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der Archivthüre glücklich überwunden hatte, ganz allein in dem wunderlichen Raume. Vorsichtig öffnete sie den Schrank und betrachtete zuerst die sonderbaren Gefäße, Münzen und sonstigen Raritäten, die sorgfältig geordnet waren, mit einer gewiffen Scheu von ferne, dann holte sie mit einiger Mühe den Folianten aus dem untersten Fach und sah sich nach einem Sitzplatz um. Der Bücherstoß neben dem alten Gylfen- bilde bot ihn ganz vortrefflich, und nachdem sie ein Fenster geöffnet, ließ sie sich darauf nieder.

Von Zeit zu Zeit flog ein Frühlingshauch herein und strich über ihre sich vor Eifer nach und nach rötenden Wangen.

Erich Gylfen war Anfang des sechzehnten Jahrhunderts aus dem Norden eingewandert und wählte sich hier seinen Wohnsttz. Er kaufte zuerst das verlassene und, wie Renata schon durch Wolfram erfahren, von einer Feuersbrunst zer­störte Kloster mit etwas Acker an und baute es nach Ge­fallen zu einem bequemen Wohnhaus aus.

Nach und nach erwarb er immer mehr Land dazu und betrieb eifrig Ackerwirtschaft, wobei ihn sein jüngerer Sohn unterstützte, während der ältere Mönch wurde. Von letzterem rührten wohl die ersten Aufzeichnungen her.

Der Erbe führte eine reiche Hausfrau heim, und der Wohlstand blühte überall.

All' dieser Reichtum fiel nun an einen einzigen Sohn, der von fünf Kindern übrig geblieben, und auch er wußte ihn gut zu vermehren.

Manches wurde kurz berichtet, anderes sehr ausführlich mit wundersamen Geschichten verflochten.

Einmal hatte sich sogar eine gelehrte Ghlfin in Auf­zeichnungen versucht, aber sie waren recht langweilig, wie es Renaten vorkam.

Auch konnte sie sich zuweilen in der wunderlichen Schreibweise und verschnörkelten Schrift nicht gleich zurecht­finden.

Sie lehnte etwas ermüdet ihren Kopf an die Stein- j mauer und schloß die Augen.

I heraufkämen, und dann glaubte ich, ich hätte es über­hört, bis"

Bis Sie den Schlüssel zu lange vermißten," unterbrach Renata, etwas verlegen lächelnd, sein liebenswürdiges Schelte«.

O nein, aber ich gab mich der Befürchtung hin, daß Sie wohl gar hier vertieft säßen und sich tüchtig in dem kalten Raume erkälten würden. Sie werden selbst am besten merken, wie wenig ich mich täuschte." Er lächelte und trat von der Thüre zurück, ihr den Ausgang freigebend. Sie ging schnell an ihm vorüber, und er hatte den Gedanken, wie ihre Erscheinung so selbstverständlich zu der Umgebung hier unten paßte. Er schloß die Thüre und gab ihr den Schlüffe!.

Uebergeben Sie ihn mir so ohne jede Sorge auf länger?"

Gewiß, so lange Sie ihn brauchen, nur wünsche ich dringend, daß Sie sich nicht wieder so lange hier unten auf­halten, denn es könnten doch Tage kommen, wo ich nicht zu Hause bin, und wer soll Sie dann erlösen, im Falle das Schloß wieder so eigensinnig ist?"

Hatte wirklich niemand weiter an sie gedacht wie er? Warum war er so gütig gegen sie? Ein wohlthuendes Gefühl bewegte ihr Herz, und warm hob sich ihr Blick zu ihm:Ich danke Ihnen, Herr Professor, ich ahnte gar nicht, daß Sie so freundlich meiner gedenken." Er sprach kein Wort und schritt an ihrer Seite die Treppe hinauf.

Frida hatte sich beim Briefschreiben so vertieft, daß sie weder an den Besuch bet Anna Burghoff noch an Renata gedacht hatte.

Am anderen Tage sagte sie zu ihr:Aber Renata, du hast ja Onkel Gottfried den Schlüssel nicht gegeben, er liegt noch in deinem Zimmer."

Wie erstaunt war sie aber, als Renata ihr von des Professors Erlaubnis erzählte.

Da muß er dich sehr in sein Herz geschloffen haben, so etwas ist noch nicht dagewesen."

Meinst du?" fragte Renata erfreut,darauf würde ich sehr stolz sein."

(Fortsetzung folgt.)

Ein traumhafter Zustand kam über sie: und ihr war, als träte der alte Erich Gylfen aus seinem Rahmen heraus und spazierte in seiner ehemaligen Kapelle mit zürnendem Antlitz herum, ihr dabei die geballte Hand entgegenhaltend. . ,, , r t Ä

Sein Gesicht sah bald dem Konsul, bald dessen Enkel gleich. I Welche» Welt hat düs GUkgel»?

Eine beklemmende Angst legte sich auf ihre Brust, und sie Der Wert dieses altehrwürdigen Heilverfahrens, das wollte schreien, da weckte sie ein dumpfer Krach, und sie fuhr I sich von jeher bei Laien wie bei Aerzten einer großen Be- versiort aus. I liebtheit erfreut hat, wird neuerdings auf Grund genauerer

alkte? nn? toSLTfl, Cn TV? fin $er?ud,c ftarf angezweifelt. Die Frage, ob das Gurgeln

f $ bMte' aufzuheben, horte sie I em zweckmäßiges Heilverfahren ist, hat eine außerordentlich entfernt eine Uhr schlagen. praktische Tragweite, denn man vertraut seiner Wirkung

. Sie blickte erst ganz bedenklich den alten Gylfen an, I selbst bei schweren Erkrankungen, z. B. bei der Rachen- vh? V Elchen schrecken eingejagt, dann zog sie ihre kleine I bräune u. s. w. Ein Einwand, den verschiedene AerUe Uhr hervor. Sie hatte sich wirklich einige Stunden hier I auf Grund sorgfältiger eigener Beobachtungen gegen den aufgehalten und nun dachte sie daran, daß Frida mit ihr zu Wert des Gurgelns erhoben haben, ist, daß die Gurgelflüssig-

T 2lnfna.iU bÄen; r keit mit der Rachenschleimhaut gar nicht in Berührung

.. Sie legte die Folianten auf einen Bücherstoß und ging, komme. Dies ließ sich-scheinbar leicht durch Gurgeln mst

merkte sie aber zu ihrem Schrecken, gefärbter Flüssigkeit feststellen. Soweit die Schleimhaut

daß sie sich selbst zur Gefangenen gemacht. Unbedacht hatte I des Mundes und des Rachenraums dann gefärbt ist, so-

l>as alte Schloß einschnappen lassen, und den verrosteten I weit muß auch die Gurgelflüssigkeit gedrungen sein, und

Schnepper zurückzuziehen ging über ihre Kräfte. man könnte darnach sehr gut beurteilen, ob Krankheits-

Sie trat an das Fenster und rief, denn vielleicht war Vorgänge im Munde und Rachen, z. B. belegte Mandeln,

jemand im Garten, aber vergebens, es regte sich nichts. noch in dem Wirkungsbereiche der Gurgelflüssigkeit sich be-

® £, ^lte/ moderige Luft verursachte ihr einen Schauer, I finden. Auf diese Weise sah man in der That oftmals die

und dst Totenstille fing an, ihr unheimlich zu werden. Erneute I Mandeln, ja auch noch die Hintere Rachenwand mit der Versuche, das Schloß zu öffnen, waren ebenso fruchtlos wie Flüssigkeit gefärbt. Indes hierbei konnte fchon eine f Tk*? drinnen bleiben mußte viel- I Täuschung mit unterlaufen; die Hinterwand war wohl qe-

leicht die Nacht? Der Gedanke war doch unbehaglich, dazu färbt, war sie damit aber auch thatsächlich von der Flüssiq- fiel ihr Fridas Bemerkung ein, daß der alte Gylfen umgehe, keit bespült worden? Berechtigte Zweifel erweckte schon die seine Augen blickten schon ganz gespenstisch dort von der I Beobachtung, daß manchmal die Hinterwand des Rachens ^anb Mg eine Thüre und rasche Schritte kamen I allerdings gefärbt war, nicht aber waren es die Mandeln.

^erab<. "aherten sich der Thüre und ehe I Eine Erklärung hierfür war nur so zu geben, daß beim Renate rufen konnte, wurde riese geöffnet:Dacht ich's doch, I Gurgeln einigeSpritzer" der Gurgelslüssiakeit nach hinten ®e 9 Sr<Ä ber Professor und drohte schossen und so die Färbung hervorbrachten. Genauere mit dem Finger,erst habe ich gewartet, daß Sie wieder Versuche, die nach derTägl. Rundschau" neuerdings