Ausgabe 
23.11.1899
 
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Gesundheitspflege.

Oafenvluten. Nasenbluten ist stets ein Zeichen einer gesundheitlichen Unordnung im Körper. Häufig tritt Nasen­bluten in den Entwickelungsjahren von zwölf bis acht- zehn Jahren auf. Da liegt ihm meist eine fehler­hafte Zusammensetzung des Blutes zugrunde, z. B. Bleich­sucht. In den späteren Jahren ist Nasenbluten eine häufige Begleiterscheinung von Blutandrang zum Kopfe verrät also unbedingt eine fehlerhafte Verteilung des Blutes. Keineswegs selten ist Nasenbluten im Alter, ein Sturmzeichen, eine Noifahne, ausgehängt von der Natur, um vor drohendem Schlagfluß (Apoplexie) zu warnen. Der krankhafte Blut- anürang zum Kopfe in Verbindung mit einer krankhaften Brüchigkeit der Blutgefäße sprengt eben deren Wandung. Wenn dies bei einem Blutgefäße des Gehirns geschieht, so ist das Schlagfluß. Das Blut ergießt sich in die Gehirn- maffe, zertrümmert die Nervenzellen, und je nach dem Orte der Blutung und der Art der zerstörten Nervenzellen ist Lähmung oder Unfähigkeit zu sprechen, zu schreiben, zu lesen oder geistige Schwäche usw. die Folge. Man bringt Nasen­bluten zum Stillstände, indem man ruhige Rückenlage ein­nimmt und je eine kalte Kompresse unter den Nacken und auf den Nasenrücken legt. In hartnäckigen Fällen verbindet man damit zur Ableitung des Blutes eine heiße Schenkel­oder Wadenpackung. Bet starkem Blutandrang zum Kopfe und krankhafter Vollblütigkeit hat man indessen das Nasen­bluten als eine Selbsthilfe der Natur zu betrachten, welche uns vor Schlimmerem (Schlagfluß u. dgl.) bewahrt. Dem­entsprechend stillt man hier das Nasenbluten nicht. Immer aber, und das ist das Wichtigste vom ganzen, hat man, wie gesagt, das Nasenbluten als Zeichen einer gesundheitlichen Unordnung zu betrachten. Auf die Heilung der Ursache der krankhaften Blutzusammensetzung oder Blutverteilung u. dgl. kommt es an, nicht aber auf die Stillung des Nasenblutens an sich! Man braucht ja nur die leisen Mahnungen der Natur zu beachten, zu verstehen und zu befolgen, um sich vor großem und oft nicht wieder auszugleichendem Schaden zu bewahren.

Mittel gegen Hämorrhoidalleiden. Die Behand­lung dieser Krankheit, welche in einer Blutstauung des Unter­leibes gipfelt, hat die Aufgabe, die Unregelmäßigkeiten wieder auszugleichen. Dies geschieht durch fleißige Bewegung im Freien, namentlich nach dem Essen,' örtlich durch Massage des Leibes, also kneten und reiben desselben, Anregung der Hautthätigkeit durch lauwarme Sitzbäder mit kalten Zugüssen, Wellenschlag gegen den Aster. Sorge für leichte Oeffnung durch kalten Aufguß von Sennesblättern (ein Eßlöffel wird mit y4 Liter kaltem Wasser abends übergossen, morgens abgeseiht unb mit Zucker versetzt, kühl getrunken).

Die meisten Berdannngsdeschwerden entstehen bei kleinen Kindern in den ersten Lebensmonaten durch un­vernünftiges Füttern mit Mehlbrei, dem sogenannten Papperln. Es ist eine barbarische Unsitte, die gedankenlos betrieben wird, blos mit dem Vorwande, das Kind kräftiger und besser ernähren zu wollen. Die Natur zeigt den geeigneten Er­nährungsmodus durch die unwillkürlichen Saugbewegungen des Ktndermundes in den ersten Stunden nach der Geburt. Das Bedürfnis nach fester Nahrung tritt erst später mit der fortschreitenden Ausbildung des Körpers und der Kauwerk­zeuge, den Zähnen, ein. Deshalb ist die vorzeitige Nötigung zur Aufnahme fester Speisen oder das Kostenlaffen von allem eine unverzeihliche Unsitte, die sich oft bitter durch das Entstehen hitziger Magen- und Darmkatarrhe rächt.

Aür die Küche.

Mohnklötze. Der zu verwendende Mohn muß in unge- Aahlenem Zustand etwa 5 bis 6 Mal mit kochendem Wasser gebrüht werden. Mit dem letzten Brühwasser läßt man ihn eine bis zwei Stunden stehen, bis die Körnchen so weich

sind, daß man sie mit einiger Kraftanstrcngung zwischett Daumen und Zeigefinger zerdrücken kann. Dann erst reibt man den Mohn mit einer Reibekeule von Holz in irdenem Napf, oder stampft ihn im Mörser fein, und verwendet ihn, wie das Rezept es angiebt. Er hat nach diesem Verfahren einen sehr milden Geschmack.

Fischkoleletts (gut zu Schmorkohl). 1 Pfund rohen Hecht geschabt, 125 Gramm Butter zu Sahne gerührt, für 5 Pfennig Semmel in Milch geweicht, nicht zu viel ausge­drückt, drei ganze Eier, etwas Zwiebel und Muskat, alles mit Salz gut untereinander gerührt, Koteletten geformt und in kochendem Wasser gar gekocht. Wenn sie erkaltet sind, in Ei und Semmel gewälzt und in Butter gebacken.

Literarisches.

Im Verlage von Hermann Paetel in Berlin ist soeben er­schienen: Haos-Gymnastik für Mädchen und Frauen. Eine Anleitung zu körperlichen Hebungen für Gesunde und Kranke des weiblichen Geschlechts. Herausgegeben von w. Prof. Or E. Angerstein und Prof. G. Eckler. Neu herausgegeben von G. Eckler. Mit vielen Holzschnitten und einer Figureutasel. Zehnte bis zwölfte Auflage. Preis gebunden 3 Mk. Kein Werk auf gleichem Gebiete kann sich eines solchen Erfolges rühmen wie die Haus-Gymnastik von Angerstein & Eckler. Verfaßt von zwei Autoritäten auf dem Gebiete des Turnwesens, hat dasselbe wegen seiner Vortrefflichkeit und praktischen Brauchbarkeit so große Verbreitung gefunden, daß im Verlauf weniger Jahre bereits zwölf Auflagen erforderlich wurden. In dem vorliegenden Buche ist speziell den Bedürfnissen des weiblichen Geschlechtes Rechnung getragen, indem die natürlichen Eigentümlichkeiten desselben berücksichtigt werden; außer den Freiübungen, Hantel- und Stabübungen sind überdies auch Hebungen mit Bällen, mit dem Arm- und Bruststärker, am Reck und an den Schaukelringen, also mit leicht zu beschaffenden oder bequem im Hause anzubringenden Geräten angegeben. Die Anzahl der ausge- wählten Hebungen gestattet die notwendige Abwechslung für die Jugend, die Beschreibung im Texte ist knapp, klar und verständlich. Hervorheben möchten wir, daß die Hebungen für Gesunde entsprechend den verschiedenen Altersstufen Spielalter, schulpflichtiges Alter, Jungfrauenalter, Frauenalter, geordnet und daß überdies eigene Hebungsbeispiele hierfür festgesetzt sind. In einem eigenen Abschnitt wird die Verwendung der Hebungen für Kranke durchgeführt. Als Zustände, in denen die Haus - Gymnastik Erfolge zu erzielen imstande ist, werden behandelt: 1) Allgemeine Schwäche, Blutarmut, Bleichsucht, mangelhafte Ausbildung des Brustkastens und der Atmnngsorgane, 2) Stockungen in den Hnterleibsorganen, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Menstrualstocknngeii. 3) Fettleibigkeit, Blutandrang nach Kopf und Brust. 4) Asthmatische Beschwerden. 5) Abnormitäten der Haltung und äußeren Form des Körpers: Gebückte Haltung, Schieshaltung des Kopfes, Einwärtsdrehung der Füße, seitliche Rückgratsverkrümmung, Mnskelschwäche, Veitstanz und Schreibkrampf, Hnterleibsbrüche. Die vollständige theoretische Beherrschung des Stoffes, die dem Werke überall den Stempel einfacher Klarheit aufdrückt, die knappe und klare, stets auch dem Laien leicht verständliche Sprache, die vortreffliche Ausstattung des Werkes und endlich die zahlreichen vorzüglichen Illustrationen wirklich ausgeführter Hebungen nach photographischen Aufnahmen, das sind die wesentlichen Vorzüge, denen die Haus - Gymnastik von Angerstein und Eckler ihren großen Erfolg verdankt.

Scherzrätsel.

(Sächsisch.)

Nachdruck verboten

Wer'sch Erschde 'mal beim Schkad derwischd, Der denkd vergniegd: das wär' wol nischd? Das zweede wärd, daß alles krachd, Beim Milledär br beigebrachd.

D'r Geisd verlangd schdeds nach'n Ganzen, M'r mächde manches Mal drum danzen. Doch seldsam! Grade nff'n Balle

Wärd's aller Oogenblicke alle! K.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Harre nicht auf bess're Zeiten;

Thor! du harrst in Ewigkeiten;

Was du harrst ist eitel Dunst.

Aber aus dem Schlack der Zeiten Sich des Lebens Gold bereiten, War von je die schöne Kunst.

Revakiiov,: E, Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Hniversitäts-Bnch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.