1899.
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icht die Gewalt der Armee, noch die Tüchtigkeit der Waffe, sondern die Kraft des Gemüts ist es, welche Siege erkämpft. Fichte.
Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
„Komm her, liebe Hermine, und erzähle Deinem Vater einmal dasselbe, was Du mir soeben erzählt hast!" rief sie mit ganz verändertem kosenden Ton der kleinen Tochter zu, schlang, als diese gehorchte, den Arm um sie und zog sie dicht zu sich heran. Das Kind blickte sie aber aus den großen dunklen Augen so erstaunt an, daß sie sogleich begriff, sie müsse etwas zu Hilfe kommen, und so sagte sie:
„Du hast mir doch erzählt, Fräulein von Kressen fei zuweilen sehr traurig".
„Ja, das ist sie auch", Plauderte nun das kleine Mädchen", sie weint jedesmal wenn Dr. Corbus mit ihr gesprochen hat, oder wenn August da war und Geld haben möchte, und sie ihm keins geben kann".
„Ja, ja!" fiel die Mutter schnell ein, bemüht die Aufmerksamkeit ihres Gatten vom ersten Teile der Mitteilung abzuleuken, „Du hast mich ja selbst schon gebeten, ich solle Deiner Felicitas Geld geben".
„Und Du hast es auch gethan, denn ich habe gesehen, daß sie jetzt eine Menge Goldstücke in ihrem Schreibtisch liegen hat!" fiel Hermine freudig ein. Die Gatten tauschten einen bedeutsamen Blick, dann murmelte der Kommerzienrat aber doch:
„Sie hat ihr Honorar für ein Vierteljahr erst vor ein paar Tagen in Gold ausgezahlt erhalten!"
Seine Frau sah ihn ob dieser Naivetät mitleidig an und sagte zu Hermine gewendet:
„Fräulein von Kressen zeigt Dir wohl alles, was sie in ihrem Schreibtisch und in ihren Kästen liegen hat?"
„Ach ja, Mama!" rief das kleine Mädchen lebhaft, „und sie besitzt so viele hübsche Dinge. Ohrringe und Brosche aus Gold und Perlen, die genau wie eine Weintraube mit Blättern aussehen, Flacons und Dosen mit kleinen Bildnissen von Damen und Herren und noch andere Sächelchen, und von allen weiß sie hübsche Geschichten zu erzählen".
„Ihr unterhaltet Euch also sehr gut miteinander. Du erzählst ihr auch alles, was Du weißt?"
„Ja, Mama".
„Auch von dem Wandschrank, den Du bei Papa im Zimmer gesehen?"
„Welcher Wandschrank?" fragte das Kind.
„Aber Hermine, wie kann man so zerstreut sein, Du hast ihn mir doch soeben erst beschrieben!" entgegnete die Kommerzienrätin, nur mit Mühe ihren Unmut verbergend, „von der kleinen Eichel, auf die man drückt".
„Richtig, richtig, dann springt eine Thür auf, es kommt eine zweite zum Vorschein, und wenn man die zurückschiebt, findet man Gold und Papiergeld I" rief Hermine jetzt sehr geläufig; ein weniger harmloser Zuhörer als ihr Vater würde aber vielleicht auf den Verdacht gekommen sein, sie sage eine einstudierte Lektion auf.
„Und Du hast Fräulein von Kressen von diesem Wandschrank erzählt und ihn ihr beschrieben?" wiederholte die Kommerzienrätin ihre Frage.
Wieder stutzte Hermine, erwiderte dann aber mit großer Geläufigkeit: „Ja, ich habe es ihr erzählt! Es ist doch nichts Böses dabei?"
„Nein, nein, mein liebes Kind", beruhigte sie der Kommerzienrat, indem er sie an sich zog und küßte. „Gehe jetzt und spiele weiter".
„Und erzähle Fräulein von Kressen lieber nicht, was Du hier mit uns gesprochen hast", fügte die Kommerzienrätin hinzu. „Du weißt, sie hat es nicht gern, wenn wir erfahren, daß es ihr an Geld fehlt und sie darüber traurig ist".
„Aber sie hat jetzt Geld und ist nicht traurig", wandte Hermine mit echter Kinderlogik ein, gab aber dann doch das verlangte Versprechen und flatterte aus dem Zimmer, nicht ungleich einem Vogel, dem man das Bauer geöffnet hat.
Mehrere Minuten herrschte zwischen dem Gatten ein tiefes Stillschweigen. Kommerzienrat Helldorf war aufgestanden und ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. Seine Frau, die sonst immer klagte, eine derartige unruhige Bewegung mache sie nervös, ließ es diesmal ohne jede weitere Bemerkung geschehen und verfolgte ihn mit triumphierenden Blicken.
Endlich blieb er vor ihr stehen, holte tief Atem und sagte recht aus dem Grunde seines Herzens: „Und ich kann es doch nicht glauben!"
Sie sah ihn aus ihren schwarzen Augen mit unsäglicher Verachtung an. „Was willst Du denn noch?"
„Auf das Geschwätz eines Kindes hin werde ich nicht


