Ausgabe 
21.12.1899
 
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^WAass' sie kritteln, lass' sie lachen, JUbT1 Schließ' voll Gleichmut deine Ohren;

Wer es allen recht will machen, Geht am End' doch selbst verloren.

G. Keil.

Wer mit Schweiß und Blut erkämpfte nur die kleinste Spanne Raumes, Tauscht mit dem nicht, der die Sterne faßt im Netze seines Traumes.

Psitzer.

Der Weihnachtshase.

Ein lustiges Geschichtchen von Nataly von Eschstrnth. Nachdruck verboten.

Die liebe, fröhliche Weihnachtszeit bietet wohl für jedermann doppelt reiche Erinnerungen, ernst und heiler, je nachdem Leben und Schicksal die Lose mischte! Wenn die ersten Schneeflocken wirbeln, wenn der erste Wagen voll Tannengrün durch die Straßen fährt, wenn ein weihnacht­licher Duft von selbstgebackenem Kuchen durch das Haus zieht, wenn aller Orten und Enden die trauten Weisen der Christlieder erklingen, dann jauchzen wohl die Herzen der Kleinen und die klaren Kindetaugen blicken sehnsüchtig und erwartungsvoll voraus nur voraus in die lockende, selige Zukunft des nahen Festes mit all seinen Herrlichkeiten,' die Großen und Alten aber lassen wohl für Augenblicke die geschäftigen Hände ruhen, lächeln wie in lieblichem Traum und blicken zurück, oft weit zurück in eine Zeit, wo die Welt noch so offen, die Herzen so weit und Weihnachten ein Fest war, welches selbst die heißesten, kühnsten Wünsche mit Hilfe eines Spielwarenladens noch erfüllen konnte!

Ja, dann kommen mit dem Tannenduft all die Gedanken dahergezogen, welche so lang im Herzen versargt lagen, dann steigen Bilder herauf, welche man seit Jahren ver­gessen glaubt, die Kindheit, die Jugend lebt neu auf und läßt die müden Herzen noch einmal schneller schlagen, das ist der Christzauber, welcher für die Alten das schönste Weihnachtsgeschenk mitbringt die Erinnerung.

Kommt nun der Dezember ins Land gezogen, und er­scheint ein saftiger Hasenbraten auf dem Tische, dann muß ich ihn jedesmal mit einem heiteren Lächeln grüßen- ist doch mit solchem Anblick auch für mich eine Erinnerung verknüpft, welche ihrer Zeit ein ganzes Städtchen höchlichst amüsiert hat!

Es handelt sich nm einen lustigen Kadettenstreich, welchen ein gewisfer Großpapa mit seinem Intimus vor

langen Jahren ausgeführt hat, und welchen der alte Herr gar zu gerne noch mit vergnüglichem Schmunzeln erzählt!--

Lang lang ist's her, da wanderten zwei junge Kadetten Arm in Arm durch die kleine Residenzstadt Kassel, welche in all dem Trubel der großen Weihnachtsmesse kaum wieder zu erkennen war. Welche Herrlichkeiten boten sich den Augen, welch ungeheuer leckere Dinge lockten aus aller Buden hervor, und wie groß war schon damals ein Kadetten­magen und wie schrecklich leer die Taschen solch eines kleinen, kurfürstlichen Fräckchens mit blanken Knöpfen!!

Hermännchen undSchorsche" lernten des Tantalus Qualen hier vollauf verstehen und in ihrer ganzen Unerträglich­keit ermessen, und je länger sie zwischen den verführerischen Budenrethen hin und her durch den Schnee stampften, je lieblicher die kleinen, verschneiten Tannenbäumchen rechts und links dufteten, je hungriger sie durch dasBummeln" wurden, um so unerträglicher ward das Bewußtsein ihrer Mittellosigkeit, um so leidenschaftlicher ihre Sucht nach schnödem Mammon, welcher einzig und allein zu intimerer Bekanntschaft mit Pfeffernüssen,Pflastersteinen", Rofinen- wecken und Honigkuchen verhelfen konnte!

Woher nehmen und nicht stehlen?!

Das war die Frage! Ein Attentat auf den Geldbeutel und ein Appell un den Opfermut der Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten hatte sich schon am vergangenen Sonntag als absolut erfolglos erwiesen! Gerade jetzt, in der seligen, fröhlichen Weihnachtszeit, wo doch alle Herzen weich wie Butter sein sollten, schien die ganze liebe Familie zu Stein erstarrt, und die Rechte sowohl wie die Linke waren nicht zu bewegen, die Börse aus der Tasche zu zieh'n.

Schlechte Zeiten! Was sollten sie anfangen? Die beiden Freunde konnten den Anblick der Leckerbuden nicht mehr ertragen, sie wandten sich mit düsteren Mienen dem Dippenmarcht" zu und sannen auf Mittel und Wege, diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu machen.

Die phantastischsten Pläne blühten in grellen Farben auf und welkten unter dem Eiseshauch der Unmöglichkeit und Unausführbarkeit sofort wieder hin, und wie des Da­seins ganzer Jammer die jungen Vaterlandsstreiter immer unbarmherziger packte, da überkam sie ein ungeheurer Welt­schmerz und eine Verachtung gegen alles, was da in Kassel kreuchte und fleuchte!

Hinaus in die Einsamkeit! in Gottes freie, weite Natur, durch welche Nietzsche's Uebermensch als schöne, blonde, wilde Bestie ungehindert jagen darf!

Weit vor der Stadt, ein beträchtliches Stück hinter