Ausgabe 
21.12.1899
 
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den Holzeimer, in den der Baum gepflanzt ist, mit farbiger Brandmalerei gar reizend zieren. Auf weißem oder mattge­färbtem, handbreitem Atlasband von etwa zwei Meter Länge gemalte Wechnachtssprüche, zwischen die sich Anemonen und Christrosen schmiegen, bilden gleichfalls einen sehr künstlerischen Baumschmuck, der an das Können und an den Kunstsinn der jungen Malerin große Anforderungen stellt, aber von unver­gänglichem Retz rst.

Unvergeßlich werden mir allezeit die Abende vor Weih­nachten sein, wenn wir Kinder mit unserem Väterchen bei­sammen am großen Eßtisch saßen, Mffe vergoldeten und an­drahteten, die Aepfelchen blitzblank rieben die hierbei ver­letzten durften sofortgeschlachtet" werden Papierkettchen klebten und alle Lichter bereit machten. Wenn ich eine alte Frau sein werde und alle Weihnachtsabende meiner Kinder­zeit vergessen habe diese trauten Stunden erwartungs­vollen Schaffens, wo selbst die kleinsten Kinderhände sich helfend regen durften, bleiben unverwischt. Vor unserem Baume stand auch eine kleine Hütte aus Holz nnd Pappe, und das Licht darinnen schien gerade auf das Christktndlein in der Krippe.

Einer Tanne möchte ich noch gedenken, die ich im vorigen Jahre in München bei einer unserer ersten Malerinnen sah.

Den hohen, gewaltigen Baum zierten nur Lichter und Lilien und Rosen. Lilien und Rosen über und über groß und klein mit leuchtenden Kelchen, schneeigte Blüten welch eine Pracht! und welch schöner, wunderfinniger Schmuck!

Alle Jahre bringt die Mode neue Scherze, neckische Atrappen mit süßer Füllung, fliegende Weihnachtsmännlein, Schornsteinfeger, Modedamen, farbige und durchsichtige Karten und singende Nachtigallen denen im rechten Augenblick die Stimme versagt. Immer schön bleiben die Glasketten, die die armen Thüringer jahraus, jahrein dafür schaffen. Die Kinder sollten auch einmal versuchen, wie hübsch ihre Gebirgs­reise - Erinnerungen zur Tanne passen die Rübezahl- Männlein, die kleinen Holzschlitten und Wurzelwichte, die fie dort von den Bergbewohnern erstanden! Sie mögen so gern auch ihren kleinen Baum, die Mädchen in ihren Puppen- stübchen und die Buben auf ihrer Festung. Auch ein größeres Schiff kann man mit dem Bäumchen schmücken und alle Segel und Masten mit Tannen, Gaben und Lichtern behängen das ist ein prächtiges Weihnachtsbtld für unsere Kinder!

Vieles ruft der Sinn für Humor herbei mehr noch das jeweilige Bedürfnis oder der Mangel) und der Wunsch und die Sehnsucht nach der schönen Heimat veredelt auch scheinbar seltsame Zusammenstellungen. Im Kriege 1870 gab's in Frankreich Tannen, deren Schmuck in wenig Lichtern und viel Zigarren bestand, und von Marie Antoinette erzählt man sich, daß sie am letzten Weihnachtsabend, den sie im Schloß mit ihren Kindern verlebte, sich im engsten Familien­kreise einen Mhrtenbaum schmückte, weil keiner dort eine Tanne besaß und diese liebe deutsche Heimatsitte kannte.

GenBeinnrWges.

Eminc6 von Hammelfleisch. Zehn Personen. Be­reitungszeit 7z Stunde. Zuthaten: Genügende Reste einer gebratenen Hammelkeule, zwei Zwiebeln, 80 Gramm Butter, 50 Gramm Mehl, 7r Liter kräftige Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt, ein Glas Rotwein, der Rest der Bratensauce, 3 Eßlöffel Essig, Salz nach Belieben, eine Prise Pfeffer. Nachdem das von Sehnen und Fett befreite Fleisch in feine Scheibchen geschnitten worden ist, dünstet man die in Scheiben zerteilten Zwiebeln in der Butter weich, läßt das Mehl damit gelblich schwitzen, gießt die Brühe aus Liebig's Fleisch- Exirakt, den Rotwein und Essig nebst dem Bratenfond zu, verkocht alles zu einer semigen Sauce, die man entfettet

durch ein Sieb treibt. Mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt läßt man sie noch ein wenig verdicken und das Fleisch, das nicht kochen darf, darin heiß werden. Man richtet die Emines in einem Reisrand an, oder giebt Kartoffel - Pur« dazu. ____________

Literarisches.

Die Weihnachtsnummer derGartenlaube". Der Weihnachtsstimmnng, welche Knecht Ruprecht auf seinem Umzuge durchs Land alljährlich bei jung und alt erweckt, trägt dieGartenlaube" als deutsches Volks- und Familienblatt seit altersher durch Herausgabe einer besonders festlich ausgestatteten Nummer von echt weihnachtlichem Gepräge Rechnung. Der von F. Reiß entworfene farbige Umschlag umschließt eine reiche Zahl von Beiträgen unserer besten Schriftsteller und Künstler. ®oS. GedichtAm heiligen Abend" von Paul Härtel mit künstlerischer Umrahmung in Farben von F. Bergen versetzt uns in die rechte Feststimmung. Daran schließt sich eine reizende Novellette von Anna Ritter,In der Christnacht", die mit Bildchen von Werner Zehme geziert ist. A. Trinius hat einen Aufsatz über das altehrwürdige Antoniusfest in Schweina" beigestenert, zu dem R. Starcke ein hübsches Bildchen geliefert hat, und L. Riedel schildert unsBaumschütteln am Andreasabend" im Vogtland, das der Stift Fritz Bergens in Bildern veranschaulicht. Ferner veröffentlicht dieGartenlaube" aus Anlaß der Einweihung des Pestalozzi-Denkmals in Zürich ein Bild desselben mit einem Artikel aus der Feder Oswald Heideggers, während Rudolf v. Gottschalls Bild aus deutscher GeschichteGefälschte Briefe" zum Abschluß gelangt. Einen ganz eigenartigen poetischen Zauber entfaltet I. C. Heer mit seinem spannenden Roman aus dem EngadinDer König der Bernina". Von dem reichen Bilderschmuck möchten wir noch erwähnen die KunstbeilageChristkinds Weckruf" von I. R. Wehle,Christkinds Gaben" von G. Mühlberg (beide in farbigem Druck ausgeführt), Weihnachtsbescherung" von Herm. Kaulbach, H. LeflersWeihnachls- fest der Wiener im Jahre 1227",Friede auf Erden!" von Wilhelm Schade undNikolaustag in den Niederlanden" von I. Gehrts. Dem Krieg zwischen den Burenrepubliken und England in Südafrika sind reich illustrierte Sonderbeilagen gewidmet

Kollektion Hartleben. Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. ä 75 Pf. Jährlich 26 Bände; bisher Band 1 bis 8 vom VIII. Jahrgang ansgegeben (A. Hartlebens Verlag in Wien). Bon der RoinanbibliothekKollektion Hartleben", diesem handlichen und hübschen Unternehmen, welches die größte Verbreitung verdient, liegen uns bereits Band 1 bis 8 des VIII. Jahrganges vor. Das Publikum ersieht aus dem abwechslungsreichen Programm, in welchem jede Nation zu Worte kommt, wie sehr Verleger und Redaktion bemüht sind, ihr Bestes zu leisten in Wahl der Stoffe und Ausstattung des Ganzen. Der neue Jahrgang wurde mit dem dreibändigen Roman von Rens de Pont-IestEine vornehme Ehe" eröffnet. Diesem folgte die polnische Arbeit von Elise Orzeszko,Der Australier". Band VVI brachteDie gefangene Prinzessin" des Engländers Savage. Band VII Novellen der in der Wiener Gesellschaft bekannten nnd beliebten Schrift­stellerin Baronin Paula Bülow; Band VIII bis IX umfaßt Girolamo Rovetta'sDas Idol"; Band X die nngarische ArbeitAnna Huszar" von Elek Benedek; Band XI bis XII den RomanVom Sturm ge­tragen" von M. A. Fleming; Band XIII bis XIVDie Studentin" von Jeanne Mairet. Das internationale Unternehmen wird auch im weiteren Verlaufe nur bestrebt sein, Gutes und Bestes zu bieten. Es appelliert an den guten Willen des Publikums und wird sein Möglich­stes thun, um zu verdienen, daß man Freunde für dasselbe werbe.

Ergänzungsrfllsel.

Nachdruck verboten.

In den nachstehenden Wörtern sind die Striche durch Vokale nnd die Punkte durch Konsonanten sinngemäß zu ergänzen.

R . t . . ä . m . . . h;

F . t . . r m . . . h;

. . e ß r . ä . . t . . h,

. . h . e ß b . h.t . . h!

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des geographischen Verschiebrätsels in vor. Nummer:

L ondon

Frankr e ich

Berl i n

Ko p euhageu

Floren z

Thür j ngen

/ Ae g ypten

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.