Ausgabe 
21.1.1899
 
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Nur der freie Mensch kann wahr sein," schaltete ihr Zuhörer ein.

Und der mutige," rief sie lebhaft.

.Und der mutige, richtig. Aber Sie unterbrachen sich in Ihrer Erzählung."

Sehen Sie, nun sind Sie doch neugierig. Also zu unserem Leutnant zurück, dem in dem Augenblick die Dressur verloren ging. Ich kämpfte bei seinem Anblick zwischen Lachen und Mitleid. Er und ich, wir wolltest beide sehr gern wissen, was Sie bei dem Alten gewollt und ausgerichtet hatten, er aber hatte einen Vorsprung, denn er wußte, wer Sie waren, ich wußte es nicht. Der Alte war ein siebenfach versiegeltes Buch. Erdfahl sah er aus den ganzen Tag, auch noch den folgenden Tag. Sie müssen ein furchtbarer Mensch sein, Mr. White. WaS thaten Sie dem eisernen alten Herrn an in jener Stunde?"

Das hätten Sie besser ihn fragen sollen, Komtesse." Also das ist Geheimnis. Gut. Aber das Mädchen drüben unter der Hängebirke, kannten Sie das Mädchen?"

Ich kannte es, Komtesse. Es ist indessen bester, wenn Sie es nicht kennen, nie, wo es Ihnen auch begegnen mag."

Sein Ton war plötzlich ernst, fast drohend.

Sie sah ihn erstaunt an, ihr kecker Fragemund schwieg einen Augenblick.

Was kann ich für mein gutes Phhstognomiengedächtnis", sagte sie dann. Ich habe jenes Mädchen schon wiedergesehen und habe es erkannt."

Sein Kopf fuhr herum, er sah erschrocken aus, aber auch zornig.

Ja, was wollen Sie?" sagte sie ruhig und hielt seinem Blicke stand.Kennen Sie die berühmte Klothilde Villanh? Natürlich kennen Sie sie und werden sie auch gehört haben. Sie spielt Klavier und Geige gleich vollendet und wühlt alle Saiten im Menschenherzen auf durch ihr Spiel. Alle Blätter sind ihres Ruhmes voll. Sie hat zuerst in Amerika ihre Triumphe gefeiert, jetzt macht sie hier in Europa mit ihrem Impresario ihre Tournee. Ich berichte Ihnen das alles so naiv und weiß doch genau, daß ich Ihnen nichts Neues erzähle. Denn wenn Sie jenes Mädchen kannten, so kennen Sie auch die Künstlerin Klothilde Villanh, sie find identisch."

Kommt Ihnen nie einmal der Gedanke, Komtesse, daß es täuschende Aehnlichkeiten gtebt im Leben?"

Möglich, ich bin aber überzeugt, daß ich mich nicht täusche. Ich hörte die Villany zuerst in Wien, sie wurde dort zu Hofe befohlen und vom Kaiser ausgezeichnet. Sie spielte dann noch einmal in einem auserlesenen Zirkel der hohen Aristokratie, und da lernte ich sie kennen und stand ihr unmittelbar, Äug' in Auge, gegenüber. Ich sagte mir, die Aehnlichkeit ist mehr als wunderbar, wenn es nur Aehnlichkeit ist. Auch sie hat ein Gesicht, was man nicht vergißt. Und sie wirkt ja durch ihre Schönheit fast ebenso, wie durch ihr Spiel. Uebrigens," Hertha wandte sich zu ihrem Begleiter mit einer spöttischen Verneigung,ich befolgte instinktiv Ihre mir noch unbekannten Befehle, ich verriet nicht, daß ich sie kenne. Aber ich schloß Freundschaft mit ihr, was gar nicht leicht ist. Sie ist, wie alle gefeierten Menschen, sehr vorsichtig und zurückhaltend, die Herren schmachten sämtlich unerhört. Ich erfuhr aus sicherer Quelle, daß sie glänzende, solide Anträge hatte, ihr Herz ist hieb- und schußfest. Sie hat auch ihr Geheimnis."

Sie sind ungemein scharfsinnig, Komtesse, ich bewundere Sie aufrichtig."

Hm ich hätte mir also meine lange Rede und all meine Offenheit sparen können. Sie sind ebenso wie der Alte auf Trautdorf, auch ein siebenfach versiegeltes Buch."

Mir scheint, Komtesse, Ihre Wtßbegierde hat auch bei den anderen keine Siegel gelöst."

Sie haben gut spotten, Sie sind in vorteilhafter Position.Nun, gleich, ich tröste mich in dem Gedanken, daß Sie jetzt wenigstens wissen, was Sie von meinem

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Scharfsinn noch zu fürchten haben. Ich spiele mit offenem

Visier."

(Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Geruchloses Petroleum. Ein absolut geruchloses Petroleum soll man nach einer Vorschrift erhalten, für deren Wirksamkeit wir allerdings nicht unbedingt einstehen möchten. DerMoniteur des pvtroles" empfiehlt, wie dieTechnische Rundschau" mitteilt, 4,5 Liter Petroleum mit 100 Gramm Chlorkalk lebhaft zu mischen und dann in ein Gefäß mit Aetzkalk zu gießen und von neuem zu rühren. Die Flüssig­keit setzt sich dann klar ab und kann abgegoffen werden. Für Leuchtzwecke wäre dies Petroleum ein wenig teuer, aber man kann es in gewissen Fällen vielleicht gebrauchen.

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Um Gewebe und Kleidungsstücke wasserdicht zu machen, empfiehlt Berthier in Paris deren Behandlung und Imprägnierung mit Wollfett. Er löst reines Lanolin in Benzin und durchtränkt damit die Gewebe oder bestreicht sie auch mit einem mit der Lösung befeuchteten Schwamm. Ver­suche mit derartig behandelten Kleidungsstücken in der fran­zösischen Armee gaben günstige Resultate.

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Beim Reinigen von Nickel, Messing und anderen polierten Metallen, sollte der Gebrauch von sogenanntem Polier-Kleister" vorsichtigerweise vermieden werden. Die Chemikalien, aus denen solche mehr oder weniger hergeftellt werden, sind alle Säuren, die trotzdem anscheinlich und momentan unschädlich, doch im Laufe der Zeit schlechten Einfluß auf die Metalle haben, die damit bearbeitet werden. Pariser Rot und Spiritus mit einem Fensterleder gut angewandt und dann mit einem trockenen Leder abgerieben, wird sich immer als das beste, billigste und zuverlässigste Mittel zeigen, um trübe Metalle zu polieren.

Malereien ans Holz zu poliere«. Um Aquarell. Malereien mit einer Politur zu überziehen, macht sich immer erst ein guter Ueberzug von feinem, weißem Lack nötig, und zwar verwende man Damarlack. Dieser Ueberzug dient in erster Linie als Schutzdecke, welche bei dem zur Erzeugung der glatten Fläche nötigen Schleifen und dem darauf folgenden Polieren die Malerei vor zerstörenden Angriffen bewahrt. Jedenfalls muß dann aber zur Politur der reinste, weiße Politurlack verwandt werden, um ein auffälliges Verdunkeln der weißen Malfarben zu verhüten. Natürlich hängt hier auch der Erfolg von der Geschicklichkeit des Poliers ab. Man muß, um auf Holzflächen ausgeführte Malereien polieren zu können, zumeist ein weißes, dichtes und feinfaseriges Holz wählen, welches vor dem Bemalen eine recht glatt ge­arbeitete Oberfläche mit einem feinen, leicht trocknenden, wafferhellen Lack, schwach überzogen. Ist dieser Ueberzug gut trocken, so wird er mit fein pulverisiertem Bimsstein, mit Talg oder weißem Schweinefett vorsichtig und fein abgeschliffen, und nun wird diese Fläche mit einer guten, aus bestem weißem Schellack bereiteten Lösung in bekannter Weise poliert.

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Für die Lötung vo« verbleitem Blech darf nur gutes Zinnlot (fünf Teile Zinn, drei Teile Blei) genommen werden. Der Lötkolben muß nicht nur fest, sondern auch längere Zeit aufgedrückt werden. Es schadet nichts, wenn, um die Lötung zu beschleunigen, die gelötete Stelle mit einem in Wasser getauchten Lappen abgekühlt wird. Bei Dach­rinnen, Abfallrohren rc., bet welchen als Flußmittel für das Lot nur Kolophonium verwendet werden darf, hält die Lötung sehr gut.