Ausgabe 
21.11.1899
 
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sagte er überhaupt und eine zu große Ueberdeckung des Papiers gab dem Tabak einen unangenehmen Geschmack. Bei den besten Maschinen jedoch sind heut alle diese Mängel be­seitigt, und die mit der Hand gefertigten Zigaretten werden immer mehr aus dem Handel verdrängt. Und doch giebt es einige Marken, d. h. die teuersten, die immer noch mit der Hand gefertigt werden müsien. Fachleute behaupten, daß die aus dem allerfeinsten türkischen Tabak hergestellten Zigaretten durchaus mit der Hand gearbeitet werden müßten, auch wenn das Fabrikat nicht bester ausfiele als durch An­wendung der Maschine. Denn der Tabak, sagen diese Leute, ist so empfindlich, und der Geschmack des wirklichen Kenners so fein oder die Einbildungskräfte derjenigen, die sich als Kenner betrachten, so lebhaft daß man fürchtet, das Metall der Maschine könne dem Tabak einen unangenehmen Geschmack mitteilen. Da der Preis aber für viele Raucher durchaus kein Hindernis bildet, das kostbarste Kraut zu genießen, so werden immer noch einige Zigaretten hergestellt werden, und das ist im Interesse der Industrie und der armen Zigaretten­arbeiterinnen gewiß nicht zu bedauern.

Vermischtes.

Der köstlichste Wohlgeschmack. Obwohl die Vanille das feinste Gewürz nnd geeignet ist, selbst einfachen Gerichten hohen Reiz zn verleihen, ist sie doch bisher nur auf Gastrollen im Haushalt er­schienen. Ihr hoher Preis, ihr unsicherer Einkauf und die aufregenden Eigenschaften, die ihr eigen sind, ließen sie in der bürgerlichen Küche nicht heimisch werden. Heute können wir die Vanille - Schoten ganz entbehren und trotzdem ihren herrlichen Geschmack in unvergleichlicher Reinheit, mit geringeren Kosten und ohne jede Befürchtung übler Ein­wirkung auf unser Nervensystem genießen. Der Körper, der der Vanille ihr köstliches Aroma verleiht, das Vanillin, ist in seiner chemischen Zu­sammensetzung erforscht und seine Abscheidung in reinem Zustand aus anderen billigen Naturstoffen von den Chemikern Dr. Wilhelm Haarmann in Holzminden und Geheimrat Dr. Ferd. Tiemann, Professor der Chemie an der Universität zu Berlin, erfunden worden. Das patentierte Ver­fahren wird von der Firma Haarmann u. Reimer in Holzminden ausgeübt. Sie stellt z. B. aus Koniferin, einem im Bastsaft der Nadel­hölzer vorkommenden Stoff, Vanillin in höchster Reinheit her. Diesem Körper, der sich auch auf der Oberfläche feiner Vanille-Sorten in Form eines zarten Flaums abscheidet, hat die Vanille ihr köstliches Aroma ausschließlich zu verdanken, denn die in der Schote sonst noch enthaltenen Bestandteile, Harze, Fette und Gummen, die man unter dem Namen Extraktivstoffe zusammenfaßt, sind weder wohlriechend noch wohlschmeckend, überdies der Währung und Zersetzung unterworfen. Ebe» diese Neben- bestandtcile sind auch die Träger der gesundheitsschädlichen Eigenschaften der Vanille-Schoten, die sich schon zu Vergistungsfällen durch Vanille- Eis gesteigert haben. In dieser Hinsicht sind besonders sehr billige Sorten verdächtig, die sich teilweis schon in verdorbenem Zustand be­finden und mit Milben durchsetzt sind, welche höchst unangenehme Hant- ausschläge herbeizusühren imstande sind. Das reine Vanillin, welches keine Spur dieser Beimengungen besitzt, wird entsprechend der Menge, wie cs in der allerseinstcn Vanille enthalten ist, mit Zucker verbunden und in den Originalpäckchen von Haarmann u, Reimer (Generalvertreter Max Elb in Dresden) in den Handel gebracht. Nur diese von den Patentinhabern und Fabrikanten selbst hergestellten Päckchen bieten dem Publikum Garantie für Reinheit und stets gleichmäßige Ausgiebigkeit. Das Aroma ist in dieser Form sofort löslich, teilt sich daher Beim Backen und Kochen den Speisen und Getränken schnell mit, verursacht auch nicht wie die Vanille häßliche schwarze Punkte in den Gerichten und braucht zum Vorteil der Ausgiebigkeit nicht mit gekocht, sondern nur mit den Speisen gut verrührt werden.

Die Einführung des Mahagoniholzes itt Europa datiert vom Jahre 1724 her. In diesem Jahre brachte der Kapitän eines englischen Schiffes von einer Fahrt nach Wcstindien eine Ladung eines harten, von den Eingeborenen Mahagoni genannten Holzes mit. Es hatte eigentlich nur als Ballast gedient, da aber sein Bruder, ein Londoner Arzt von einigem Ruf, Dr. William Gibbons, gerade ein Haus baute, machte ihm der Kapitän das Holz zum Geschenk. Die Zimmerleute erklärten jedoch, das Holz sei zu schwer zu bearbeiten, und so ließ man es liegen. Nach einiger Zeit nun ließ sich der Doktor ans dem fremden Holz einen kleinen Kasten, einen Behälter für Lichte Herstellen, nnd da das Holz, nachdem es bearbeitet worden, vorzüglich aussah, ließ er sich auch einen Schreibtisch aus demselben Material ansertigen. Einzelne Mitglieder der Londoner Gesellschaft, die diesen bei dem Arzt sahen, fanden Gefallen an dem neuen Holz; es begann eine rege Nachfrage danach, und bald wurde Mahagoniholz regelmäßig nach England eingcführt, um zur Möbelfabrikation verwendet zu . werden.

Gemütlich. Herr Bemmchen:Ei, mei' lutester Herr Taschen­dieb. ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber ich hab' Se mei' Portemonnaie leider nicht bei mir."

Der zerstreute Professor.Ganz merkwürdig, Herr Professor, wie Ihre beiden Söhnchen sich ähnlich sehen! Es sind Zwillinge, nicht wahr?" Ja, ja, besonders der ältere."

Aus per Schule. Lehrer:Als Cäsar seine Verbindungen mit Rom abbrach, wen überschritt er da? (Der Schüler schweigt). Nun, den den" Schüler (Offizierssohn):Den Urlaub."

Praktisch. Patientin:Muß ich noch immer die Zunge heraus­stecken, Herr Doktor?" Arzt:Jawohl, bis ich das Rezept fertig geschrieben habe."

Litterarisches.

Geschichte des deutschen Zeitungswesens von den ersten Anfängen bis zur Wiederanfrichtung des deutschen Reichs. Von Ludwig Salomon. Erster Band: Das 16., 17. und 18. Jahrhundert. Broschiert Mk. 3.. Oldenburg, Schulzesche Hof-Buchhandlung. (A. Schwartz). Eine Geschichte des deutschen Zeitungswesens giebt es zur Zeit noch nicht. Wiederholt ist es unternommen worden, eine solche zn schreiben, aber immer ist die Arbeit unvollendet geblieben. Nun entwirft das Buch Salomons zum ersten Male ein großes vollständiges Bild von der Entstehung und Entwickelung des deutschen Journalismus und füllt damit eine längst empfnndene Lücke in unserer geschichtlichen Litteratur aus. Mit dem Zeitalter der Reformation beginnend, wo sich die ersten Keime des Journalismus regen, und, dann fortwandernd durch die düstere Periode des dreißigjährigen Krieges, durch die Frühlingslandschaften der Friedericianischen Zeit, bis herüber in die sonnige Lichtfülle der Gegenwart, führt der Verfasser uns eine Reihe der interessantesten Kulturgemälde, eine lange Galerie der eigenartigsten Charakterköpfe vor. Ein ganz neues, bisher nur hie und da gestreiftes Gebiet der Geschichte unserer Bildung wird uns dabei eröffnet, eine der gewaltigsten Mächte der Gegenwart, die öffentliche Meinung, sehen wir von ihrem ersten Emporwachsen bis zu ihrem heutigen gigantischen Einflüsse sich entwickeln, ja das ganze mühevolle Ringen und nicht rastende Kämpfen der letzten drei Jahrhunderte zieht in einem eigentüm­lich scharfen Spiegel an uns vorüber, denn in einer so umfassenden und erschöpfendenGeschichte des deutschen Zeitungswesens", wie der vorliegenden, bietet sich uns auch zugleich ein Spiegelbild unserer gesamten nationalen Entwickelung. Ludwig Sal om on hat sich durch seineGeschichte der deutschenNationallitteratur des 19. Jahrhunderts,, einen geachteten Namen gemacht; hier in seinem neuesten Werke fügt er zu den bisherigen Vorzügen noch den Reiz außerordentlicher Mannigfaltigkeit; denn welche Fülle bunten Lebens, welche großartige Ent­wickelung unserer Kultur, welches Wogen nnd Fluten der politischen Bestrebungen, welche wunderbaren Erfolge auf den weiten Gebieten des Handels, der Industrie und vor allem der Erfindungen tritt in der Zcitungslitteratur in die Erscheinung. So möge das verdienstvolle Buch Salomons, ein neues, hochinteressantes Kulturbild dreier Jahrhunderte, als eine wertvolle und willkommene Morgengabe der Litteratur in das neue zwanzigste Jahrhundert eintreten. Das Werk erscheint in zwei Hälften zum Ladenpreise von je 3 Mk. für das geheftete Exemplar. Die zweite Hälfte wird der ersten bald Nachfolgen.

Rösselsprung.

(Nachdruck verboten.)

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Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: gebet Hagebutte Arabien Marienburg Padua; Champagner.

BsMtisit; G. «ttrkherdt. Bruck und Verlag der Brühl'schen Umversitits-Buch- und Steindrucker« (Pietsch Erden) in Gieße«.