Ausgabe 
21.2.1899
 
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1899.

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H# in schweigsam^ Weib ist Goldes wert.

Sprichwort.

Nachdruck verboten.

Auf Freiersfüßen.

Von P. Ditfurth.

(Fortsetzung.)

Eine dunkle Röte flog über sein hübsches Gesicht, und auch seine Augen blitzten:

So, Sie weisen mich fort, ohne mir zu sagen, aus welchem Grunde/ darf ich fragen, ob Sie die Gaste Ihres Hauses stets in dieser Weise auszeichnen?"

Sie drehte ihm, von seinem Tone doch etwas betroffen, halb den Rücken zu, so daß er nur ihr Profil sah:Speziell unser Gast sind Sie doch wohl nicht, und ich meine, Ihre Zeit gehört hauptsächlich Ihrer Fräulein Selterlein."

Wie mir scheint, glauben Sie nicht an die Vetternschaft und ganz mit Recht," sagte er wieder ruhiger,um so eher sollten Sie verstehen, daß ich meine Zeit eben nicht voll­ständig dem Fräulein widmen will"

In Fränzchens Augen loderte schon wieder der Zorn, aber er fuhr fort:Diese seltsame Dame hat mich entschieden in ein schiefes Licht gebracht, schon wie ich sie sah"

Ein schneidend Helles Lachen aus Fränzchens Munde unterbrach ihn:Ha, ha, mein Herr, das war kaltes Wasser, nicht wahr?" rief sie spöttisch,und schließlich möchten Sie den Kopf aus der Schlinge ziehen, die Sie selbst gedreht! Es ist genug jetzt, glauben Sie, ich werde meine Person in diese Angelegenheit verwickeln lassen, nein, dazu bin ich nicht da, mein Herr Keller," mit einer hochmütig herrischen Bewegung wandte sie sich ab und verschwand hinter den Büschen.

Er sah hinter ihr her, bleich vor Erregung und un­fähig, dieses Rätsel zu lösen, sie aber schüttete die unglück­lichen Erbsen in die erste beste Ecke und flog wie gehetzt durch den Garten/ sie wollte allein sein und niemand sehen, sie mußte erst mit dem Gefühl einer tiefen Demütigung kämpfen, das ihr ganzes Sein durchwühlte. Als was be­trachtete sie dieser Mann, der es wagte, ihr sich zu nahen, während er einer anderen wegen kam, deren bischen Vermögen

ihn lockte, aber deren Person ihn abstieß, der nun mit ihr sich amüsieren wollte. Sie stampfte mit dem Fuße vor zorniger Scham in den Gartenktes und preßte die Hände an die Schläfen, wahrlich, die Thränen, die nun kamen, waren eine Erlösung.

Eine ganze Weile saß sie so ins Gebüsch gedrückt und weinte bitter und schmerzlich über den gleichgültigen Mann, der ihr das gethan.

Die Sonne stand schon tiefer, und es wurde kühler, der Abend kam heran. Fränzchen erhob sich und schlich sich an das Thor, das auf die Straße führte/ ein Gedanke be­lebte sie, vielleicht kam der Papa, sie hatte vorhin den Zug pfeifen hören. Ach, wie würde er mit einem Worte der heillosen Wirtschaft ein Ende machen und sein Kind schützen. Sie spähte die Straße entlang/ wirklich, da hinten kam ein menschliches Wesen, rasch trocknete sie mit dem Taschentuch die letzten Spuren der Thränen aus dem Gesicht und ging schnellen Schrittes vorwärts. Doch bald blieb sie stehen. Der Kommende konnte der Papa nicht sein, er war viel kleiner und hatte nicht den militärischen Schritt. Sie zog sich vorsichtig neben das Thor zurück, um zu warten, bis der Wanderer vorüber sein werde, aber dieser kam direkt auf sie zu und nahm grüßend den Hut ab.

Guten Abend, mein liebes Fräulein," sagte er, sich drei-, viermal verbeugend,nicht wahr, dies ist Kirchfeld?"

Fränzchen erwiderte mit kalter Verwunderung den Gruß und blickte auf die kleine, kugelrunde, säbelbeinige Männer­gestalt, die sich so ohne weiteres neben sie pflanzte und deren Aeuglein sie sonderbar anblinzelten.

So betrog mich meine Ahnung nicht," fuhr er fort, als ich in Ihnen schon von weitem die Tochter dieses Hauses erkannte und das Winken Ihres Tuches mir sagte:Sie ist's!"

Er strich glättend über das glänzend braune Toupet über seiner Stirn und trat noch näher.

Fränzchen war aufgestanden und musterte mit ängstlichem Befremden den sonderbaren Menschen:Wünschen Sie meinen Vater zu sprechen?" er ist nicht zu Hause, kann aber jeden Augenblick kommen."

Oh nein, mein teures Fräulein," beeilte sich Herr Gotthold Keller zu sagen,noch achte ich den Zeitpunkt nicht für gekommen, heute wollte ich nur Sie sehen, Sie kennen lernen, Ihre Stimme hören. Vergebens suchte ich Ihre holde Gestalt am Bahnhofe, wie wir verabredet, schon meinte ich, traurig heimkehren zu müssen, da gab mir mein ungeduldiges Herz ein, den Weg hierher zu nehmen, und nun merke ich, daß die Sorge, der Herr Papa könne dazu