Ausgabe 
19.11.1899
 
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zeit zu schwelgen. Noch hat der Tanz nicht begonnen, und schon herrscht große Heiterkeit und Lebendigkeit in diesem Kreise.

Doch horch! Da ertönt der erste Fiedelstrich; wie freudig erglänzen die dunklen Augen der Mädchen! Wie erwartungs­voll klopfen die Herzchen! Bange fragt sich Mariska oder Ilka, ob Nachbars Janos oder Pista heute wohl mit ihr tanzen werde. Kokett wird noch das Busentuch zurecht­gerückt, und siehe da, der Ersehnte erscheint, umfaßt ohne viel Federlesens herzhaft die Erwählte, und schon sind sie mitten in der tanzenden Menge. Wie schön und malerisch ist dieser Tanz! Ganz der Gemütsart der heiß­blütigen, lebhaften Magyaren entsprechend!

Leise und schwärmerisch beginnt die Musik, den Klagen eines nach Liebe schmachtenden Jünglings gleich; dann wird sie immer lockender und stürmischer, bis sie endlich in ein rasendes Tempo verfällt. Ebenso der Csardas. Er beginnt leicht und ruhig, wie ein Spaziergang im Takt, dann wird der Schritt etwas tändelnder und neckischer, der Tänzer läßt sein Mädchen fahren, folgt ihr sachte, sie läßt ihn ganz nahe kommen, er hascht nach ihr, doch wie ein Sturm­wind braust sie an ihm vorüber, er hinterher, und flugs ist er wieder in ihrer Nähe, es gelingt ihm, sie zu erhaschen. Fest umschließt er ihren Leib mit beiden Händen, nun wirbeln sie ein Weilchen rasend herum, doch plötzlich läßt er die Tänzerin fahren, und das Spiel beginnt von neuem.

Man würde staunen, mit welcher Leichtigkeit und Grazie die drallen Bauernmädchen diesen anmutigen, aber wilden Nationaltanz durchführen! Wie oft werden sie auch von den Städterinnen um diese Kunst beneidet! Da flattern die Zöpfe und Tuchzipfel in der Luft, da ist ein Jauchzen und Jodeln, Hutschwenken und Sporenklirren, ein Wirbeln und Drehen bis in den späten Abend. An regnerischen Tagen oder während des Winters wird die Schenkstube als Tanzboden benutzt, was freilich nicht so angenehm ist. In der Fastenzeit, wo das Tanzen verboten ist, lverden Haus­unterhaltungen eingerichtet. Die Jugend zerstreut sich durch allerlei Pfänderspiele, wobei natürlich das Küssen die Hauptsache bildet; denn:Ein Küßchen in Ehren darf niemand verwehren."

GEeinnütziges.

Kefundyeitspflege.

Regeln für Blutstillung und Wundedehandlung.

1. Jedes blutende Glied muß möglichst gelagert werden. 2. Blutungen, bei denen daS Blut nicht im Strahl hervor­spritzt, können durch einen Druckverband und Hochlagerung gestillt werden. 3. Wenn schneller Tod durch Verblutung droht, so ist das Glied oberhalb der Verletzung zu um­schnüren. 4. Alles, was mit einer Wunde in Berührung kommt (die Finger des Hilfeleistenden, Verbandstoffe, Waffer re.) muß vollständig rein, resp. neu sein. Schwämme dürfen nicht angewendet werden. 5. Das erste Wund­verfahren besteht in Folgendem: I. Blutstillung durch Hoch­lagerung und durch Aufdrücken eines in kalte Karbol­lösung getauchten Wattebausches (event. durch Umschnürung); 2. Desinfizierung der Wunde durch Abspülen oder Abtupfen mit dreiprozentigem Karbolwaffer; 3. Auflegen einer dicken Schicht Wundwatte und darüber eines Stückes Guttapercha- papierrS oder Leinwand; 4. fester Verband mit Binde oder dreieckigem Tuch; 5. Lagerung des verletzten Gliedes so, daß eS Ruhe und eine erhöhte gleichmäßige Lage hat (bei Knochen­brüchen also in Schienen oder dergleichen).

Aür die Küche.

Gerüstetes Suppenfleisch. Sechs Personen, fünf­zehn Minuten, Resterküche. Gesottenes Rindfleisch schneidet man in Scheiben, bestreicht jede Scheibe mit 5 bis 8 Tropfen

Maggi (extractum purum), bestreut mit Salz und Pfeffer, wendet die Scheiben in Et und geriebener Semmel und brät sie in Butter. Als Beilage zu Gemüse. Durch das Beträufeln mit Maggi verliert das Fleisch vollständig den ausgekochten Geschmack.

Gedämpfte Ente in brauner Sauce. Sechs Per­sonen, iy2 Stunde, bürgerliche Küche. Man nehme zu einer ausgewachsenen jungen Ente % Liter Waffer, eigroß Butter, sechs Schalotten, das nötige Salz, und lasse sie fest zuge­deckt langsam weich schmoren, damit die Sauce nicht zu stark einkocht. Nachdem die Ente gar geworden, rühre man einen Eßlöffel in Butter gebräuntes Mehl, </2 bis 1 Glas Rot­wein, vier gestoßene Nelken, etwas Zucker hinzu und lasse die Ente noch eine Weile darin schmoren. Bevor man die Sauce in die Sauciöre füllt, fügt man sechs bis acht Tropfen Maggi-Würze hinzu, wodurch die Sauce einen kräftigen, appetitanregenden Geschmack erhält.

Ciiter arides.

Das Tierreich. Bearbeitet von Dr. L. Heck, Paul Matschte Professor Dr. v. Martens, Bruno Dürtgen, Dr. Ludwig Staby und E. Krieghoff. Erscheint in 120 Lieferungen zum Preise von je 10 Pf. und umfaßt ca. 140 Druckbogen mit 1455 Abbildungen und 12 Tafeln in feinstem Farbendruck. Auch zu beziehen in vier gehefteten Halbbänden zum Preise von je 3 Mk. oder in zwei hochfeinen Leinen­bänden zum Preise von je 15 Mk. Verlag von I. Neumann in Neudamm. Unter den populären Darstellungen, welche das gesamte Gebiet der Zoologie in den letzten Jahrzehnten erfahren hat, nimmt das vorstehend angezeigte Werk sicher mit die erste Stelle ein. Schon daß sich eine Anzahl Forscher in die Arbeit geteilt haben, sodaß jeder nur über sein Spezialgebiet oder die Gebiete berichtet, die er zu über­setzen vermag, bürgt dafür, daß die Darstellung eine sachgemäße, dem tzeutigen Stande der Wissenschaft entsprechende ist. Die Sprache ist durchweg allgemeinverständlich, die Beziehungen, die eine große Anzahl Tiere oder Tiergrnppen zum gewerblichen Leben hat, sind gebührend berücksichtigt, und diejenigen Tierarten, die hemmend oder fördernd in das Leben und die Thätigkeit des Menschen eingreifen, haben eine be­sondere Berücksichtigung erfahren; alles, wie cs sich für ein Volksbuch geziemt. Die uns jetzt zugegangenen dreißig Hefte behandeln den siebenten Stamm des Tierreiches:Fische", Lurche, Kriechtiere und Vögel, und enthalten gleich den früheren Heften außer zahlreichen Textillustrationen eine vorzüglich ansgeführte BuntdrucktaselSpanische Eidechsen". Die Verlagsbuchhandlung sendet auf Verlangen an jeder­mann umsonst und Postfrei ein reich ausgestattetes Probeheft, welches eine genaue Uebersicht über die Anlage des ganzen Werkes ermöglicht.

Di« Obst, und Beereuwein-Bereitung" von Arnulf Weber. Verlag desPraktischen Wegweisers", Würzburg; Preis 30 Pfg. Die meisten Hausfrauen besitzen in ihren Rezeptsammlungen wohl auch eine Vorschrift zu irgend einem Haustrunk, einem Johannisbeer-, Heidelbeer-, Hollunderbeerwein oder bergt, sind aber wohl in nicht seltenen Fällen dadurch überrascht worden, daß die als vorzüglich gepriesene Vorschrift ein Gebräu geliefert hat, das dem Gaumen nicht absonderlich gefallen will. Zum Herstellen von Fruchtbeerweinen ist es eben nicht mit einer bloßen Vorschrift und genauem Abwiegen und Abmessen der Substanzen gethan; sondern es bedarf einer genauen Beobachtung des ganzen Gähr- prozeßes bei der Fruchtweinbereitung. Diesen beschreibt das Buch in leicht verständlicher Weise an der Hand zahlreicher Abbildungen. Es gibt ferner nicht nur eine große Anzahl von Rezepten, sondern auch Aufklärung über die Behandlung der Gähr- und Lagergefäße, Anleitungen, wie man verdorbene Weine genießbar machen kann, Erklärung der tech­nischen Ausdrücke im Kellereibetrieb und vieles andere mehfl Bei der Vielseitigkeit des Gebotenen muß der billige Preis des Buches von 30 Pfg. überraschen und kann dessen Anschaffung jeder Hausfrau, jedem Besitzer eines Obstgartens nur empfohlen werden.

Silbenrätsel.

Nachdruck verboten.

a, a, b, bi, but, ce, du, der, en, en, g, ge, ha, ma, pa, ra, ri, te, ur.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter ge. bildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuch­staben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen ein berauschendes Getränk bezeichnen. Es haben aber die einzelnen Wörter folgende Bedeutung:

1. Ein Saum.

2. Frucht eines stacheligen Strauches.

3. Außereuropäische Halbinsel.

4. Deutsche Stadt.

5. Stadt in Oberitalien.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben! in Gießen.