Ausgabe 
23.7.1899
 
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Empfehlenswerte Reklame für Nähmaschinen­fabrikanten:Radle zu Hause!"

(Münch. Jugend.")

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Passende Bezeichnung. Bekannter:Nun, und Du hast ein Fräulein Doktor geheiratet?" Junger Ehemann (der die erste Gardinenpredigt erhalten hat):

Ja wohl! Sie hat mir heute früh ihre Antrittsvorlesung gehalten." * *

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Backfisch-Logik.Lieschen, Dein Vetter küßt Dich doch zu oft!"Aber ich bitte Dich, ich hab' ihm erst neulich wieder sgesagt, daß ich mich nur als Cousine küssen lasse!"

Wodenöericht üöer Meisekleider.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaktur, DresVen-lV.

Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbnch ä 50 Pfg. daselbst erhältlich.

Reisekleider! Wie verschiedenartig sinv doch die Gefühle, welche ein einziges derartiges Wort erwecken kann. Der Modedame, deren Toilettengeld derart bemessen ist, daß sie sich ohne Bedenken jeden Luxus gestatten kann, wird es gewiß nur angenehme Gefühle erwecken, denn es bedeutet die Reiseequipierung für sie nur die Vorbereitung für neue Genüsse und neue Vergnügen. Trotzdem gibt es dabei mancherlei Aer- ger bei der Schneiderin oder in den Geschäften, wenn das Passende nicht gefunden wird, oder wenn das Gelieferte nicht sitzt, oder wenn nicht pünktlich geliefert wird. Doch im großen und ganzen bleibt es immerhin für jene ein Vergnügen, sich zu schmücken und neu zu bekleiden. Ihr haben wir nichts mehr zu sagen, denn was die Mode für den, der nicht zu rahnen braucht, an Herrlichkeiten bietet, haben wir in unseren vorangegangenen Berichten ausführlich erwähnt.

Wesentlich anders gestaltet sich die Sache bei der Frau mit beschränktem Toilettenbudget, bei der sparsamen Hausfrau, 'bei der Mutter Heranwachsen­der Töchter. Hier bedeutet das Wort Reisekleider" neue Sorgen, neues Nach­denken, neue Arbeit, denn obgleich man rechnen muß, so ist man doch vielleicht in der Lage, sich einen Sommeraufent­halt oder kleine Reise zu gestatten, und es ist nun Sache der Hausfrau, diese Mehrausgabe durch Toilettenaufwand nicht unnötig zu erhöhen. Hier könnten wir vielleicht noch manchen Rat erteilen, wenngleich für die gewissenhafte Mode- Reisekleider" auch nur ein dürres Feld

bedeutet, auf dem nicht viel zu ernten ist, denn so wenig glaubhaft dies auch klingen mag, so ist doch die Mode auf diesem Gebiete seit Jahren stabil geblieben. Dies hat seinen allerdings berechtigten Grund darin, daß man, gerade was Reisekleider anbetrisft, in jeder Beziehung Rücksicht auf ihre praktische Zwecke nehmen muß. Dadurch werden der Phantasie von Frau Mode allenthalben Schranken gezogen. Vor allem möchte man auf einer Reife so wenig wie möglich Gepäck mit sich führen, deshalb muß das Kleid, welches man oft als einziges mit hat, den verschiedensten Zwecken dienen. Dies erreicht man am vollkommensten durch das Jacken­kleid, indem sich dasselbe durch verschiedene leichtere oder wärmere, hellere oder dunklere, elegantere oder einfachere Blusen den verschiedensten Gelegenheiten anpassen läßt. Weiter muß man auf der Reise für jeden Witterungswechsel gerüstet fein. Modische Kleider in zarten, empfindlichen Farben mit Spitzen, Volants etc. sind daher ohne weiteres ausgeschlossen, und man kommt wieder auf das Jackenkleid. Ist es warm, so trägt man nur den einfachen Rock mit hellen Blusen, ist es kalt, so zieht man die Jacke an und trägt eine wollene Bluse darunter. Regnet es, so wird dies einem praktischen Stoss, wie Loden oder ähnlichem, nicht viel schaden. Weiter muß ein Reifekleid bequem sein, weshalb anliegende Taillen, enge Aermel, hohe Stehbündchen überhaupt nicht in Frage kommen. Was ist da nun wohl das bequemste? Entschieden das Jacken­kleid. Die losen Blusen mit ihren Bündchenärmeln und weißen Kragen können wohl nicht gut an Bequem­lichkeit übertroffen werden.

Alle diese einschränkenden Voraussetzungen, welche noch nicht ein­mal vollzählig sind, verweisen die Mode so entschieden auf dieses eine Kostüm, daß es eben seit Jahren für die Reife die Oberhand behalten hat. Aus gleichen Gründen durfte die Mode sich nicht allzuviel Veränderungen vornehmen, weite Röcke, weder anliegende noch reich garnierte Jacken, weder empfindliche Stoffe noch zarte Farben würden den vielseitigen ' Ansprüchen des Reisekleides genügt haben. Und so kommt es, daß wir seit lange auf der Reise immer dasselbe tragen, nämlich fußfreie, nicht zu weite Röcke, einfaches Jacket, beides von gleichem praktischen Stoff, und diverse Blusen.

Daß auch die Unterkleidung bei der ver­mehrten Reiselust mehr und mehr verein­facht und praktischer wird, liegt auf der Hand, und es ist wohl schon allgemein Sitte, die Unterröcke durch das Pluderbeinkleid zu ersetzen. Auch die intimeren Kleidungs­stücke vereinigt man gern in die, von den Engländerinnen überbrachte Kombination, doch hat sich diese letztere Mode verhältnis­mäßig weniger eingebürgert, während die erstere allgemein Anklang findet.

Alles dies ist jedoch hauptsächlich für eine Touristenfahrt berechnet, während für einen Sommeraufenthalt von einigen Wochen eine derart einfach-praktische Ausrüstung doch nicht ganz genügen würde. Bestimmte Vor­schriften lassen sich ja nun für jene letzteren Zwecke schwer geben, denn es kommt ganz darauf an, ob man an die See geht, oder in einen einfachen Gebirgsort, oder in ein elegantes Luxusbad. Für letzteres ist wohl

nichts zu gut, denn hier ist der geeignetste Ort, die größte Toiletten­pracht zu entfalten, seidene Kleider mit Chiffongarnitur, duftige Organdy­kleider, Etamine- und Grenadinetoiletten auf abstechende Seide gearbei­tet; alles das wird hier vorzüglich zur Geltung kommen.

In einem kleinen Gebirgsort dagegen muß man wieder auf die Zweckmäßigkeit des Kleides etwas mehr Rücksicht nehmen. Man wird zwar auch hier gut daran thun, außer den bekannten Blusen noch ein oder zwei nette Sommer­kleider mitzunehmen, wie vielleicht ein Helles Wollkleid und ein Waschkleid, aber außerdem würde hier ein Bergkostüm, wie es unsere Figur 1 darstellt, sehr am Platze sein. Es ist dies ein einfaches, aus Rock und Jacket bestehendes Lodenkleid, dessen Jacke in der für Herren allgemein be­kannten Joppenform gehalten ist, welche besonders für rauhe, nasse Witterung berechnet ist. Sie schließt vorn einreihig und wird am Taillenschluß durch einen Gürtel gehalten, welcher unter den Falten hindurch geht. Trotzdem ist es sehr gut möglich, die Jacke offen zu tragen, und muß sie dann durch eine beliebige Bluse ergänzt werden.

Mehr für den Aufenthalt an der See berechnet ist das Kostüm Fig. 2, denn es trägt den ausgesprochenen Charakter des Ruderkostümes. Als Herstellungsmaterial empfiehlt sich am besten einer jener hellen, waschbaren, englischen Flanelle, doch auch Piqu» und Seinen, besonders der sogenannte Matroseudrell find sehr geeignete Stoffe für derartige Kostüme.

Fig. 3 schließlich bringt einen guten alten Bekannten, welcher bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort gegebenen Falles gern getragen wird. Es ist ein Regenmantel. Neu ist an unserer Abbildung die Anordnung der Taschen, welche dem Mantel außen aufgesetzt sind und außerdem mit einer überzuknöpfenden Patte schließen.

Fig- 1. berichterstatterin das Wort

Fig. 2.

auch an dem Kleide an denn weder lange-noch

Fig. 3-

Rebattion: 8. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.