Ausgabe 
21.12.1899
 
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enormen Stieseln unter der Düffeljoppe trampelt frierend auf der Treppe und meint auch,lang verdisketieren könne er sich nicht mehr."

Na, da zieht Großmutter das Geldtäschchen und zahlt, und der Mann aus der Waldau grunzt schönen Dank und trappt die Stiege hinab. Schorsche schleppt mit wahrem Triumphgejodel den Hasen in die Küche, lobt ihn noch in und aus dem Sack, wie feist und billig er sei, versichert der Großmama:er sei ja halb geschenkt", und meint,den halte Dir mal warm, Großmutterchen! der ist ein echter Mann! ein ganz redlicher Mensch! zehn gute Groschen! Na ich habe ihm nachgerufen, den nächsten soll er uns bringen!!"

Die Generalin freut sich im stillen auch über das gute Geschäft, welches sie gemacht hat, und ist mit allen Gedanken schon so völlig bei dem Hasenbraten, daß es ihr gar nicht ausfällt, welch eine Eile ihr Schorschchen Plötzlich hat, einen guten Freund zu besuchen!

Sie hat nichts dagegen, und der Herr Kadett umarmt sie, als habe ihn ein heftiger Zärtlichkeitsanfall ergriffen, greift nach Mütze und Seitengewehr und stürmt davon.

Es ist Abend, die Lichter brennen auf dem Meß­platz, es jubelt, schrillt, pfeift, meckert, quakt, lacht und schiebt und drängt sich durcheinander. O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit!

Schorsche und Hermann schleudern abermals durch den frohen Trubel, mit strahlend verklärten Gesichtern und unauf­hörlich kauenden Backen.

O du heiliges Linksschwenkt! Wie viel, wie unendlich viel des Schönsten und Appetitlichsten kann man für zehn gute Groschen doch kaufen!

So angenehm satt Schorsche nennt esvoll" wie heute haben sie sich lange nicht gefühlt, des Daseins und der Weihnachtsmeffe Lieblichkeit, nie so gründlich noch durchkostet, wie an dem heutigen Tage!

Ja das Leben ist doch schön, o Königin! Fürnehm- ltch wenn Hasen in der Welt Herumlaufen und sich liebens­würdigerweise schießen lassen! Frau Generalin von M. hat noch verschiedene Hasen aus ihrem Garten bezahlt und gegessen; denn die kurfürstliche Leibhege grenzte an denselben, und die Herren Kadetten legten nicht umsonst die leckersten Kohlblätter auf den Schnee!

Die Zeiten sind vorüber!

Die beiden Kadetten sind alte Männer geworden, welche des Lebens Ernst reichlich erfahren haben wenn aber die liebe Weihnachtszeit mit all ihrem glückseligen Zauber kommt und ein saftiger Hasenbraten auf dem Tische erscheint, dann schmunzeln die Grauköpfe doch recht schalkhaft in den Bart und werden wieder jung bei der Erinnerung an die zehn guten Groschen und all die unzähligen Pfeffernüffe, welche sie solch einem braven Lampe einst zu verdanken hatten!

Alter »nd neuer Christbaumschmuck.

Bon Marie Becker.

.------- (Nachdruck verboten.)

Liebes, trauliches Schaffen, wenn alle Hände sich regen, den Christbaum zu schmücken, wenn das Weihnachtsfieber er­wacht! Alles regt sich in fröhlichem, geheimnisvollen Hasten für das Fest. Und hinein in alle Räume leuchtet der Baum mit seinem zauberischen, gedämpften Lichte, seinem Duft, seinem Schmuck. Wie verschiedenartig wird gerade der Tannenbaum in allen Familien geputzt! Wie schön oft, und wie bunt! aber auch überladen zuweilen. Und mit neuen Anregungen immer neuen Formen und Ziergeräten kommt der Weihnachts­markt in Stadt und Land uns jedes Jahr zu Hilfe. Reicher vielleicht noch als sonst ist in diesem Jahre der Vorrat der Schmuckgegenstände, da wir alle fortgerissen von der allge­meinen Begeisterung für alles Schöne im gewerblichen Leben, für das Heimische, Schmückende im eigenen Neste, völlig diesem Weihnachtszauber unterliegen.

Frisch duftend aus dem Walde kommt der Baum ins

Zimmer, noch feucht vom Morgenreif glänzen seine tiesgrünen Nadeln. So Prangte er einst auf demJulfeste unserer Vorfahren, ihnen wie uns das unvergängliche Leben, die Auferstehung des Lichtes verkündend. Versuchen wir es einmal, ihn zuerst zu schmücken, wie die Natur es lehrt, wie unsere Ahnen es verstanden! Er ist nicht allzu groß, wird aber etwa einen halben Meter über der Erde auf einen Hocker oder Schemel gestellt, den ein Leinentuch deckt. Hierüber Packen wir gleich einem Hügel Moos und Steine, hübsch bemooste Zweige, Tannenzapfen und pflanzen dazwischen eine Zimmerfarre oder das duftige englische Spargelkraut, das man neuerdings pflegt, ein Schlinggewächs.

Das Geröll wird herumgefchichtet, und wir haben ein Stückchen Harzlandschaft von großem Reiz, ein Stückchen Waldheimat wie jene rauhen Gestalten der Vorzeit. Der Stern von Bethlehem ist immer der schönste, sinnigste Schmuck für die Spitze der Tanne ihn wollen wir nicht vergessen! Lichtchen aus reinem, gelbem Wachs, die, am Fuß gespalten, erwärmt, um den Zweig gedrückt werden, sind ihr einziger, offizieller Schmuck die Schönheit eines solchen tiefgrünen Baumes ist unerreicht.

Doch wir können ihm noch einen weiteren Schmuck geben: den so äußerst beliebten Schnee. Die beschneite Tanne ist, für den Norddeutschen besonders, erst der rechte Weihnachts­baum. Als Schnee wird vieles benutzt und hat sich vieles als praktisch und schön erwiesen. Sehr einfach ist flüssiger Kalk, imprägnierte Watte letztere wird nur ganz fein gezupft, gleichsam ausgesponnen,' doch ist dies freilich eine mühsame Arbeit vieler Stunden. Ost schon erwähnt ist, wie Prächtig Kochsalz als Schnee aussieht, doch müssen hierzu erst die Zweige mit Leim überstrichen werden, ebenso für den glänzend weißen Alaun. Brillantflitter über den Baum noch außerdem zu streuen, ist eine vornehme, aber sehr kostspielige Vervollkommnung. Zum Schneeschmuck gehören aber auch die feinen, großen und kleinen Eiszapfen aus weißem Glas, die möglichst dicht am Zweige mit Blumendraht nicht etwa mit einem farbigen Faden befestigt werden.

Die buntfarbigen, künstlerischen Wachslichter, die die neue Mode uns in so reicher Auswahl beschert hat, können ganz allein schon einen prächtigen Baumschmuck von reizendster Farbenpracht geben. Eine fast möchte ich sagen poetische Neuheit sind die kleinen Kugellaternchen aus farbigem Glas mit einem dicken Lichtchen darinnen, die den Baum auf das zauberhafteste erleuchten und den großen Vorzug haben, vermöge ihrer Feuerstcherheit sogar dicht am Stamm befestigt werden zu dürfen, so daß das grüne Geäst gleichsam belebt erscheint.

Das ist der Christbaum für die großen Menschen, aber unsere kleinen Menschlein möchten doch auch und an diesem Feste so ganz besonders zu ihrem Rechte kommen! Für sie ist's ja der Wunderbaum, umweht von tausend süßen Rätseln, ein holdes, unbegriffenes Geheimnis, das für sie seine Wunderkraft in allerlei Greifbarem bethätigen muß. In vielen Familien ist er der Baum, an dem alle Tage von neuem Kuchen und Zuckersachen wachsen, und an dem die ganze Ge­sellschaft den Tag über nascht und knabbert. Besonders die Lebkuchentiere, -Herzen und -Puppen sind eine liebe Weih­nachtszierde ein Rest von dem heidnischen Gebrauch, die kostbaren Opfertiere durch nachgebildetes Gebäck zu ersetzen und dies den Göttern darzubringen. Aber in Wahrheit sind Aepfel und Nüsse, dieser allgemein beliebte Schmuck für den Baum, weit gesünder, als die bunten, lockenden Zuckersachen.

Ich kenne ein altes Paar, das immer gemeinsam den Baum schmückt und der Schmuck besteht aus all den Er­innerungen an all die Jahre, die sie miteinander durchlebten. Kleine Andenken an frohe Stunden sind es, auf jedem das Datum verzeichnet tausend stille Geheimnisse und tausend Liebesbande. Da schweben Engelchen, Schifflein und Weih- nachtSmännlein manch rosiges, frisches, manch altes, graues, unmodisches Stück um die Tanne der alten Leute.

Die fleißige Hand der Tochter kann die Hutsche oder