Ausgabe 
21.11.1899
 
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MM ör' mein Gebot: o taffe vom Brot, JE*®" Das du gespeist, auf dem Tisch einen Bissen! ^P'1' Vielleicht mit dem Reste hast du der Not, Dem Tod ein hungerndes Kind entrissen!

Laß einen Zug vom Tranke im Krug, Den sonst dn verschüttest, den Boden zu netzen!

Vielleicht ist die Neige gerade genug, Eines Verschmachtenden Lippe zu letzen!

E. Claar.

Nachdruck verboten.

Pygmalion.

Novelle von Anton Frhr. von Perfall.

(Fortsetzung.)

Wachtmeister Opel vergaß den Dienst und trat schmunzend näher.

Das freut mich, Frau Geiger, daß Sie die Sache so aufnehmen. Wie ich sehe," er wies auf die Uniformstücke in Holaus' Arm,war der Herr Gemahl selbst Soldat."

Und ob er Soldat war,- durch und durch! Ja, mein guter Geiger, war das ein Mann. Und hat so früh sterben müssen in den besten Jahren ja, das war was! schon hart."

Während fie sprach, war sie in beständiger Thätigkeit, bald am Herd, bald bei der Kleinen, und alles stand ihr so trefflich an in des Wachtmeisters Augen, die sich nicht mehr von der drallen Frau wandten.

Und wie lange ist's schon her, daß der Herr Feldwebel das Zeitliche gesegnet?" sagte Opel, seinen schon etwas er­grauten Schnurrbart drehend, während Frau Geiger eben abgewendet stand.

Auf Weihnachten wird es sechs Jahre. Denken's nur an, keine 35 Jahre war ich alt."

Oh, das seh ich, Frau Geiger, das seh' ich, Sie haben sich trotz allem Kummer ausgezeichnet erhalten und haben sich wirklich nicht mehr entschließen können wieder zu heiraten?" fragte Opel, seinen Säbelgurt rückend.

Wenn mich keiner mag."

Frau Geiger lachte, während sie das Feuer schürte.

Oh, was das betrifft"

Opel bekam einen Hustenanfall.

Nun ja, wissen's, ein' jeden wenn man ein' Geiger gehabt hat"

Einen braven Soldaten" ergänzte Opel.

Da wird man ein bisl heiklig," meinte Frau Geiger.

Aber schaun's nur gerad' den lieben Schnak"

Sie kniete vor der kleinen Marie, welche auf dem Sofa die warme Decke sich vom Leibe strampelte und mit der guten Frau liebäugelte, als habe Sie von jeher dagelegen und nie eine Mutter im kalten, häßlichen Strome verloren.

Große Kinderfreundin, Frau Geiger?" sagte Opel. Das gefällt mir von einer Frau. Bin's auch, und wie! Zum Anbeißen das Mäd'l."

Das gefällt mir von einem Mann!" meinte Frau Geiger, den stattlichen Wachtmeister sich jetzt erst genau an­sehend.

Der wurde ganz verlegen unter dem forschenden Blicke der schwarzen Augen. Er erinnerte sich plötzlich seiner Dienstpflicht und holte sein Schreibbuch hervor.

Frau, wenn ich um Ihren Vornamen bitten darf. Es ist nur wegen der Formalität."

Theres', Rest hat der Geiger mich immer genannt." Feldwebelswitwe, nicht wahr?"

Ja, grab' ein Jahr vor sein'm Tod ist er Feldwebel worden."

Herr Holaus wohnt bei Ihnen, seit ?"

Oh, mein Gott, zwei Jahre wird'S bald. Hat schon sein Not mit dem Menschen, aber brav ist er doch. A gut's Herz hat er, und das ist die Hauptfach'."

Maler, nicht wahr?"

Ja, das ist ja das Kreuz, mit der Malerei. Alles malt ja heutzutage. Ich sag' Ihnen, Herr Wachtmeister, verbieten soll man's den Herren, die ewige Batzerei, mit der man sich keine Brennsuppen aufschmalzen kann."

Ganz meine Ansicht, Frau Geiger, aber wie will denn der Mensch das Kind"

Das Kind ist vor der Hand mein' Sach', lassen Sie's voch erst recht trocken werden," erwiderte energisch die Frau.

Oh, wenn Sie sich daran machen, Frau Geiger. Der Dienst ruft mich."

Bet dem Wetter! Na, das muß was Arges sein. Aber warten's nur einen Augenblick"

Sie lief an einen Schrank und holte ein Fläschchen heraus.

Ein Glas'l voll müssen's doch noch mitnehmen Selbstangesetzter! Wär' nit Übel, hat der Geiger immer ff'sagt."