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Homann die Aktien hinreichend. „Aber sei vorsichtig. Nicht etwa in Berlin".
„Na, so dumm!" lachte Homann. „Ich reise noch heute ab".
„Besser wär's schon, Du wärest jetzt gar nicht hergekommen. Die Polizei sucht noch immer eifrig nach dem famosen Mieter in der Friedrichstraße".
„Oho! Wer mich fangen will, der muß früh aufstehen. Na, leb' wohl, altes Haus!"
Er wollte sich entfernen. Corbus hielt ihn zurück.
„Höre, man kann bet aller Vorsicht Pech haben", sagte er mit verlegenem Gesicht. „Wenn Dir etwas passierte —"
Homann lachte laut auf. „Hast doch Angst, ich könnte dann pfeifen", sagte er. „Höre, man sucht keinen hinter dem Busch, man hätte denn selber dahinter gesteckt. Ich bin ein Kerl, der Ehre im Leibe hat und bringe keinen Freund ins Schlamassel- es müßte mir ganz niederträchtig mitge- spielt werden, wenn ich dergleichen thun sollte.
„Na, leb' wohl, Alter, auf Wiedersehen!" Er hielt seinem Gefährten die Hand hin, in welche dieser nach unmerklichem Zögern die seinige legte, und ging.
Dr. Corbus schaute ihm mit gemischten Empfindungen nach.
XII.
„Liebe Eugenie, so leid es mir thut, Dich beunruhigen zu müssen, kann ich gegen Dich über ebenso unangenehme, wie rätselhafte Vorgänge in unserem Hause doch nicht länger schweigen" sagte Kommerzienrat Helldorf, der mit ernster, umwölkter Miene in das Zimmer seiner Frau getreten war.
„Wie Du das sagst, Konstantin!" schrie fie auf. „Du erschreckst mich ja auf den Tod! Kann denn niemand auch nur die allergeringste Rücksicht auf mich nehmen!" Schon lehnte sie wieder bleich, zitternd, mit Thränen in den Augen in den Kissen ihres Stuhles.
„Nähme ich nicht so große Rücksicht auf Dich, würde ich eher gesprochen haben", erwiderte der Kommerzienrat, zu sehr erfüllt von dem, was er mitzuteilen hatte, als daß er dem Schwächezustand seiner Frau allzu große Aufmerksamkeit geschenkt hätte. „Aus dem Geheimfach in meinem Zimmer ist mir zweimal hintereinander eine namhafte Summe entwendet worden".
Voll Entsetzen fuhr sie auf und rief: „Aber Konstantin, was Du da sagst, ist ja ganz unmöglich! Du mußt Dich irren!"
„Das habe ich auch geglaubt, als ich die ersten 3000 Mark vermißte- heute sind 7000 auf dieselbe rätselhafte Weise verschwunden", entgegnete der Gatte. „Ich wollte Dich schonen und habe Dir von dem ersten Verlust nichts gesagt, da sich indes das unliebsame Ereignis im verstärkten Maße wiederholt hat —"
„Mußtest Du mich davon in Kenntnis setzen, das ist selbstverständlich!" fiel sie ein und zeigte sich jetzt merkwürdig gefaßt. „Du hättest es lieber schon beim erstenmale thun sollen".
„Vielleicht hast Du recht, es waren aber mancherlei Umstände dabei, welche die Sache verwickelter machten", antwortete er und erzählte ihr nun von dem Verdacht, den er gegen Adalbert gehabt, wie von der Lösung, welche die Angelegenheit gefunden, und nun geriet sie von neuem ganz außer sich. Mit gerungenen Händen im Zimmer auf und ablaufend, schluchzte sie:
„Mein armer, armer Adalbert! Gegen einen solchen Verdacht hast Du Dich verteidigen müssen! Wie abscheulich! Wie unwürdig! Wie konntest Du das thun?"
„Der Schein war allzu sehr gegen ihn. Ich war ja nur zu glücklich, als die Sache sich so günstig aufklärte", erwiderte der Kommerzienrat und wollte den Arm um ihre Schulter legen, um sie wieder zu ihrem Sitze zu führen, aber sie stieß ihn zurück und rief mit großer Bitterkeit:
„Es bedurfte erst des Zeugnisses Deines geliebten ältesten Sohnes, um Dich von der Unschuld des armen
Burschen zu überzeugen! Und zum Stiefbruder hat er in der Angst seines Herzens seine Zuflucht nehmen, ihm den Triumph gönnen müssen, den großmütigen Retter in der Not zu spielen!"
„Aber, Eugenie!" versuchte der Kommerzienrat dazwischen zu rufen. Sie hörte nicht auf ihn, sondern fuhr in steigender Erregung fort:
„Wenn Adalbert in Wucherhände geriet, wenn er sich vor seinem Bruder demütigen mußte, ja, wenn er auf die abschüssige Bahn, auf der ihn Dein liebevolles Vaterauge bereits zu sehen glaubte, geraten wäre, wessen Schuld würde das sein? Einzig und allein die Deine. Weshalb giebst Du ihm nicht, wie es sich gebührt? Weshalb bist Du so schäbig gegen ihn?
„Ich werde Dir eine Ausstellung der Summen, die Adalbert in dem letzten Jahre erhalten hat, • vorlegenbegann der Kommerzienrat, aber sie überschrie ihn:
„Ach, bleibe mir doch mit Deinen Krämerrechnungen fern, die haben keinen Wert für mich. Gegen Hans würdest Du so nicht handeln. Aber meine Kinder sind Dir nichts, das weiß ich schon lange!" Lauter weinend und mit allen Gliedern zuckend sank sie auf den nächsten Lehnstuhl. Ihr Gatte wußte aus Erfahrung, daß diesem Gebühren gegenüber jede vernünftige Vorstellung nutzlos sei und wartete deshalb ruhig bis sie sich ausgetobt hatte. Dann trat er ihr näher und sagte mild, aber ernst:
„Eugenie, Du hast unser Gespräch auf ein ganz anderes Gebiet hinübergespielt, es ist notwendig, daß wir zu seinen Anfängen zurückkehren. Hast Du eine Ahnung, wer das Geheimfach geplündert haben könnte?
„Wie kannst Du eine solche Frage an mich richten?" fuhr sie auf, und gelassen erwiderte er:
„Vier Menschen wissen um die Existenz des Geheimfaches: Du, ich und unsere beiden Söhne. Von diesen kann cs keiner gewesen sein, wer aber sonst?" —
„Ich weiß es nicht! Ich weiß es nicht! O, was verlangst Du von mir? Willst Du mich töten? Mein Kopf! Mein armer Kopf!" Das Tuch vor das Gesicht pressend, sank sie zurück. Jeder Versuch, mit ihr noch weiter über die Angelegenheit zu sprechen, erwies sich als vollständig vergeblich. Es blieb dem Kommerzienrat nichts übrig, als sie den Händen ihrer Jungfer zu übergeben und sich schleunig zu entfernen.
Er war gewohnt, seine Frau nach derartigen Auftritten den Tag über nicht wieder zu sehen zu bekommen und begab sich recht niedergeschlagen in sein Zimmer. Um so erstaunter war er, als sie ihn nach Verlauf von kaum zwei Stunden wieder zu sich entbieten ließ. Sie hatte jetzt ihre kleine Tochter bei sich im Zimmer und trug ein sehr ernstes, fast feierliches Wesen zur Schau.
„Setze Dich hier recht nahe zu mir, Konstantin", sagte sie halblaut und deutete mit der Hand auf einen dicht neben ihrem Ruhebette stehenden Sessel. „Ich habe Dir Dinge von höchster Wichtigkeit mitzuteilen, die darum mit der größten Vorsicht behandelt sein wollen".
Er folgte ihrem Wink, und sie fuhr in geheimnisvoller Weise fort: „Deine Mitteilung hat mich nicht ruhen und rasten lassen. Trotz der Schmerzen, von denen mein armer Kopf gefoltert ward, sann und sann ich doch, und — habe etwas gefunden!"
„Du hast gefunden!" rief er in seiner Ueberraschuag laut aus. Ihm die Hand auf den Arm legend, warnte sie:
„Leise, leise, ich fürchte, bei uns haben die Wände Ohren- beuge Dich noch näher zu mir!" Er that es, und sie fuhr fort: „Du sagtest, es wüßten vier um die Existenz des Geheimfaches. Wir haben nicht an eine fünfte Person gedacht".
„Wer?"
Sie winkte mit den Augen nach Hermine, die sie durch ein Bilderbuch, das fie ihr gegeben, zu beschäftigen gewußt hatte, und fuhr fort: „Weder Dir, noch mir ist im ersten


