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Lis Leonhard imstande sei, einen Haushalt einzurichteu, in dem sie ihm alle Dienste zu leisten freudig gewillt war.
Und nun hatte sich bald nach ihrer Ankunft Arbeit in Hülle und Fülle für sie gefunden. Sie war es gewesen, die Olaf in den ersten Tagen seiner Krankheit gepflegt hatte, während Leonhard noch in der Meerschaumfabrik thätig war. Sie hatte sich erst zurückgezogen, als mit der fortschreitenden Besserung Olaf seine klare Besinnung wieder erlangte, und es wünschenswert erschien, jede Aufregung von ihm fern zu halten. Man konnte ja nicht wisfen, wie er das Wiedersehen mit ihr auffassen würde.
Nun wußte sie's. Und fast ohne Worte war es klar zwischen ihnen, daß sie sich niemals wieder trennen würden.
Sie hatte zugleich mit der Luft Anatoliens die freudige Bewunderung eingeatmet, die man hier dem siegreich vordringenden Heere der „Eisenbahner" entgegenbringt, siegreich im Kampfe mit der Wildnis, mit den Hindernissen des Bodens, der mächtig sich auftürmenden Felsen, siegreich im Kampfe mit der unzuverlässigen Bewohnerschaft, den gewaltthätigen Tscherkeffenhorden. Und Olaf war Offizier in dieser Armee des Friedens; einer der besten, einer der tüchtigsten. Das hatte der Oberingenieur wiederholt betont, wenn er in banger Sorge um Olafs Leben an dessen Lager stand. Olaf war der Mann, der hoch über ihr stand, zu dem sie aufblicken, den sie lieben mußte! Und beinahe wäre er als Opfer gefallen- beinahe — sie hatte ihn dem Tode abgerungen, sie hatte ihn dem Leben erkämpft, für sich erkämpft. Ein wonniges Glücksgefühl ergoß sich über sie, unfaßbar, unglaubhaft noch für die so hart vom Schicksal Verfolgte.
„Du wirst glücklich, meine Schwester! Nun ist alles gut", flüsterte Leonhard ihr zu, als sie das erste Mal des Abends zu dreien zusammen saßen.
Martha ließ sanft ihre Hand aus der ihres Bräutigams gleiten und umfing ihren Bruder.
„Wenn unsre Mutter das erlebt hätte!* murmelte sie, und eine Thräne rollte langsam über ihre Wange, eine Thräne des Glücks, der Wehmut, der Reue. Heute, wo sie selbst glücklich war, wo der Fluch, der von ihrem Vater her auf ihnen zu lasten schien, von ihr genommen war, kam es ihr zum Bewußtsein, wie unerbittlich grausam sie gegen das Andenken ihres Vaters, wie hart sie gegen ihre Mutter gewesen war, und jedes der bittern Worte, die sie ihr zugerufen an dem Abend, als Leonhard von ihnen ging, ward vor ihr lebendig. Heute, wo sie aus voller Seele liebte, fühlte sie, wie es ihr gemangelt hatte an der wahren, vergebenden Liebe. „Vergieb mir, bergieb mir, Du Treue, Gute, Engelreine", betete sie in ihrem Herzen, „wie ungerecht war ich gegen Dich!"
Der harte Zug, der sich in den letzten Jahren so fest in ihr Gesicht eingegraben hatte, begann sich zu verwischen und einem milden Ernste Platz zu machen, der ihr etwas Verklärtes gab.
Voll innigen Glücks betrachtete Olaf seine Braut. Alles sand er wieder, was er ehemals in ihr geliebt hatte: den klaren, reinen Sinn, die Frische, die geistige und körperliche Spannkraft, die ihr gerade hier so vonnöten sein würden,- — und mehr noch, unendlich mehr: weibliche Milde, Sanftmut und Hingebung- Eigenschaften, die vielleicht in ihr geschlummert hatten, die das Unglück ihr geraubt, die das Glück ihr wiedergeschenkt hatte.
Nicht minder beglückt wie die beiden Liebenden selbst war Leonhard. Zum erstenmale feit mehr denn sechs Jahren war er wieder von Herzen vergnügt, zum erstenmale war Lüstre Schwermut von ihm gewichen, und ab und zu blitzte es wieder in seinen Angen von frohem Uebermute wie ehedem.
Wenige Tage darauf durfte Olaf seinen ersten Spaziergang unternehmen. Martha begleitete ihn. Er stützte sich auf ihren Arm und sog die weiche, duftgetränkte Luft in vollen Zügen ein. Langsam in stillem Genießen wandelten sie durch die blühenden Felder. Im weiten Halbkreis umrahmten graue Hügel das Bild fruchtbaren Lebens. Zur
Seite des Weges graublättrige Maulbeerbäume, und wie festliche Guirlanden rankten sich von einem zum andern die Rebengehänge. Weithin dehnten sich ringsum hohe Mohnfelder, farbenprächtig, sonnenbestrahlt, buntgeflammt, vom zartesten Blaßviolett bis zu leuchtendem Purpur und feurigem Rot - eine Jubelstnfonie der roten Farbe, eine Verkörperung der Lebenslust. Und vor ihren Augen wurde eine Szene lebendig, die tief in ihre Herzen gegraben war. Die roten Mohnfelder verwandelten sich in ein rotes Nelkenbeet, die festlichen Maulbeerbäume in die verstaubten Sträucher eines Vorstadtgartens- und mitten drinnen saßen zwei Menschenkinder in der Blüte verheißungsvoller Jugend- sie liebte» einander, sie schwärmten, sie dichteten--Und leise be
gann Martha, ihre Wange an Olafs Schulter legend:
„Emst wandelt' ich, im Waldesgrün verborgen, Auf einem Pfad von zauberischer Pracht. Es schien die Welt zu ewig jungem Morgen Soeben aus dem Schlummer erst erwacht".
Und Olaf neigte sich herab zu ihr. Seine treuen blauen Augen tauchten in ihre reinen braunen- voll Inbrunst küßte er ihre klare Stirn - und aus tiefstem Herzensgrund flüsterte er dankerfüllt und beseligt:
„Mein Lieb, zum Paradiese zu gelangen Muß man zu zweien auf der Wandrung sein".
Gemeinnütziges.
Reinigen der Kleiderbürsten. Die eben gebrauchte Bürste reibe man, wie der „Praktische Wegweiser", schreibt, jedesmal gegen ein reines Papier, welches man mit einer Hand gegen die scharfe Ecke eines Tisches hält, so lange, bis das Papier, welches man beim Reiben immer vorschiebt, rein bleibt. Dies ist in wenig Augenblicken geschehen. Man schont die zu reinigenden Kleidungsstücke auf diese Weise sehr, da die unreinen Bürsten denselben oft mehr Schaden thnn, als der Gebrauch und der Staub.
OesrmdHettspflege.
Fingernägelknabbern läßt sich, nach einer Mitteilung des „Praktischen Wegweiser", Würzburg, bald abgewöhnen, wenn die Nägel so gepflegt werden, wie es sich gehört. Was die Kinder alles während des Tages anfaffen, läßt sich gar nicht aufzählen, und von allem bleibt etwas an den Händen kleben. Die Hände werden wohl gewaschen, aber was sich unter den Nägeln versteckt, bleibt in der Regel sitzen. Auch um den Nagel herum unter der Haut bleibt Schmutz. Dazu unterlassen viele Leute auch, die Haut von der Nagelwurzel herunter zu schieben. Da spannt sich die Haut, fühlt sich heiß und unbequem und auch unter dem Nagel fühlt sichs unbehaglich. Weniger feinfühlige Leute mögen das nicht so empfinden, aber bei Kindern ist der Gefühlssinn ziemlich ausgeprägt. Sie fragen nicht lange warum? sondern bearbeiten instinktgemäß die Fingernägel mit den Zähnen, schlucken etwaige Mikroben mit hinunter und überlassen es anderen sich zu wundern, wovon sie krank geworden. Es ist wohl nicht immer möglich, vor dem Schlafengehen zu baden, aber Gesicht und Hände können gewaschen werden. Mit dem Seifenlappen und Daumen sollte die Haut um den Nagel gut zurückgerieben werden, damit aller Schmutz auch wirklich entfernt wird, und ebenso beim Abtrocknen- und die Nägel müssen gesäubert und beschnitten werden. Dann fühlen die Finger sich so wohlig, daß die Kinder das Knabberndaran unter- laffen und es sich bald ganz abgewöhnen. E. O. K., New.-Orl.
Mittel gegen Verbrennungen nnv Verbrühungen. Ein sehr einfaches Mittel, das sogleich die Schmerzen lindert und selbst die größten und tiefsten Wunden in verhältnismäßig kurzer Zeit und ohne Zurücklassung einer Schramme oder Narbe heilt, kann jede Hausfrau leicht bereiten, indem sie ein frisches Ei mit einem eigroßen Stück frischer Butter recht gut verrührt, diese Salbe auf ein leinenes Läppchen


