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Dr. W. Saenger in Magdeburg anstellte, haben nun die Frage nach dem Werte des Gurgelns geklärt. Er stellte seine Versuche sozusagen nach dem umgekehrten Verfahren an. Er umwickelte das Ende einer Sonde mit einem Wattebausch, tauchte diesen in Wasser und hernach in eine stark färbende Flüssigkeit, das Metylenblau, und betupfte damit beide Mandeln eines Kranken, der an Halsentzündung erkrankt war. Im Anschluß hieran ließ er mit reinem Wasser gurgeln. Bespülte die Gurgelflüssigkeit auch die beiden Mandeln, dann mußte sie von dem Metylenblau stark blau gefärbt werden; denn die gleiche Menge Farbstoff genügte, um einem Weinglase Wasser, also weit mehr, als beim Gurgeln in den Mund genommen wird, nach kurzem Umrühren eine tiefblaue Färbung mitzuteilen. Das Ergebnis war, daß die Gurgelflüssigkeit klar abfloß und daß auch in der Mundhöhle keine Blaufärbung sich fand, während die Mandeln und auch die Hinterwand des Rachens sehr stark gefärbt waren. Die Gurgelflüssigkeit konnte also nicht bis zu den Mandeln gelangt sein. Unter Umständen können ja, wie schon bemerkt, „Spritzer" auf die hintere Rachenwand gelangen, auch wohl kaum manchmal etwas Gurgelflüssigkeit, zumal wir mit nach hinten gelegenem Kopfe gurgeln, in den Rachen hinabfließen; die Regel jedoch ist, daß beim regelrechten Gurgeln weder die Mandeln, viel weniger die hintere Rachenwand benetzt werden. Doch wird es immerhin vereinzelte Personen geben, welche so zu gurgeln verstehen, daß die Gurgelflüssigkeit wirklich, nicht blos scheinbar, die rückwärts von den Gaumenbögen gelegenen Teile bespült, aber das sind Ausnahmefälle. Jedenfalls ist es ein Kunststück, das für viele schwer zu erlernen sein mag, das jedoch, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, erlernt werden kann; man vermag die Gurgelflüssigkeit dann sogar bis in den Kehlkopf fließen zu lassen, ohne daß — wegen der Gewöhnung — jener heftige Hustenreiz auftritt, der ja für den „unrechten Hals" bezeichnend ist. Wer mit einer völlig unschädlichen Flüssigkeit gurgelt, thut gut, während des Gurgelns einige Schluck davon zu verschlucken; hält er sich beim Schlucken dann noch die Nase zu, so wird er fühlen, daß öfter Spuren der Gurgelflüssigkeit bis in den Hinteren Nasenrachenraum dringen, zumal wenn der Kopf schnell vornüber gebeugt wird. Diese Weise des Gurgelns empfiehlt sich, weil dadurch fast alle Teile des Rachens mit der Gurgelflüssigkeit bespült werden. Dr. Saenger will an die Stelle des Gurgelns das Auftupfen der Flüssigkeit mit einem Wattetupfer treten lassen. Solche Wattetupfer lassen sich ja leicht Herstellen, und nach seiner Erfahrung lernen die Angehörigen der Kranken auch leicht das Verfahren. Jedenfalls wird auf diese Weise eine sichere und viel innigere Berührung des Heilmittels mit der erkrankten Schleimhaut erreicht, als durch das Gurgeln.
Gemeinnütziges.
Beseitigung von Stockflecken aus Papier. Um fleckige Kupfer- und Stahlstiche wieder wie neu herzustellen, verfährt man nach der „Leipz. Ztg." auf folgende Weise: In ein halbes Liter Wasser gibt man 30 Granim pulverisiertes phosphorsaures Natron und bringt das Wasser zum Sieden; hierauf gießt man dasselbe in eine flache Schale, die zur Aufnahme des zu reinigenden Stiches bestimmt ist, und legt letzteren hinein. Je nach dem jeweiligen Zustande des Stiches nun läßt man diesen einige Stunden, wenn nötig auch einen bis zwei Tage, in dieser Lösung liegen, spült ihn dann mit ganz reinem Wasser vorsichtig nach und hängt ihn zum Trocknen auf, oder man legt ihn auch auf reines Fließpapier zum Trockenwerden. Das Papier wird dadurch nicht im geringsten angegriffen, es erscheint nach Lieser Prozedur vollständig gereinigt; das Vergilbte, sowie Lie häßlichen Stockflecke verschwinden davon vollständig.
Da die Lösung geruchlos ist und eine überraschende Wirkung hat, so sei das Verfahren jedem anderen vorzuziehen.
Ziergarten und Alumeupflege.
Die Ueberwiuterung der Pelargonie« in Käste» kann dann geschehen, wenn man dabei die größte Vorsicht anwendet, da sonst Frost und große Feuchtigkeit bei der so oft notwendigen Lnftentziehung den ganzen Pflanzenbestand zerstören würde. Auf alle Fälle muß man den Mistbeet- kästen auch von der Außenseite mit einer breiten und hohen Schicht Pferdedung umgeben. Bei stärkerem Froste muß der Kasten sowohl durch gut verschließbare Fenster als auch durch Läden, doppelte Strohdecken und eine Laubschicht zugedeckt werden. Bei milderem Wetter müssen die Fenster gegen die Mittagszeit abgehoben werden, aber noch vor dem Eintritt des Frostes ist das Schließen der Kästen wieder vorzunehmen. Jedenfalls ist es unbedingt notwendig, schon jetzt mit dem Begießen der Pflanzen aufzuhören und sie an kalte Luft zu gewöhnen, damit das Holz ausreift und sie sich abhärten. Fuchsten können in gleicher Weise überwintert werden, sie sind etwas weniger empfindlich.
Beim Niederlege« der Rosenstämme müssen wir uns daran gewöhnen, stets dieselbe Richtung der Rose zu geben. Wir vermeiden so am besten den Bruch. Ueber die mit Haken am Boden festgehaltenen Kronen legen wir ein Dächlein aus Brettern, über welches bei strenger Kälte Laub rc. gedeckt wird. Ist dieselbe sehr streng, dann ist eS gut, auch den Stamm durch Einbinden zu schützen. Die Spaliere von Rosen, welche Kulturmethode noch viel zu selten in den Gärten gefunden wird, werden, wenn die dazu verwendeten Arten nicht durchaus winterhart sind, mit Fichtenzweigen bedeckt.
Petunie» lassen sich wohl überwintern, doch lohnt die Ueberwinterung nicht, weil die Pflanzen sich nur im ersten Jahre üppig zu entwickeln pflegen. Aehnlich verhält es sich mit der Cobäa. Will man diese Pflanze doch überwintern, so muß es in einer kühlen, aber frostfreien Stube bet Hellem Standort geschehen.
Iür die Küche.
Küchenzettel. Montag: Pökelzunge mit Grünkohl. Dienstag: Königsberger Klops mit Reffklößen. Mittwoch: Rindfleisch mit Reis. Donnerstag: Kalbsgekröse. Freitag: Weinsuppe, Semmelpfanne mit Birnen. Sonnabend: Rindfleisch mit Reis. Sonntag: Suppe mit Flocken, Kalbsbraten mit Selleriesalat und Backobst.
Ein altes wahres Wort sagt, daß Probieren über Studieren geht, und dieses Wort läßt sich ganz besonders in der Hauswirtschaft anwenden. Täglich fast erscheinen Neuerungen auf dem Gebiete der Küche, welche Erleichterung und Verbesserung bedeuten, aber immer nur ist es eine im allgemeinen kleine Anzahl von Frauen, die sofort diese Erleichterung in ihrer Küche und Haushaltung einsührt, bei vielen dauert es eine geraume Zeit, ehe sie einen Versuch machen. Eine immer hervorragendere Bedeutung gewinnt die Maggi-Würze, die mit bestem Erfolge hier eingeführt und in unzähligen Küchen unentbehrlich geworden ist. Sie will nichts weiter sein als eine Würze, kann aber in der That als „Königin der Würzen" bezeichnet werden. Vorzüglich bewährt sie sich zur Herstellung guter Suppen und Saucen. Ein Zusatz von Maggi macht eine dünne Fleischbrühe sofort kräftig, verleiht einer faden Sauce einen pikanten, aromatischen Geschmack. Wenn man Gemüse ohne Zusatz von Fleisch, nur n Wasser mit etwas Butter kocht, erhalten dieselben den ehlenden würzigen Geschmack, wenn man beim Anrichten einige Tropfen Maggi zusetzt. Ganz besonders vorzüglich ist Maggi an allen Salaten, Remouladen- und Mayonnaisen- aucen; das feine Aroma, welches die Würze denselben verleiht, wird durch nichts anderes ersetzt. Gleich köstlich ist die Würze an allen Suppen, besonders Wurzel-, Kräuter- und Hülsefrüchtesuppen. In vielen großen Küchen, in den


