Ausgabe 
21.1.1899
 
Einzelbild herunterladen

44

Gegen erfrorene Glieder. 10 Tramm Benzoe, 10 Gramm Storax, 10 Gramm Ochsenblut, 10 Gramm Alkohol. Die- alles wird mit einander vermengt und auf den Ofen gestellt, bis es flüssig ist, dann bestreiche man die Frost­stellen dreimal täglich: morgens, mittags und abends. Dieses Mittel ist ausgezeichnet; wenn man Frostbeulen auf den Händen hat, soll man alte dänische Handschuhe tragen.

*

Das Einfrieren -er Pumpbrunnen zn verhüten. Ein einfacher und sicheres Mittel zur Verhütung dieses Uebel- standeS besteht darin, die Brunncnröhre etwa 1 Meter unter dem Brunnenkranz anzubohren, damit das Wasser abfließen kann, und die Wassersäule in der Brunnenstube unter den Brunnenkranz zu stehen kommt. Zur besseren Sicherheit wird der Brunnendeckel mit etwas Laub und strohigem Dünger überdeckt/ das Einbinden der Brunnenröhre ist nicht er­forderlich. Bei diesem Mittel hat man allerdings einige Züge zu machen, bis das Wasser die Ausflußröhre erreicht. Beim Frühjahrseintritt wird eine Holzschraube in das Bohr­loch eingetrieben und bei Eintritt des Winters wieder heraus­gezogen.

«

Vergesset Vie hungernden Vöglein nicht! Leider wird dieser Mahnruf von vielen überhört. Andere wollen ihm nachkommen, verfehlen aber den richtigen Weg. Wir muffen das geeignete Futter an geeigneten Plätzen verteilen. Für die Meisen, Finken, kleinen Spechte, Baumläufer usw. bringe man etwa 2 Meter vom Boden entfernt ein mit vor­stehenden Leisten benageltes Brett im Geäste eines Baumes an und bestreue es mit Hanfkörnern, Rübsen, Kürbis- und Gurkenkernen, Küchenabfällen, Stückchen ungesalzenen Specks, Talg, Nußkernen usw. Für die Meisen hänge man auch Knochen mit Fleischresten und reife Sonnenblumen auf. Viel Vergnügen wird es den Kindern machen, wenn dann die Meisen erscheinen und fleißig daran picken. Noch schöner wird es, wenn man sich die kleine Mühe macht und eine etwas geöffnete Nuß vermittels eines Fadens frei an einen Zweig aufhängt. Ihre helle Freude werden die Kinder haben, wenn sich die Meise daran klammert, Nuß und Bogel frei in der Luft herumwirbeln, ohne daß beide zur Erde fallen und nun in den possierlichsten Stellungen der Kern ausge­pickt wird, wobei die Meise ihr lustiges ping, ping, hören läßt. Ist die Nußschale leer, so kann man etwas Fett oder Butter (aber ja nicht Stearin oder Paraffin) hineindrücken, was dann ebensogern ausgepickt wird. Gewiß wird sich manches Kind veranlaßt finden, ein bischen seiner freien Zeit den armen Vöglein zu widmen- erwirbt es sich doch das Verdienst, nicht allein ein barmherziges sondern auch ein nütz­liches Werk gethan zu haben. Eine solche Futterstelle kann man auch auf einem Fensterbrett errichten, wenn in der Nähe hohe Bäume sind. Ein Fichtenbäumchen oder ein paar Nadel­holzzweige an dem Brett befestigt, locken die Vögel an. Die Nor hat die kleinen Tierchen bereits sehr zahm gemacht, und eifrig suchen sie die Stellen auf, wo eine menschenfreundliche Hand ihnen Futter gestreut hat.

Das Ende -er Puppe. ImJournal des Dsbats" veröffentlicht Maurice Muret eine aktuelle Plauderei. Die Spielwarenhändler jammern, führt er aus, sie versichern mit betrübten Mienen, daß das Geschäft nicht mehr geht. Wie es scheint, verzichtet man heutzutage, dem kleinen Mädchen zu Weihnachten Puppen zu schenken. Die Puppe ist im Sterben, ja sie ist bereits gestorben. Es ist die Debacle der Puppe. Ein Pariser Modejournal hat über dies Thema einen Artikel voll philosophischer Ideen gebracht. Das Ende

der Puppe habe seinen tiefen Grund, heißt es, darin, und könne mit den heutigen Kulturzustäuden leicht erklärt werde». Das älteste der Spielzeuge ist im Begriffe, zu Grunde zu gehen als ein Opfer des Fortschrittes der Wissenschaften. Diese Behauptung, die im ersten Augenblicke paradox klingt, erweist sich als ganz plausibel. Früher schenkte man den kleinen Mädchen zur Weihnachtszeit unbekleidete Puppen. Der jungen Mutter" oblag die Sorge, Hemdchen zu fertigen, Kleider zu schneiden, Hüte zu bauen. Heute wird niemand wagen, eine Puppe ohne Aussteuer zu schenken. Sie muß auch mindestensPapa! Mama!" sagen können, sonst wird sie dem kleinen Fräulein verächtlich. Alle diese Vervollkommnungen haben aber das ärgerliche Resultat im Gefolge, daß sie jungen Mädchen keinen Ansporn zur Thätigkeit und Sorgfalt geben. Das Spielzeug erfordert blos Schonung und keine Wartung. All der Glanz ermüdet und das ewigePapa! Mama!" wird lästig. Früher, in der guten alten Zeit, da die Puppen stumm waren, führten sie noch mit ihren jugendlichen Pflegerinnen niedliche Gespräche, deren Kosten durch die Phantasie des Kindes ge­tragen wurden. Auch konnten die Mädchen früher nicht müde werden, die selbstgefertigten Kleidchen den Puppen an­zuprobieren, während ihnen dies jetzt bei den von Fremden hergestellten Lappen kaum jemals einfällt. Wie anders ist es in Japan. Im äußersten Osten spielen die Puppen im Leben der Frauen eine große Rolle. Ein reizendes Fest ist diesem graziösen Spielzeug, den Hinamatssuris, geweiht. Am 3. März unserer Zeitrechnung ist es Mode, den kleinen Mädchen, die einen mit ihrer Freundschaft beehren, Puppen zu schenken. Diese bilden dann eine Reliquie, welche sich von der Mutter auf die Tochter forterbt, und auf die auch die Taglöhnerin stolz ist. Sie hat hundert, fie hat zweihundert Puppen, sagen dann die Mädchen untereinander mit dem Tone unendlichen Respektes. Ist es nicht eine der Lösung würdige Frage: Wie pflanzt man ein wenig Japanertum in die Seele der europäischen Mädchen, die blasiert ihre Puppe wegwerfen und sich nur eins wünschen: ein Bicycle.

Ein A«achronism«s. Dubufes berühmtes Gemälde Adam und Eva" befand sich auf der Kunstausstellung in Philadelphia. Auch der renommierte Obstzüchter Mac Nab nahm es kopfschüttelnd in Augenschein.Was denken Sie von dem Bilde?" wurde er gefragt.Ich habe nur eine sehr geringe Meinung von dem Maler, mein Herr!" war die Antwort.Wie, eine geringe Meinung von dieser großartigen Kunstschöpfung?"Well", sagte der biedere Obstzüchter,wie kann der Maler der Eva einen Apfel in die Hand geben von einer Sorte, die noch keine 25 Jahre existiert?" y

Ein Mustkverständiger. Protz:Meine Tochter wünscht den Klavierauszug vomLohengrin"!" Kommis: »Der vollständige Klavierauszug ist augenblicklich nicht da!" Protz:Hm . . . Haben Sie denn vielleicht einige hübsche Couplets daraus?"

* * *

Wink. Unteroffizier:Was ist Ihr Vater, Kunze?" Kunze:Schweinemetzger!" Unteroffizier:Na, wir werden sehen!"

*

Lehrer:Sind die Hauptwörter steigerungsfähig?" Der kleine Kohn:Ja, Herr Lehrer." Lehrer:Nun sage mir ein Beispiel." Der kleine Kohn:Zum Beispiel: . . . Mai .... Maier .... am Maisten".

*

Vom Bücher-Ausleihen. A.:Was für eine wunderschöne Bibliothek" Sie haben! Könnten Sie mir nicht einmal ein Buch leihen?" B.:Bedaure, ich ver- lelhe prinzipiell keine Bücher". A.:Und warum nicht?"

V.:Ja, was glauben Sie denn, wie meine Bibliothek entstanden ist?"

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.