Ausgabe 
19.10.1899
 
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Onkel Gottfried sagte es mir eben, dann kommt Mama nicht znm Abendbrot, es wird höchst ungemütlich sein."

Frida," erwiderte Renata vorwurfsvoll,ich finde das traurig, sehr traurig, und wenn es auch für Ihre Jugend ein Schatten ist, so ist Ihr armer Großvater am meisten zu beklagen."

Frida schlug die Augen nieder, sie konnte den ernsten, tiefen Blick dieser Augen nicht gut vertragen.

Schweigend ging sie neben Renaten her. Wie kam es, daß dies fremde Mädchen eine Macht über sie gewann?

Es war ein unerquickliches Beisammensein im Eßzimmer. Der Profeffor war schweigsam, Max mürrisch, Frida eben­falls, und die liebenswürdige Hausfrau fehlte überall.

Renata war herzlich froh, als man sich bald nach dem Abendbrot trennte und sie ihr Zimmer wieder aufsuchen konnte.

Sie setzte sich an das Fenster und blickte in den Garten. Schneewittchen girrte leise im Schlaf und unten im unge­wissen Sternenschein ging Onkel Gottfried rastlos die Garten­wege auf und ab.

Renata dachte an das alte Bild im Archiv, dem sie so gleichen sollte, und an den Ruf des Konsuls. Warum grübelte sie so viel darüber? Sie war eine Fremde, wie Onkel Gott­fried gesagt, und doch, und doch

Sie fuhr plötzlich zusammen, es klang ihr wieder wie ein Schrei da drüben.

Leise glitt sie vom Stuhl in die Kniee, und ein heißes Gebet rang sich aus ihrer Seele um Frieden für den armen, -alten Mann.

(Fortsetzung folgt.)

Von einem Mittel, die Fliegen zu verscheuchen, das auch bei uns bekannt zu werden verdient, berichtet das Inter­nationale Patentbureau Karl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6. Es mag manchen Touristen aufgefallen sein, daß in den Läden der Fleischer in Genf die Thüren im Sommer weit offen stehen, ohne daß auch nur ein einziges Exemplar der in Genf beson­ders zahlreichen Fltegenfamilie in einem solchen Laden zu erblicken wäre. Die Wände sind hier nämlich mit Lorbeer­öl bestrichen, einer Substanz, die den Fliegen aus unbe­kannten Gründen einen heiligen Abscheu einflößt. Auch Privatleute machen sich die abschreckende Wirkung dieses Oels zu nutze, indem sie durch einen derartigen Anstrich die ver­goldeten Rahmen von Spiegeln, Bildern u. s. w. gegen Be­schmutzung schützen.

Die Aufvewahrimg gefüllter Flaschen geschieht vor­zugsweise liegend, weil man durch Aufetnanderschichten der Flaschen bei größerer Anzahl den Raum besser ausnützen kann, als wenn die Flaschen stehen, ferner auch damit der Kork feucht bleibt und das Kahnigwerden des Weins verhindert wird. Bei schlechten Korken wird der Wein aber dennoch verdorben, dadurch, daß er den muffigen Korkgeschmack annimmt. Wo man mit größter Sorgfalt und Reinlichkeit hantiert, die Korke mit der Verkorkungsmaschine eintreibt, ist es nicht notwendig, die Flasche liegend aufzubewahren, weil der Verschluß derart sicher ist, daß das Eintrocknen der Korke selbst nach Jahren nicht stattfindet. Gewöhnlich werden beffere Flaschenweine außerdem verlackt. Deshalb dürfte es nicht ohne Vorzug sein, die Weinflaschen stehend aufzubewahren, denn das Kahnig­werden ist bei gutem Verschluß ebenso ausgeschloßen wie der Korkgeschmack, weil der Wein mit dem Kork gar nicht in Berührung kommt. Dazu kommt noch der Umstand, daß viele Weine besonders Rotweme, bei längerem Lagern einen Absatz am tiefergelegenen Teil der Flasche abscheiden. Bei liegenden Flaschen geschieht dies natürlich an der Seite. Wird nun eine Flasche geöffnet, so verteilt sich dieser Niederschlag wieder im Wein und macht denselben beim Einschenken trüb,

unverkäuflich und für längere Zeit ungenießbar. Das kann besonders für Wirte sehr mißlich werden. Bewahrt man die Flaschen aber stehend auf, dann bleibt der Satz bei einiger Vorsicht am Boden, und der Wein kann bis auf einige Tropfen klar abgegossen werden. Korkgeschmack und Trübung sind dadurch vermieden. Deshalb sollte jeder Wirt wenig­stens einige Flaschen stehend ausbewahren, damit er bet Be­darf jederzeit seinen Gästen einen ganz Hellen, reinen Wein vorsetzen kann.

Vevnrischtss.

Brutpflege der Fische. Die Beobachtung der Fort­pflanzung vieler Fische ist im Aquarium von hohem Reiz, namentlich bei den zu den Raubfischen gehörenden nester- bauenden Arten. Bei diesen Fischen wird die Brutpflege ausschließlich durch das Männchen besorgt, während sich das pflichtvergessene Weibchen nicht um seine Nachkommen bekümmert. Zur Paarungszeit prangt das Männchen in den herrlichsten Farben. Am prächtigsten sind diese Farben bei den siamesischen Kampffischen, kaum weniger schön bei den Makropoden. Stundenlang kann man den Liebesspielen dieser herrlichen Fische zusehen. Aus Schaum­blasen bauen die Männchen leichte Nester, die an der Oberfläche befestigt werden. Nachdem das Weibchen im Nest die Eier abgelegt hat, wird es vom Männchen ver­trieben, welches das Nest allein bewacht und später die junge Brut führt und beschützt und die sich zu weit vom Neste entfernenden Kleinen wieder in dasselbe hineinträgt. Das Weibchen muß zeitig aus dem Aquarium entfernt werden, da es die eignen Kinder frißt, nach 1012 Tagen muß dann auch das Männchen entfernt werden. Eine ähnliche Brutpflege kann auch bei unseren gemeinen Stichlingen beobachtet werden. Der amerikanische Chan- chito, ein interessanter Raubfisch, formt Nester in den Aquarienboden und trägt dann die Jungen von den alten Nestern immer wieder in neu hergerichtete. Die Aufzucht der Fischbrut geschieht mit winzigen Wassertierchen, die mit Gazenetz in stehenden Gewässern gefangen werden.

Das Alter der Bäume. Von allen Bäumen soll der Baobab der langlebigste sein, er soll es auf gegen 6000 Jahre bringen. Dann folgen die kalifornische Zeder (taxodium distichum) mit 4500 Jahren, die Eibe mit 3000 Jahren, die Eiche mit durchschnittlich 1600, die Linde mit 1200, die Zeder mit 900 und die Platane mit un­gefähr 800 Jahren. Der Oelbaum wird durchschnittlich 750, der Pomeranzenbaum 650 und die Kastanie 600 Jahre alt. Die Lärche lebt 600, der Epheu 500, der Birnbaum 450, die Cypresse 380, die Rüster 350 und der Feigen­baum 280 Jahre.

Herr Fährmann," sagte eine ängstliche Frau zum Schiffer, der sie über einen Fluß führte,gehen jemals Menschen auf diesem Flusse zu Grunde?"Oh nein," war die beruhigende Antwort,nach drei bis vier Tagen kommen sie immer wieder in die Höhe."

Citaterrrätsel.

Nachdruck verboten.

Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Citat ergibt:

1. Du hast Diamanten nnd Perlen, hast alles, was Menschenbegehr.

2. Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

3. Fürchterlich ist einer, der nichts zu verlieren hat.

4. Nicht für die Schnle, sondern für das Leben lernen wir.

5. Zum Raube lächeln, heißt den Dieb bestehlen.

6. Den Augenblick ergreife, der ist dein!

7. Was geboren ist, muß sterben.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Waldshut Jrtisch Salmiae Sahara Edam Newport - Iltis. Wissen i st Macht.