Ausgabe 
19.9.1899
 
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frag' ein Herz den Freuden offen, Doch zum Leidenskampf bereit; Lern' im Mißgeschicke hoffen; Denk' des Sturms bei heit'rer Zeit. Salis.

Nachdruck verboten.

Schuldig.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Ich danke Dir, Hans !" murpiclte der Kommerzienrat. Hans Helldorf machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand und erzählte weiter:

//Ich gab ihm das Geld, forderte aber sein Ehrenwort, niemand, ohne jegliche Ausnahme, zu sagen, von wem er es erhalten habe. Er hat das Wort strenger gehalten, als ich unter den eingetretenen Umständen von ihm zu fordern be­rechtigt gewesen wäre."

Und ich lobe ihn dafür !" rief mit leuchtenden Blicken der Kommerzienrat. Er hatte sich aus seiner gebeugten Stellung aufgerichtet, sein Wesen war völlig verändert.

Es gefällt mir von dem Burschen, daß er eher alles über sich ergehen ließ, als daß er ohne Deine Erlaubnis das Dir gegebene Wort brach, darin liegt doch Charakter. Aber warum hast Du es ihm denn abgenommen?"

Hans Helldorf zögerte mit der Antwort; die Frage mochte ihm unerwartet kommen, und der Kommerzienrat glaubte die stumme Sprache zu verstehen. Dem Sohn die Hand auf die Schulter legend, sagte er weich, abbittend:

Ach mein lieber Sohn, ich weiß gar wohl, daß Dir manches Unrecht im Hause Deines Vaters geschieht, und ich leide schwer darum

Vater, Vater, das sollst Du nicht! Nicht um meinet­willen!" rief Hans dazwischenIch"

Ich weiß, welch ein guter Sohn Du bist!" fiel der Vater wieder ein,und deshalb empfinde ich es oft als ein Unrecht, daß ich Dir diese daß ich Dir eine Stiefmutter gegeben habe!"

Hans Helldorf lächelte hier in einer Weise, die sein Gesicht, wenn nicht schön, doch ungemein anziehend er­scheinen ließ, und er antwortete:

Meine arme Mutter mußte nach kurzer Ehe sterben, indem sie mir das Leben gab; es ist nur natürlich und

völlig berechtigt, daß Du in einer zweiten Ehe das zu früh zertrümmerte Glück wieder aufzurtchten bedacht warst. Nie habe ich Dir in meinem Herzen daraus nur den leisesten Vorwurf gemacht, nie hat das meine Liebe zu Dir nur im geringsten beeinträchtigt. Gern hätte ich Deine zweite Gattin geehrt, geliebt, in ihr die Stellvertreterin meiner verstorbe­nen Mutter gesehen, wenn wenn sie mir dies nur hätte gestatten wollen."

Ec suchte augenscheinlich nach dem mildesten Ausdruck für das Verhalten der Frau, die er Mutter nennen sollte, und die diesen Namen doch so wenig rechtfertigte.

Zürne ihr nicht, Hans, vergieb ihr, betrachte sie wie eine Kranke, die sie ja in Wahrheit auch ist," bat der Kom­merzienrat.Ich habe sie nicht lange gesund an meiner Seite gehabt. Ihre unglückliche Nervosität hat ihr und mein Leben vergiftet!"

Armer Vater!" entfuhr es Hans unwillkürlich.

Jede Erinnerung an Deine verstorbene Mutter erregte ihre Eifersucht," fuhr der Kommerzienrat fort, und in auf­steigender Bitterkeit setzte der Sohn hinzu:

Bis zu dem Grade, daß sie kein Bild von ihr im Hause duldet, ja sogar einen Nervenanfall erlitt, als sie ein solches unversehens in meinem Zimmer entdeckte."

O, dieser Auftritt war entsetzlich!" rief der Kommer­zienrat,-aber die unglückliche Frau ist krank. Ihre Eifer­sucht auf Dich, ihre Behauptung, ich zöge Dich Deinen Ge­schwistern vor, ist ebenfalls krankhaft und ungerecht. Mir sind meine drei Kinder ganz gleich lieb."

Und ich liebe meine Geschwister von ganzem Herzen," sagte Hans.

Davon hast Du einen schönen Beweis gegeben," er­widerte der Kommerzienrat, das Gespräch wieder zu seinem Ausgangspunkte zurücklenkend.

//Ich hoffe, zwischen Adalbert und mich wird hinfort niemals etwas treten können, wir werden Brüder im voll­sten, schönsten Sinne sein!" sagte Hans mit einem bei ihm nur selten hervorbrecheuden Enthusiasmus.

Und ich darf meinen beiden Söhnen das gleiche Ver­trauen schenken und stolz auf sie sein!" rief der Kommerzien­rat.Ach, Hans, Du weißt nicht, was Du mir soeben ge­geben hast!"

Die Erklärung des Sohnes hatte noch eine Besorgnis von der Seele des alten Herrn genommen. Da Adalbert von seinem Bruder aus der Verlegenheit geholfen worden war, hatte für die Mutter nicht die Versuchung vorgelegen, um seinetwillen sich an der Kasse des Vaters zu vergreifen.