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er Undank ist immer eine Art Schwäche; ich habe nie gesehen, rM? daß tüchtige Menschen wären undankbar gewesen Ss*” Göthe.
Kein Fehl befleckt mit so gemeinem Mackel den Mmschen als der Undank. Wildenbrnch.
Mariette.
Weihnachts-Novellettc nach dem Französischen.
Bon Wilhelm Thal.
------- (Nachdrucks vrr Boten.)
I.
27 Jahre alt, blondes Haar, das sich in dichten, langen Locken ringelte, blaue Augen, eine breite Stirn, kühngeschnittener Mund, mit weißen, festen Zähnen- groß, muskulös, mit kräftiger Brust und breiten Schultern — diese Ge- ssmterschetnung bot einen Ausdruck der Kraft, Sanftmut und unaussprechlicher Güte- doch deuteten stark entwickelte Kinnbacken und viereckiges Kinn auf eine bedeutende Energie.
So war mein Freund Pierre Parent, der vollendetste Typus des alten Galliers, wie man ihn auf den Bildern Luminais' findet.
Moralisch war Pierre ebenso vortrefflich veranlagt, als körperlich- er war sehr vernünftig, las viel, verstand es aber, fich seine Bücher auszusuchen- denn er wollte sich unterrichten.
Als einziger Sohn bewirtschaftete er mit seinen Eltern ein kleines Gut, das durch unaufhörliche Arbeit mit Mühe vergrößert wurde, das ihnen aber jetzt einen bescheidenen Wohlstand bereitete. Pierre war, wie man so sagt, eine gute Partie, und man sprach oft von ihm in den Häusern, in denen es heiratsfähige Töchter gab.
Seit einiger Zeit dachte er übrigens auch an die Ehe — er war alt genug dazu — doch unter allen Mädchen, die er kannte, und für die er Freundschaft hegte, hatte er noch keine getroffen, die die Eigenschaften in sich vereinigte, die er suchte.
War er etwa sehr wählerisch, der gute Pierre? Ja und nein! Es lag ihm nicht besonders viel am Vermögen, obwohl das, wie er meinte, gerade nicht schadete. Doch er wollte ein arbeitsames, tüchtiges Mädchen haben, eine gute Hausfrau, die einen Hausstand zu leiten wußte. Er beanspruchte gerade nicht, daß sie sehr hübsch sei, obwohl das,
wie er meinte, nicht von Nachteil wäre - doch sie sollte kräftig und gesund sein.
Und während Pierre so mit langen, regelmäßigen Schritten einherging, dachte er an alle diese Dinge.
Er hatte den Tag bei einem seiner Onkel zugebracht, man hatte von der Sache gesprochen, und sein Verwandter hatte ihm gesagt, er kenne in Chatenay ein Mädchen, das gut für ihn passen würde.
Pierre war spät aufgebrochen, doch da er nur zwei Stunden brauchte, um nach Hause zurückzukehren, so dachte er, um 7 Uhr da zu sein. Es war Weihnachtsabend- man sollte den Abend bei den Josserauds verbringen, deren älteste Tochter ihm durchaus nicht mißfiel und für die er sogar Neigung fühlte, obwohl sie nicht immer seiner Meinung war. Bis jetzt war er stets sehr klug, sehr zurückhaltend gewesen, doch er fürchtete an diesem Abend einen großen Entschluß faffen zu müssen, und das stimmte ihn ganz nachdenklich.
Es war 5 Uhr. Die Dunkelheit war vollständig hereingebrochen, der Himmel war grau, bewölkt und es wehte ein eisiger Wind. Einige Schneeflocken fielen bereits- bald kamen sie reichlicher, dichter herunter und in einigen Augenblicken war die Landschaft ganz weiß.
Pierre ging noch mit demselben Schritt und dachte an den Entschluß, den er faffen sollte. Der Vater wird alt, die Mutter ist matt und abgespannt- es muß durchaus eine junge Person ins Haus. Ja, eine junge Person, die meinen Vater und meine Mutter ebenso liebt, wie mich, die sanft, geduldig ist und keine Ideen wie so manche Frau hat. Mamsell Jofferaud ist ja gewiß sehr nett, aber sie hat mehr Vermögen als ich. Wenn sie das nun stolz machte? Wenn sie sich nicht in unsere Verhältnisse fügte? Und dann haben wir auch bei uns im Hause kein so schönes Zimmer wie sie es besitzen. Eines Tages allerdings meinte sie, sie wollte kein schönes Zimmer, sondern einen guten Mann haben, doch wie wünschte sie sich diesen guten Mann?
Und Pierre schritt immer besorgter, immer nachdenklicher, an dem Kreuzwege von Pagny vorüber und ging, anstatt nach links umzubtegen, immer gerade aus.
Sicher war es der Schnee, der ihm die Anhöhe, so steil und lang erscheinen ließ, doch als er den Gipfel erklommen hatte, war er sehr verwundert- anstatt eines Thales sah er eine ganz weiße Ebene vor sich, aus der hier und da einzelne Schneehaufen hervorlugten, die wie mit Schnee bedeckte Häuser aussahen.
Da man sich gerade in der Zeit des Vollmondes befand, so war die Nacht nicht dunkel, und der Schnee, der noch immer


