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Nüber sag ich, Herr HolauS. JesuS, der Mensch hat ja nix zum Wechseln." Sie lief von dem Herd in eine Neben­kammer, in welcher die Garderobe des Feldwebels Geiger hing und warf Holaus in fieberhafter Eile einen ganzen Pack alter Umformstücke und Wäsche in den Arm, um sich wieder dem Kinde zuzuwenden, daS seine blauen Augen neugierig in dem Raume herumschweifen ließ, von der behaglichen Wärme umflutet.

(Fortsetzung folgt.)

Ländliche Sonntagsvergnügen der Magyaren.

Von Berta Kätscher.

------- (Nachdruck verboten.)

Mit freudiger Ungeduld sieht die magyarische Bauern­jugend demTag des Herrn" entgegen! Nichts kann das Herz des hübschen Landmädchens höher pochen machen, als die Aussicht auf den Sonntagstanz, itichts sie für die Mühe der ganzen Woche, für die harte Arbeit von sechs Tagen besser entschädigen, als ein Csärdäs mit ihrem Herzaller­liebsten.

Unser Dörfchen liegt am Fuße eines Berges, ein schöner, grüner Wald begrenzt es; ein klares Bächlein, das sich im fahlen Mondlicht wie ein Silberfaden durch Ujfalu schlängelt, und die Lindenallee, die sich durch die Haupt­straße des reinlich gehaltenen Ortes erstreckt, macht es zu einem reizenden Fleckchen Erde.

Schlendert man nun an einem Samstagabend, wenn die Luft mit dem angenehmsten Blütenduft der Linden­bäume geschwängert ist, die lieblichen Nachtigallen und die fröhlichen Lerchen aus Wald und Busch ihr Abendliedchen aus voller Kehle ertönen lassen, in das die Frösche, die die nahegelegenen Sümpfe bevölkern, mit ohrzerreißendem Quaken einstimmen, durch das Dorf, so bieten sich dem Auge die anmutigsten Szenen dar. Vor den kleinen, weiß­getünchten Häusern mit den hellglitzernden Fensterchen kann man die verschiedensten Gruppen und Gestalten beobachten. Da steht ein blühendes, junges Mädchen in der Hausthüre und lugt ungeduldig nach dem Geliebten aus; es brennt vor Begierde, mit ihm über die morgigen Vergnügungen zu sprechen; dort schreitet ein halbes Dutzend junger Bur­schen, Arm in Arm, jodelnd durch die Straßen, mit jeder ihnen begegnenden Maid ihre tollen Scherze treibend; hier sitzt ein uraltes Mütterchen vor der Hausthüre und erzählt ihren aufmerksamen Zuhörern von der schönen, alten Zeit, da sie noch jung war; und sie weiß gut zu erzählen. Aus der Ferne ertönt heiterer Chorgesang, eine Schar jugend­frischer, gesunder Landmädchen, die sich bei der Arbeit etwas verspätet, eilt nun, mit Sensen und Rechen auf dem Rücken und Kränzen in der Hand, singend dem Hause des Ver- walters zu, um ihren Wochenlohn zu erhalten.

Kurz, vor jeder Hausthüre sieht man plaudernde, lachende, scherzende und tändelnde Gruppen, denen man es wahrlich nicht anmerkt, daß sie noch vor wenigen Stunden im Schweiße ihres Angesichts arbeiten mußten. Die Ungarn sind eben ein leichtblütiges, leicht erregbares Volk und den Einflüssen des Augenblickes preisgegeben. Von der über­mütigsten Heiterkeit bis zur tiefsten Schwermut ist nur ein Schritt. Davon zeugen auch ihre Volkslieder, die fast alle in derhimmelhoch jauchzend, zum Tode betrübten" Tonart gehalten sind.

Im Durchschnitt sind die ungarischen Landbewohner gläubig und fromm; der Klang des Abendglöckchens schneidet mit einem Schlage alle Heiterkeit ab, jung und alt zieht das Käppchen oder Hütchen vom Kopfe und verrichtet still ein Gebet. Die vorhin so belebten Straßen werden nun öde und leer, man sieht nur noch einzelne verspätete Burschen ihre Mädchen heimgeleiten. Das Abendläuten ist das Signal zum Schlafengehen.Mit den Hühnern auf, mit den Hühnern nieder," heißt es bei den Bauern. Die ersten Sonnenstrahlen locken sie wieder aus den Federn, denn es

gibt im Hanse noch so manches zu besorgen, bevor man in die Kirche gehen kann. Wieviel Zeit nimmt allein die Sonntagstoilette in Anspruch! Sogar Großmütterchen wirft einen Blick in den winzigen Spiegel, ob auch das schwarz­seidene Kopftuch recht sitzt. Der größte Putz wird mit den Busentüchern getrieben. Dutzende von schönen Augen hängen neidisch an einer Mitschwester, die in einem neuen, natürlich recht bunten seidenen Halstuch stolz zur Kirche eilt. Nach dem Gottesdienst macht die Jugend für den Nachmittag Pläne, denn dieser ist ausschließlich zur Belustigung da.

Zwischen drei und vier Uhr nachmittags versammelt sich der Haupteil der Bevölkerung auf dem Tanzplatze; alt und Jung strömt dahin. Die Leute bedürfen keines elegant geschmückten Tanzsalons, keines spiegelglatten Parkettbodens, keiner Schleppkleider, keines Fracks oder Klaques, keines großen Orchesters, wie die anspruchsvolleren Städter; nein, ein freier Rasenplatz unter der großen Linde vor der Dorf­schenke genügt ihnen als Tanzboden, das blaue Himmels­zelt als Ausschmückung, ihre kleidsame Nationaltracht als Balltoilette und ein den ungarischen Nationaltanz auf einer erbärmlich verstimmten Fidel spielender Zigeuner als Musikant. Und doch sind diese einfachen Naturkinder oft glücklicher und zufriedener, als die Städter in ihren Sälen voll Tand und Flitter. Es ist herzerfrischend, zu beobachten, mit welch' glückstrahlenden Gesichtern unsere Dorfjugend paarweise und auch dutzendweise diesem Unterhaltungsorte der einfachsten Art zueilt! Und wie ihr Kostüm sie kleidet!

Die ungarischen Mädchen und jungen Frauen tragen ganz kurze, weite, zumeist lichte Röcke, niedere, rote, blaue oder schwarze, stark verschnürte Mieder (pruszlik) mit bau­schigen, kurzen, weißen Aermeln (ingval), darüber ein großes, dreieckiges, weißes Leinen- oder buntes Seidentuch um den Busen geschlungen und ein hübsches Sträußchen Waldblumen darangesteckt, kleine, weiße oder auch farbige Schürzen, je nach Geschmack, schwarze oder rote Lederstiefelchen (csizma) an den meist niedlichen Füßen, nach der jüngsten Mode auch Halbschuhe mit weißen Strümpfen. Ihr Kopfschmuck ist ebenso einfach wie hübsch. Die Mädchen haben ihr gewöhnlich volles und dunkles Haar am Vorderhaupt glatt gescheitelt und hinten in einen dicken Zopf geflochten, der mit einem breiten, bunten Seidenband abgebunden wird und frei im Nacken hängt, während verheiratete Frauen nie ohne Kopftuch gehen; sie stecken ihr Haar am Hinter­kopf in einen Knoten (konty) ähnlich unseren modernen Frisuren, und ein Tuch, dessen Farbe zumeist rot oder schwarz ist, je nach dem Alter der Frauen, häubchenartig darüber.

Doch nun zu den Herren der Schöpfung; ihre Tracht ist ebenso hübsch als eigenartig, wie vor allem bequem. Sie besteht aus den folgenden Gegenständen: unendlich weiten, bis zu den Knöcheln reichenden Leinenhosen, einem blendend weißen Hemd mit ungemein breiten, offenen Aermeln, einer stark verschnürten, mit Silberknöpfen versehenen dunklen Weste, einem ebensolchen kurzen, verbrämten und verschnür­ten Rock, der zumeist nur über die rechte Schulter geworfen wird, glänzend geputzten, mit Sporen versehenen Stiefeln. Ein kleines, rundes, schwarzes Filzhütchen, das an Sonn­tagen mit einem Sträußchen geziert ist, und ein vom Lieb­chen eigenhändig gesticktes Taschentuch vervollständigen die Sonntagstoilette der Männer.

Es ist belustigend, die jungen Burschen zu sehen, wenn sie, ihre Hütchen in die Luft werfend und ungarische National­oder auch Spottlieder singend, sich nach ihrem Eldorado, dem Tanzboden, begeben. Unzählige der besten ungarischen Volkslieder wurden in solchen Augenblicken komponiert. Doch nun zum Tanze selbst. Ein Teil der älteren An­wesenden hat sich zu einem Spielchen bei einem Gläschen Rebensaftes in die kühle Schenkstube zurückgezogen, während die Lebenslustigeren es vorziehen, das Gläschen vor der Schenke zu leeren, dem feurigen Tanze der Jugend beizu­wohnen und dabei in Erinnerungen an die eigene Jugend-