Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. D i t f u r t h.

(Fortsetzung.)

IX.

Die Osterfesttage waren still vorübergegangen, die Krank­heit des Konsuls dämpfte die lebhaftere Fröhlichkeit, obgleich er sich schneller erholte, als man anfangs zu hoffen gewagt.

Frau Charlotte mußte viel bei ihm sein, und es war gewiß kein leichtes Amt, wenn sie es auch schon mit jahre­langer Geduld geübt.

Wie gern hätte ihr Renata beigestanden, aber sie wagte nicht, sich anzubteten.

Das junge Mädchen war öfter allein,- Frida war der Leidenschaft des Briefschreibens ergeben und übte diese Kunst nach Kräften, und Renaten fiel es nicht ein, dies übel zu nehmen.

Max hatte während der Festtage einen Bekannten auf dem Lande besucht und sollte morgen zurückkehreu.

Es war eine stille Stunde nach Tische, und Renata saß allein im Wohnzimmer. Da fiel ihr die Ghlfen'sche Chronik ein. Ihr Jntereffe dafür war in letzter Zeit noch erhöht worden, und die Tage, die sie noch in diesem Hause zubringen durfte, neigten sich ihrem Ende zu.

Sie mußte den Schlüffel vom Profeffor erbitten und erhob sich sofort, ihren Vorsatz auszuführen.

Etwas bedenklich zögerte sie aber doch vor seiner Thüre - sie störte ihn vielleicht. Nun dachte sie aber daran, wie gütig und freundlich er immer gegen sie gewesen, und so klopfte sie leise, aber sicher an.

Auf zweimaliges Klopfen ertönte kein Herein, und so öffnete sie, auf das Vertiestsein des Gelehrten rechnend, behutsam die Thüre.

Der Profeffor saß in dem breiten, tiefen Fensterbogen,

1899.

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er Gedanke des Vaterlandes ist die Seele aller gesunden Kultur, arbeit. Joh. Scherr.

Blond der Haare, Blau der Augen

Macht den Deutschen, wie es heißt;

Besser zu Wahrzeichen taugen Deutsches Herz und deutscher Geist.

Joh. Scherr.

der den Blick in den Garten gewährte, an seinem, diesen Platz ausfüllenden Schreibtisch- doch er schrieb weder, noch las er.

Er hatte die untergeschlagenen Arme auf den Rand des Tisches gelegt und den Kopf etwas geneigt, starrte er über das ausgeschlagene Buch in tiefen Gedanken hinweg.

Der unverhoffte Besuch trat etwas geräuschvoller näher, und das veranlaßte ihn endlich, aufzubltcken. Mit einem Ruck war er aufgesprungen und sah Renata einen Augenblick wie eine Erscheinung aus anderen Welten an.

O, Herr Profeffor, ich habe Sie sehr gestört," begann sie unsicher und blickte betreten zu ihm hinüber.

Der Angeredete strich jetzt das dichte Haar aus der Stirn, auf der eine ungewöhnliche Röte lag.

Sie kommen zu mir, Fräulein Renata? Was wünschen Sie, bitte, sagen Sie es mir," redete er eigentümlich hastig, und seine träumerischen Augen irrten dabet so sonderbar über ihr Gesicht, daß sie unwillkürlich die ihren wandte und nun entschloffen, wenn auch etwas schüchtern, ihr Anliegen vor­brachte.

Er trat schnell an ein einfaches Wandschränkchen und holte den gewünschten Schlüssel heraus, um ihn Renaten zu übergeben.

Diese hatte ihren Gleichmut längst wieder gewonnen und lächelte.

Aber, Herr Profeffor, Sie liefern ja nun Ihre Heilig­tümer ohne weiteres in meine Hände, wenn ich nun etwas zerbreche?"

Sie hob ihre Augen zu ihm auf und sah in sein eigen- thümlich belebtes Gesicht, über das ein Widerschein ihres Lächelns glitt.

Sie wissen, daß ich in jeder Beziehung ein gutes Ver­trauen in Sie setze, und sollte Ihnen etwas zerbrechen, so seien Sie sicher, daß ich nicht so schlimm bin, wie mich meine Nichte immer darstellt."

Ich werde sehr vorsichtig sein, Herr Professor," sagte Renata,ich habe es ja auch nur auf die bewußte Chronik abgesehen- nicht wahr, sie steht in dem Schranke rechts ganz unten?"

Gewiß," wiederholte er,ich darf Ihnen vielleicht behilflich sein?"

Ich danke sehr, Herr Professor, ich habe Sie schon genug in Anspruch genommen," rief sie beim Hinauseilen.

Er blickte ihr einen Moment nach, dann schloß er sachte die Thüre.

Renata stand nun, nachdem sie das schwierige Aufschließen