvor einzuwässern. 1 Kilo weinsäuerliche Aepfel, Zucker nach Geschmack, 125 Gramm Butter, 30 Gramm Mehl, 1 fein gehackte Zwiebel, geröstete Semmelbrösel, l/i Liter Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt. Während man die mit frischem Waffer aufgesetzten Bohnen weich kocht, schält und schmort man die scheibig geschnittenen Aepfel mit 25 Gramm Butter und Zucker, zerläßt den Rest der Butter in einer Kasserolle, schwitzt darin die Zwiebel gelblich, pudert das Mehl über, verrührt und verkocht es mit der Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extrakt, giebt die fertigen, abgegossenen Bohnen, später die Aepfel hinzu und dämpft das Gemüse noch drei Viertelstunden, beim Anrichten die gerösteten Semmelbrösel überstreuend.
Gedämpftes Rindfleisch auf ungarische Art. 10 Personen. Bereitungszeit 3 Stunden. Zuthaten: 2 bis 3 Kilo Rindfleisch (Schwanzstück), 125 Gramm fetter Speck, ein Löffel fein gepulverte Kräuter, V4 Liter starke Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt, 2 Mohrrüben, 1 Petersilien- wurzel, 1 Porree, 1 Stück Sellerie, 75 Gramm roher Schinken, 4 Chalotten, 1 Lorbeerblatt, 4 Citronenscheiben, einige Gewürz- und Pfefferkörner, 30 Gramm Wehl, Salz nach Geschmack, Va Liter Rotwein, 1 Weinglas Malaga oder Tokaher, 2 Eßlöffel geriebener Meerrettich, ein Stückchen Zucker. Das Fletsch wird geklopft und mit Speckstreifen gespickt, die man zuvor in den Kräutern umwendete, gesalzen, mit dem Wurzelwerk, Schinken, den Gewürzen, Citronenscheiben 2c. bestreut, mit der Brühe aus Liebig's Fleisch- Extrakt übergossen, und in einer Kasserolle unter öfterem Umwenden so lange gedämpft,» bis sich das Wurzelwerk bräunlich färbt. Dann stäubt man das Mehl über, gießt den Rotwein an und dämpft das Fleisch, gut zugedeckt, bei ganz gelindem Feuer langsam weich, seiht hierauf die Sauce durch, entfettet sie, thut den starken Wein, den Meerrettich und Zucker hinein und läßt das Fleisch in der nun fertigen Sauce noch eine Viertelstunde ziehen, um es dann mit Kartoffelklößen anzurichten.
Vermischtes.
„Brüderchen und Schwesterchen", das reizende deutsche \ Volksmärchen, hat der Liebig's Fleisch-Extrakt-Compagnie den Stoff zu einer neuen Serie ihrer sehr beliebten Empfehlungskärtchen (sog. Liebig-Bilder) gegeben. Die in den Wald flüchtenden Kinder, von denen Brüderchen durch Trinken aus dem Zauberquell ein Reh wird, während Schwesterchen vom Königssohn gefunden und geheiratet wird, sowie ihre späteren, teils recht traurigen Schicksale mit endlich versöhnendem Schluß haben hier in der gewohnten niedlichen Weise Verbildlichung gefunden. Die Rückseiten bieten den direkten Gegensatz zu jener abstrakten Märchenwelt; sie erhalten sehr reale Wahrheit über Anwendung und Nutzen des echten Liebig Fleisch-Extrakts (mit Liebigs blauem Namenszug quer durch die Etiquctte) und des Fleisch-Peptons der Compagnie Liebig, so dienlich vielen Kranken!
Auflösung des Ergänzungsräisels in voriger Nummer:
Rasten lähmt dich;
Fasten grämt dich;
Fleiß ernährt dich,
Schweiß aber ehrt dich. Ernst Ziel.
UniSersttStS-Buch- und Gteiudruckerei (Pietsch Erbe«) in Meße»,


