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wird Übrigens angenommen, daß ein schwacher Schlag auf das Gehörorgan ungefährlich fei; es kann vielmehr auch bet einem ganz leichten Hieb gegen das Ohr, sobald der Gehörgang luftdicht verschlossen ist, ein Riß des Trommelfelles eintreten. Es kommt hier besonders die verschiedene Dicke des Trommelfelles in Betracht. Verwerflich ist demnach selbst ein nur leichtes Zuschlägen der Ohren mit beiden Händen. Von Krankheiten, welche nachteilig auf das Gehörorgan wirken, kommen in erster Linie Nasenkatarrhe in Betracht. Diese wirken schädigend auf die Leitung vom Nasenrachenraum gegen das Mittelohr und das Trommelfell ein, und die Kinder werden dabei oft schwerhörig. Stets soll das Kind durch die Nase atmen. Abgesehen davon, daß es nur dann reine und im Winter warme Luft einatmet, neigt es auch weniger zu Erkältungen und Schwerhörigkeit. Die Kinder, die durch den Mund atmen, erhalten ost Anschwellungen im Nasenrachenraum, die auf das Gehör einwirken. Dr. V.
Der Nutzeffekt des Radfahrens.
------- (Nachdruck verboten.)
Der Unterschied zwischen der Entfernung, die von einem Menschen beim Gehen mit einem Schritt und von einem Radfahrer mit einer Umdrehung des Pedals gemacht wird, ist geradezu erstaunlich, ohne daß hierbei die große Ersparnis an Muskelkraft in Betracht gezogen ist. Wir setzen die Einrichtung eines Zweirades (Niederrad) als allgemein bekannt voraus, erwähnen hier nur, daß durch die Uebersetzung, d. h. dem Verhältnis des Kettenrades im Hinterrad zum Kettenrad im Vorderrad die Geschwindigkeit des Radfahrers beeinflußt wird. Hat z. B. das vordere Kettenrad 24, das hintere 8 Zähne, so macht das Rad während eines Pedaltrittes drei Umdrehungen, bei einem Durchmesser von 60 Zentimeter würde das Rad demnach 3 X 60 x 3,14 ----- ca. 5>/, Meter zurücklegen. Sollte nun ein Fußgänger mit einem Schritt dieselbe Entfernung durchmessen, so müßte er eine Höhe von ca. 10 Meter besitzen, würde aber trotzdem bei einem Wettlauf mit einem Radfahrer den kürzeren ziehen, weil seine
Kraft früher erlahmen würde. Unsere Illustration zeigt das Verhältnis zwischen einem Radfahrer und dem Fußgänger, außerdem aber ein Hochrad ohne Uebersetzung, das bei einem Pedaltritt die gleiche Entfernung zmücklegen würde, wie ein Niederrad in unserer gewöhnlichen Uebersetzung.
Gein-inirütztges.
Jeld und Karten. .
Im Gemüsegarten steht jetzt das Ernten im Vordergründe des Interesses. Man nimmt schon reife, frühe Kartoffeln und reife Zwiebeln aus, erntet Gewürzkräuter, Wurzeln und Kochgewächse, muß aber auch gründlich bewässern, behacken, behäufeln und dem Ungeziefer zu Leibe gehen. Namentlich sind jetzt die Eier und späterhin die Raupen des Kohlweißlings abzusuchen, welche sich sonst in der verderbenbringendsten Weise in den Kohlpflanzungen verbreiten. Im Obstgarten beginnt die Ernte des frühen Obstes, schwerbeladene Aeste werden mit Stützen versehen, Spaliere sorgfältig angeheftet und Fallobst gewissenhaft gesammelt und vernichtet. Die Bäume der Frühjahrs- und Herbstpflanzung sind immer noch, namentlich soweit sie nicht üppig wachsen wollen, reich zu bewässern, wo es angängig ist, auch ihre Kronen in den Abendstunden tüchtig auszuspritzen.
Welche Wassermengen der Gartenboden nötig hat, um die verschiedenen Gewächse zum fröhlichen Gedeihen zu bringen, davon macht sich der Nichtgärtner selten eine richtige Vorstellung. — Gar mancher meint, es habe nun „endlich genug geregnet," während der Gärtner seufzt unter der Trockenheit, die in den tieferen Schichten des Bodens herrscht. Th. Kirchberger in Weilburg an der Lahn ist der Ansicht, daß in jeden Garten ein Wassermesser gehört, mit Hilfe dessen festgestellt werden kann, wieviel es geregnet hat. Auf Grund einer einfachen Berechnung weist er nach, wieviel Wasser nötig ist, um den Gartenboden richtig zu durchwässern. Der sehr lesenswerte Aufsatz ist in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers enthalten, die Gartenfreunden kostenfrei zugeschickt wird vom Geschäftsamt in Frankfurt a. O.
Jür die Küche.
Erprobte Vorschriften für die Bereitung von Obstlikörenr 1. Johannisbeerlikör (Cassis). Schwarze Johannisbeeren kommen zerquetscht in einen Glasbehälter, werden mit dem gleichen Gewicht guten Branntweins übergossen, worauf das Gefäß, gut verschlossen, vier Wochen in die Sonne oder an einen warmen Ort gestellt wird. Hierauf läutert man guten Hutzucker in */a bis 3/s des Beerengewichts und setzt ihn dem filtrierten Safte zu, welcher in gut verkorkten Flaschen bis zum Genüsse aufbewahrt wird. — 2. Likör aus schwarzen Johannisbeeren und Heidelbeeren. 2 Kilo schwarze Johannisbeeren, 1 Kilo Heidelbeeren bleiben, mit 10 Gramm gebrochenem Zimt und mit 5 Liter gutem Branntwein überschüttet, in einem gut verschlossenen Glasgesäß vier Wochen stehen. — 3. Quitten-Likör. Reife Quitten werden geschält, entkernt, auf einem Reibeisen zerkleinert und der Saft abgepreßt. Auf 2 Liter Saft nimmt man 1^/, Liter Branntwein, 1 Kilo Zucker, 10 Gramm Zimt, 5 Gramm Gewürznelken und 50 Gramm bittere Mandeln. Diese Mischung stellt man drei bis vier Wochen in ein Glasgefäß an, filtriert den Likör und füllt ihn auf Flaschen. Ein hochfeiner Lckör und besonders ein Liebling der Damen. — 4. Birnen-Likör wird in ganz derselben Weise hergestellt wie Quitten-Likör. — 5. Nuß-Likör. In 2% Liter Branntwein setzt man 1 Kilo grüne, unreife Walnüsse in Stückchen zerschnitten an und läßt sie drei bis vier Wochen stehen. Dem filtrierten Saft werden nun 20 Gramm Zimt und 10 Gramm Gewürznelken zugesetzt und bleiben mit ihm nochmals acht Tage stehen. Nachdem der Saft nochmals filtriert, setzt man nun auf den Liter 250 Gramm geläuterten Zucker zu und füllt den nun fertigen Likör auf Flaschen. Er ist einer der feinsten Fruchtliköre.
Äeboltton: 6, Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'schen Univerfitätl-Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.


