— 219 —
er strahlt hell wie die blinkende Frühlingssonne, er besitzt keine Gegner, keine Neider, er ist unvergänglich, unsterblich, wie die Seele, wie das ewige Leben.
Mit großer Pracht wurde die Beisetzung der Entschlafenen gefeiert. Bon allen Höfen Deutschlands kamen die Fürsten oder ihre Vertreter. Der gesamte Adel, die Vereine und Korporationen des Landes, die Städte und Dörfer, die Kirchen und Schulen, die ganze Bürgerschaft der Residenz und Tausende und Abertausende aus Stadt und Land folgten dem Prunksarge zu dem tausendjährigen Dome und weinten eine stille Thräne bei dem ehernen Klange der Glocken, bet den erschütternden Worten des Geistlichen, der der hochherzigen Dulderin das letzte Lebewohl ihres Volkes nachrief. Pracht und Glanz hatte die Fürstin im Leben gemieden. Ihr Dasein war dem Schmerz, der Einsamkeit, der stillen Wohlthätigkeit gewidmet- im Tode umrauschte sie der ganze Prunk einer fürstlichen Beisetzung, umwogte sie, die Einsame int Leben, eine nach Tausenden und Abertausenden zählende Menge.
Die Menge verlief sich, die ehernen Totengrüße der Glocken verhallten, nur zwei Leidtragende blieben in der Fürstengruft zurück, der Herzog und Elste. Und sie knieten nieder an dem mit Kränzen bedeckten Prunksarg Hand in Hand und sie wiederholten den Schwur, den sie am Sterbelager der hier Ruhenden gethan: Treue zu halten, immerdar, Treue zu halten ihrem Volke, Liebe und Glück auszustreuen zum ewigen Gedächtnis derjenigen, die sie in ihrer letzten Stunde vereint, die ihnen in ihrer letzten Stunde Glück und Liebe zurückgegeben.---
An Stelle des einfachen Landhäuschens Elsie's erhob sich nach Jahresfrist ein schmuckes Schlößchen, dessen weiße Zinnen und Türmchen sich freundlich von dem dunklen Hintergrund des Hochwaldes abhoben. Ein prächtiger Park verband das Schlößchen mit dem Walde, und hoch oben auf dem alten Benneckenstein ragte eine nach Art des frühen Mittelalters gebaute kleine Ritterburg zu den Wolken auf. Das herzogliche Banner flatterte auf dem wiederhergestellten alten Burgfried, wenn der Landsherr drunten im kleinen, weißen Schloß weilte. Dann blickten die Einwohner des Städtchens und der Dörfer weit und breit froh lächelnd zu dem alten Benneckenstein empor und nickten sich gegenseitig zu und sprachen: „Unser Herzog ist wieder bei seiner Gattin. Glück und Frieden sei beiden beschert I"
Und der Wunsch des Volkes ging in Erfüllung. Glück und Frieden ward dem Herzog und seiner Gattin in reichem Maße beschert und Glück und Frieden verbreiteten sie in reichem Maße über Land und Volk. Selbst die Gesellschaft der Residenz söhnte sich mit dieser Vermählung des Herzogs aus und beeilte sich, bei der „Gräfin Elsie von Benneckenstein" ihre Aufwartung zu warten. General von Hannecken, und Frau von.Hannecken waren sehr stolz auf ihre „Nichte", wie sie Elste jetzt mit besonderer Betonung nannten, aber Hans Heinrich, ihr Sohn, vermochte sich in die neuen Verhältnisse nicht zu fügen; er trat in die Armee zurück und wurde nach kurzer Zeit Kommandeur eines Kavallerieregiments an der französischen Grenze. Und noch jemand schied aus dem herzoglichen Dienst: die Frau Oberhosmeisterin Gräfin Bittenfeld. Man weinte ihr keine Thräne nach- die Damen des Hofes freuten sich vielmehr, ihren strengen Augen entronnen zu sein, sie befanden sich weit wohler unter dem milden Scepter der Gemahlin des Herzogs, der Gräfin Elste von Benneckenstein.
Am unglücklichsten fühlte sich Hans Heinrich Hannecken, der Sergeant von der leichten Missouri-Artillerie. Er konnte sich an das Leben im Schloß nicht gewöhnen und zog es vor, in der kleinen Ritterburg auf dem Benneckenstein als Einsiedler zu leben. Frau Dorette begleitete ihn. Sie war klug genug, einzusehen, daß aus einer alten Waschfrau keine Hofdame mehr werden konnte.
Die Zeiten kamen und gingen- die Gräfin Elsie von Benneckenstein wurde die Wohlthäterin des Volkes, sie empfing
Fürsten, Herzöge und Könige in ihre« weißen Schlößchen, sie wurde selbst zur Fürstin erhoben, aber für das Volk blieb sie die „Armenhaus Prinzessin , die für jedes Leid, das an fie herantrat, ein tröstendes Wort, für jede Not eine helfende Hand und für jeden Kehler ein mildes Herz besaß. Der Segen der sterbenden Herzogin, der edlen Dulderin auf einem Fürstenthrone, war in Erfüllung gegangen.
Mittelalterliche Beleuchtmgsmittel.
In welcher Weise man vor einigen Jahrhunderten die künstliche Beleuchtung der Wohnräume besorgte, schildert Czernowitz in der „Zeitschrift des Vereins für Volkskunde" in anziehenden Ausführungen. In der guten alten Zeit standen als Beleuchtungsmittel besonders Holz, Pech, Talg und andere Fette, Wachs und Oel zur Verfügung. Das Holz als reines Naturerzeugnis hat begreiflicherweise am frühesten zu solchen Zwecken gedient. Eine besonders altehrwürdige Stellung nahmen die Kienspäne in Anspruch, Splitter aus harzreichem Nadelholz, besonders dem der Kienföhre, die noch heutzutage in den bäuerlichen Behausungen mancher Gegenden gebräuchlich sind. In Tirol trifft man sogar hier und da in der Stube neben dem Ofen einen besonderen kleinen Kamin an, der den Namen Kendel oder Kömich führt und für das Kienspanfeuer diente, das lediglich zur Beleuchtung des Gemaches angezündet wurde. Diese urwüchsigste aller Beleuchtungsarten findet sich jetzt nur noch sehr selten, obgleich die einzelnen Kienspäne, die sogenannten Kendeln, an vielen Orten noch immer gerne bei nächtlichen Gängen benutzt werden. Dazu eignet sich besonders die Kienfackel, in der eine Anzahl von solchen Spänen zur Verstärkung des Lichtes und zur Vermehrung seiner Brenndauer zusammengebunden wird. Wo der Nadelwald fehlte, behalf man sich vorzugsweise mit Buchenholz, und in holzarmen Gegenden nahm man zu Stroh- und Reisigbündeln seine Zuflucht, die zur Steigerung der Leuchtkraft in Ermangelung von Pech mit irgend einem Fettstoffe bestrichen wurden. Die Wachskerze, ebensalls ein sehr altes Beleuchtungsmittel, blieb im Mittel- alter säst ausschließlich auf den kirchlichen Gebrauch beschränkt, und nur die vornehme Gesellschaft bediente sich seit dem 12. und 13. Jahrhundert ebenfalls des Kerzenlichtes, besonders bei Festlichkeiten. In der frühesten Zeit wurden zum Privatgebrauch gewöhnlich zwei oder drei dünne Wachslichter zu einer dickeren Kerze zusammengedreht, während die Kirchenlichter schon damals in der Regel die noch heute übliche Form besaßen. Mit den Wachskerzen für kirchlichen Gebrauch wurde schon seit Jahrhunderten ein außerordentlicher Aufwand getrieben. Schweller erwähnt in seinem „Bairischen Wörterbuch", daß im Jahre 1519 zu Regensburg eine Wachskerze geopfert wurde, zu deren Anzündung eine besondere Leiter von zwölf Stufen angeschafft werden mußte. Aber schon aus dem Jahre 1282 berichten die Jahrbücher von Prag, daß der Bischof Tobias daselbst bei seiner Priesterweihe und am Jahrestage seiner Bischofsweihe nach dem Brauch seiner Vorgänger eine 220 Pfund schwere Wachskerze in der Domkirche aufgestellt habe. Für die in den Häusern benutzten Kerzen blieb der Talg das gewöhnliche Material. Zuerst kamen die dünnen, gezogenen und später erst die dickern, gegossenen Talglichter auf. Man brannte Talg auch in Lichttiegeln uild Lampen, ein Gebrauch, der ebenfalls noch heute nicht ganz verschwunden ist. In den Bauernstuben des Oetzthales in Tirol findet man gelegentlich noch einen eisernen Lichttiegel von der Decke herabhängend, der mit Schmalz gefüllt wird und einen aus geschabten Lumpen gefertigten Docht besitzt. Eine ähnliche Beleuchtung muß früher auch für Kirchenampeln hie und da üblich gewesen sein, wie z. B. aus einer Urkunde von 1438 erhellt, wonach Herr Thun und seine Ehefrau Dorothea einen jährlichen Zins stifteten, „mit dem gedinge, daß die chirchbrabSt (Propst) öl


