Dienstag den 22. August.
1899
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in ÄinbeSaug’, ein Maientag,
Das sind zwei Hiinmelsgaben, An denen Menschenherz sich mag
In Ewigkeit erlaben. Reither.
Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
Nachdem ihr Garte sie verlassen hatte, kauerte sie sich tiefer in ihren bequemen Lehnsessel und sann dem Gespräch mit ihm weiter nach.
Immer finsterer ward ihre Stirn, wie Kohlen glühten die dunklen Augen und schauten ganz unheimlich aus dem weißen Gesichte heraus/ die wie in Fieberhitze geborstenen Lippen murmelten:
„Ich soll sie behalten, er will sie nicht missen, ihre Gesellschaft ist ihm wertvoll."
„Ha, die Schlange! Auf wen hat sie es abgesehen? Auf Konstantin? auf Adalbert? oder auf Hans? Aber sie soll keinen haben. Noch bin ich da, und werde mich schon hüten, so leicht räume ich den Platz nicht! Ich muß ihr doch einmal auf den Zahn fühlen. Fange ich es nur geschickt an, so wird sie schon verraten, was sie im Schilde führt."
Sie klingelte und befahl dem auf dieses Zeichen sofort erscheinenden Diener, Fräulein von Kressen zu ihr zu rufen.
Wenige Minuten später trat ein sehr einfach gekleidetes junges Mädchen von hohem Wuchs mit prachtvollem aschblondem Haar in das Zimmer. Artig, aber nicht unterwürfig sich verneigend, fragte sie nach Len Befehlen der Frau Kommerzienrätin. Diese nahm, eine hochmütige Miene an und erwiderte:
„Ich wollte Ihnen nur sagen, Fräulein von Kressen, daß Sie heute nicht mit Hermine ausgehen werden."
Die großen blaugrauen Augen der Erzieherin richteten sich mit dem Ausdruck des Erstaunens auf die Dame, sie sagte aber völlig ruhig und bescheiden:
„Darf ich fragen, was die gnädige Frau zu dieser Bestimmung veranlaßt?"
Die Kommerzienrätin lächelte und entgegnete von oben herab: „Eigentlich könnten Sie sich diese Frage selbst be
antworten. Was kann eine Mutter bei ihren Anordnungen anderes leiten als die Rücksicht auf das Wohl ihres Kindes?"
„Aber mich will bedünken, Herminens Wohl erforderte gerade diesen Spaziergang. Sie kommt im ganzen nicht viel an die Lust," wandte die Erzieherin ein.
„Sie müssen mir schon gestatten, das besser zu beurteilen, mein Fräulein, ich kenne meine Tochter "doch etwas länger als Sie und weiß genau, was ihr frommt."
Da Felicitas auf diese Zurechtweisung nur durch eine stumme Verbeugung antwortete, fuhr die Kommerzienrätin fort: „Hermine ist sehr zart/ ich möchte nicht, daß sie der rauhen Luft ausgesetzt würde."
„Aber wir haben ja heute milde Luft und Sonnenschein, einen wahren. Frühlingstag!" rief Fräulein von Kressen jetzt in ehrlichem Erstaunen lebhaft aus.
„Nein, nein, es weht ein kalter, scharfer Märzwind!" beharrte die Kommerzienrätin eigensinnig auf ihrer Meinung.
„Frau Kommerzienrätin befinden sich im Irrtum, sehen Sie nur einmal, wie der blaue Himmel lacht!" versicherte das junge Mädchen arglos. Sie trat dabei ans Fenster, schlug die dasselbe verhüllenden schweren Vorhänge zurück und war im Begriff, einer der hohen Fensterflügel zu öffnen.
Ein Angstruf der Kommerzienrätin, die sich halb aus ihrem Lehnstuhl erhoben hatte, verhinderte sie daran.
„Lassen Sie das Fenster geschlossen! Wollen Sie mich töten? Ach, ich weiß es ja, darauf ist es bei Euch allen abgesehen! Ich bin Euch im Wege! Krank und hilflos wie ich bin, lebe ich Euch zu lange!"
Mit einem hysterischen Schluchzen sank sie in ihren Stuhl zurück und drückte das stark duftende gestickte Battist- tuch an das Gesicht. Erschrocken drehte Felicitas den halbgeöffneten Fensterriegel wieder zu und eilte an die Seite der Dame.
„Gnädige Frau, ich bitte um Verzeihung, es war durchaus nicht böse gemeint," suchte sie, obwohl sie sich völlig im Rechte fühlte, die Aufgeregte zu beruhigen, „kann ich Ihnen etwas reichen oder Ihnen sonst von Nutzen sein?"
„Nein, nein, ich danke Ihnen, es geht schon vorüber. Ach, Sie haben ja keine Ahnung, wie ich mich vor jedem Luftzug hüten muß," entgegnete mit schwacher Stimme die Kommerzienrätin, während sie langsam das Tuch von den Augen nahm. „Die bloße Vorstellung, daß mich ein solcher treffen könnte, bringt wich ganz außer mir."
Felicitas dachte zwar,' daß hier viel Einbildung im Spiel sei, und daß die Dame mit gutem Willen und Selbst-


