Die Jugend triumphierte wieder einmal über das bedächtige Alter.
Und es war, als ob der leibhaftige Teufel in den verbummelten Maler gefahren wäre, welcher den ersten Auftrag monatelang verzottelte. Er kam selbst in das Geschäft, eignete sich in kurzer Zeit die nötigen Fachkenntnisse an, brachte unermüdlich neues von auserlesenem Geschmack, machte Vorschläge zu Verbesserungen und Erweiterungen, schritt von dem Einfachsten zu dem Verwickelsten vor, studierte die Arbeiten des Auslandes, der alten Meister des Gewerbes, kurz, machte sich unentbehrlich.
Der Alte, welcher nicht mehr Schritt halten konnte, übergab seinem Sohn Franz, dem Entdecker des Holaus', das Geschäft mit dem wohlmeinenden Rat, den Maler unter den günstigsten Bedingungen als Teilhaber aufzunehmen, um sich diese Kraft für immer zu sichern.
Franz befolgte mit Freuden den väterlichen Rat, und nun begann zwischen beiden ein edler Wettstreit in dem Bestreben, es vorwärts zu bringen.
Franz war der Kaufmann, Holaus der künstlerisch Schaffende.
Hatte er früher ein Vorurteil gegen dieses Herabsteigen zum Gewerbe, so sagte ihm nach der eigentümlichen Gewaltkur, die er durchgemacht, dieses Schaffen auf reeller Grunde läge, dieses handfeste Zugreifen mehr zu, als das Phantastisch-- Geniale der reinen Kunst, in der er das Höchste doch nicht erreichen konnte.
Dabei begriff er immer mehr, welch reiches Feld vor ihm liege, welch edle Frucht darauf zu zeitigen war.
(Fortsetzung folgt.)
Die Zigarette.
Von Fred Hood.
------- (Nachdruck verboten.)
Die Zigarette, eines jener kleinen Genußmittel, die infolge grenzenlosen Mißbrauches von thörichten Menschen ihrer Harmlosigkeit beraubt sind, verdankt ihre Entstehung einer wohlberechtigten Spekulation. Es gilt, gewisse Tabake verschiedenen Ursprungs, deren Blätter für die Verarbeitung zu Zigarren nicht geeignet sind, in eine zigarrenartige Form zu bringen, um sie in der so beliebten Gestalt des „Glimmstengels" genießen zu können. Warum sollte man auch diese feingeschnittenen Tabake, die nicht mit Deckblättern des eigenen Materials zusammengehalten werden können, nur den Pfeifenrauchern zugänglich machen? Man verfiel nun auf die unglückselige Papierhülse, welche beim Rauchen mitverbrennt, aber auch leider mitgenossen wird. Nun, die Leute, welche die Zigarette nur als eine Art Lückenbüßer betrachten, wenn die Zeit zu knapp ist, um eine Zigarre oder eine Pfeife zu entzünden, auf dem Wege zum Besuch, zum Theater, zum Kolleg, die werden von einigen Blättchen brennenden Papiers nicht viel Schaden nehmen. Aber wer all die theerigen und brenzlichen Produkte, die das glimmende Papier entwickelt, tag täglich in größeren Portionen zu sich nimmt, der darf nicht erwarten, daß der Organismus diese mit Dank annimmt. Indessen die Massenraucher find da, und die Industrie muß mit ihnen rechnen/ sie thut dies sogar in möglichst humaner Weise, indem sie bestrebt ist, ein besonders feines und reines Zigarettenpapier zu liefern, das möglichst wenig schädliche Produkte enthält. Das beste Zigarettenpapier liefert Frank reich, wo es aus sehr feinen und gar sorgfältig gereinigten Leinwandlumpen erzeugt wird.
Die Mode des Zigarettenrauchens kam bei uns in den Vierziger Jahren auf, indem man den Tabak für den Bedarf selbst freihändig in das bereit gehaltene Blättchen Seidenpapier wickelte. Viele sehen ja heute noch in dem selbstbereiteten Fabrikat den höchsten Genuß. Allmählich folgten Erfindungen einfacher Vorrichtungen zum Rollen von Zigaretten. Man begann dieselben auf Vorrat zu arbeiten und schließlich
ging man, nach hinlänglicher Vervollkommnung der Apparate und Maschinen, von der Handarbeit zum großen Fabrikbetrieb über.
Die Zigarettenmaschinen — meist sehr sinnreiche Konstruktionen — sehen sehr kompliziert aus, doch wird uns versichert, daß dieselben sich fast sämtlich höchst einfach und ohne Anstrengung handhaben lassen. Eine besonders leistungsfähige englische Maschine arbeitet z. B. in folgender Weise: Das Rohmaterial — d. h. der Tabak und das Papier wird an einer Seite in die Maschine gethan, und die fertigen Zigaretten kommen auf der anderen Seite heraus. Der Tabak wird in eine Art Trichter geworfen, aus welchem er, sobald der Mechanismus in Bewegung gesetzt ist, mittelst Rädern, die mit kleinen Messtngstiften besetzt sind, heruntergezogen und in loser Beschaffenheit vorwärts getrieben wird. Das Papier gelangt in Form eines dünnen weißen Bandes, das um eine Rolle gewickelt ist, in die Maschine und weist gerade die sür eine bestimmte Zigarettenstärke erforderliche Breite auf. Sobald die Maschine in Betrieb gesetzt ist, bewegt sich ein dünner Strom lockeren Tabaks in einem sich mehr und mehr verengenden Kanal vorwärts, bis das duftende Kraut zwischen zwei Metallräder gepreßt wird, deren äußerer Rand mit einer dem halben Querschnitt der Zigarette entsprechenden Höhlung versehen ist. Die Radreifen laufen gegeneinander und die Höhlung in denselben bildet zusammen den vollen Querschnitt der Zigarette. Natürlich wird durch eine Vorrichtung der Maschine die Tabakmenge derart bemessen, daß sie die Oeffnung zwischen diesen Rädern gerade so weit füllt, um den nötigen Druck zur Bildung der Zigarettenform zu erhalten. Der Tabak läuft zwischen diesen Rädern wie ein schwaches braunes Seil hindurch und trifft auf der anderen Seite mit dem Streifen Papier zusammen, welcher sich von der Rolle abwindet. Das Papierband gelangt flach unter den heraustretenden Tabak, um sich nun, diesen ausnehmend, vorwärts zu bewegen. Soll eine gedruckte Aufschrift auf der Zigarette erscheinen, so ist die Maschine auch dafür eingerichtet, und die Aufschrift wird automatisch in geeigneten Zwischenräumen auf der Unterseite des Papiers erzeugt. Der Mechanismus besorgt diesen Druck als einen Teil seines Tagewerkes, sobald das Papier die Spule verläßt.
Das schmale Papierband mit dem runden Tabaksseil durchläuft nun die ganze Maschine von einem Ende zum anderen — das ist eine Entfernung von etwa 8 bis 10 Fuß. Während dieser Bewegung biegt der Mechanismus allmählich die Kanten des Papiers über den Tabaksstreifen, bis sie fast zusammentreffen. Wenn das Papier diesen nahezu umschließt, berührt einer seiner äußeren Ränder beim Vorüberstretfen eine kleine mit einem Klebstoff versehene Walze, welche dem Papier ein wenig von diesem Klebstoff mitteilt und es weitergehen läßt. Dieser Rand legt sich nun flach auf den Tabak, und die andere Kante kommt schnell herab und klebt an der ersteren fest, und die Zigarette ist fertig. Dann wird sie schnell, und zwar gleichfalls automatisch, von dem Strange abgeschnitten und gleitet eine Rinne hinab in einem zum Auffangen derselben bestimmten Aufnahmebehälter.
Es giebt jedoch auch Maschinen, welche keines Klebestoffes bedürfen und höchst sinnreich die beiden Kanten durch bloßes Falten und Pressen zusammenfügten. Hierdurch wird natürlich jeder nachteilige Einfluß, den Gummi oder eine ähnliche Substanz auf den Geruch oder Geschmack des Tabaks ausüben könnte, vermieden.
Die Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit mancher Zigarettenmaschinen muß als geradezu fabelhaft bezeichnet werden. So laufen z. B. aus der „Baron"-Maschine 240 bis 400 Zigaretten pro Minute, klar weiß und völlig gerundet, in vollkommener Form und mit gleichmäßiger Füllung die kleine Auslauf-Rinne am Ende hinab. Aber wieviel Zeit und Mühe erforderte es, um die Maschinen bis zu diesem Grade zu vervollkommnen! Zuerst war keine dieser Erfindungen voll und ganz brauchbar. Der Tabak war ungleichmäßig verteilt, und der Klebstoff reichte nicht aus. Manchmal ver-


