164
sacht und das Ausbügeln notwendig macht, von selbst seine ursprüngliche Form annehmen. Man kann den Hut — so sagt der Erfinder — gewaltsam eindrücken, einschlagen, man kann wo immer anstoßen, den Hut auf den Boden fallen lassen, er bleibt stets straff und unversehrt. Dabei unterscheidet er sich in Aussehen, Form und dem zu seiner Herstellung verwendeten Material durch nichts von einem gewöhnlichen Zylinder, er ist nur teurer. Das Geheimnis an diesem Wunderhut liegt in einem in sich abgeschlossenen elastischen, kreisförmigen Stahldraht, der frei auf dem Boden des Hutes liegt, demselben genau angcpaßt ist und durch seine starke Spannung sich nicht nur unverändert in seiner Lage erhält, sondern nach jedem Druck den Hut augenblicklich in seinen früheren Zustand bringt. Die Wiener Mode bringt heuer sehr hübsche, weiche, runde Formen mit hohem Kopf und mäßig breiten, gebogenen Rändern- ferner halbhohe steife, zierliche Formen mit Anlehnung an die Londoner Mode- endlich einen ziemlich geschweiften Zylinder mit nicht zu großen Rändern.
Bemalte Ostereier. Weshalb verschenkt man zur Osterzeit Eier und weshalb werden diese bemalt? Hierüber giebt ein im neuesten (5.) Hefte der „Illustrierten Frauen-Zeitung" (Verlag von Franz Lipperheide in Berlin) veröffentlichter Aufsatz von Hans Förster ausführliche Antwort. „Im germanischen Norden war es Ostara, die Göttin des Frühlings, die zur Zeit der Frühlingsnachtgleiche ihren Einzug durch das goldene Thor des Himmels hielt. Sie weckte die Natur aus ihrem Winterschlafe, neues Leben grünte und blühte aus der schlummernden Erde empor. Deshalb weihte man ihr als Symbol das Ei, in dem schlummernd die Keime künftigen Lebens ruhen. Golden, wie die Sonnengöttin selbst, mußte es gefärbt sein, oder rot wie Donar, der Sonnengott, ihr Genosse am Tische der Götter-, Dann kam das Licht vom Orient. Ihm mußten die alten Heidengötter weichen. Aber die alten Gebräuche blieben und verschmolzen mit den Zeremonien des Christentums. Das Osterei wurde das Sinnbild des Todesschlases und der Auferstehung Christi. Und heute noch werden von den Kindern die Eier gesucht, die der Osterhase oder Oster- hahn, beide das Sinnbild der Fruchtbarkeit, gelegt haben". Das ursprünglich rot oder gelb gefärbte Ei genügte aber dem Kunstsinn der Leute nicht mehr, man begann daher damit, es mit Blumen, Arabesken, schnäbelnden Tauben usw. zu schmücken. Eine intereffante Sammlung bemalter Ostereier beherbergt das Märkische Museum in Berlin. Sie enthält unter anderen Ostereier aus den Havel-Dörfern, aus Neu- Vorpommern und der sogenannten Wendei. In den Havel- Dörfern werden seit uralten Zeiten die Eier ausgepustet, mit Binsenmark- und bunten Papierstückchen beklebt und so als Schmuck an den Fischerhäusern aufgehängt. Die Eier der Wendet zeichnen sich durch ihre geschickte Bemalung aus, die weißen Arabesken und Blumen auf terrakottafarbenem Grunde sind oft so vollendet ausgeführt, daß man glauben möchte, sie rühren von Künstlerhand und nicht von Bauernburschen her. Oft sind die Bilder durch Sprüche erläutert, in denen die Volkspoeste vollendet zum Ausdruck kommt. Da wirbt der Bursche, noch scherzhaft, um seine Dirn: Ich wünsche, Liebchen, froh und frei,
Mich Dir, Dich mir zum Osterei.
Das Mädchen nimmt die Sache ernster: Dies Ei ist rosenrot, Du sollst mich lieben bis in den Tod.
Darauf der Bursch!
Ob ich Dich liebe? Frage dies Ei, Das ich Dir sende mit Liebe und Treu'!
Und schließlich kommt's zur fröhlichen Hochzeit:
Ich, Du, das Ei, Das sind unser drei,
Teilen wir das Ei, Bleiben unser zwei, Einen wir uns zwei, Bleibt's bei Einerlei.
Jägerlatein. Im Gasthause „Zu den drei Linden" pflegte sich allabendlich eine kleine Anzahl von Stammgäste» zu versammeln. Das Bier war gut, es schmeckte und bekam vortrefflich und geschwatzt wurde da viel und besonders viek Jägerlatein. Darin war der alte Forstwart Hausman« unübertrefflich. Der wußte immer etwas Neues zu erzählen, aber andere sagten ihm nach, daß er nie ein wahres Wort gesprochen. Einmal hatte er jedoch alle gründlich aus's Glatteis geführt und die Wahrheit gesprochen, als er gerade am allertollsten im Zuge war, ihnen einen mächtigen Bären aufzubinden. „Ja, meine Herren, es passiert so manches in Gottes freier Natur, wovon sich die Stubenhocker nichts träumen lassen", sing der Forstwart an zu erzählen. „Da sah ich eines Tages da draußen an dem Waldessaume am Fuße eines alten bemoosten, hölzernen Marterkreuzes, das da zu Ehren eines meuchlings ermordeten Försters aufgestellt ist, einen Totenkrpf und neben ihm einen Fuchs, der weder meine Flinte, noch meine Diana beachtete, sondern ruhig auf seinem Platz verharrte und Siesta hielt. Ich hätte ihm ja eins aufbrennen können, aber da ich es nicht that, unterblieb es eben, und so verhielt sich denn mein Köter ebenfalls neutral. Den Totenkopf aber gedachte ich mitzunehmen und bückte mich nach ihm, ohne auf den Fuchs weiter zu achten. D« geschah etwas, für dessen Wahrheit ich Ihnen bürge! Ja, meine Herren, da erhob sich der Fuchs hoch in die Luft und mit ihm der Totenkopf, und beide flogen auf und davon auf Nimmerwiedersehen". — — „Lüge Du und der Teufel", fiel ihm der Ortsrichter in's Wort. Der Forstwart aber blinzelte in seinen Krug hinein, bis er leer war, und fuhr dann fort: „Ich habe mein Lebtag noch nicht gelogen, aber hören Sie nur weiter. Da steht mit einem Male ein Junge, der die Gänse hütete, hinter mir, und was meinen Sie wohl, was der dazu sagte?" „Herr Förster", hat er gesagt, „schade, bet war'n so'n paar scheene Schmetterlinge!"
Hrtrirsvistischrs.
Elsässer-Französisch. Ein elsässischer Bauer, der Magenschmerzen hat, sagt zu seinem Sohn: Jean, lang mer emol d'r Cognac vom Chiffonier, mir isch so singufier im Buch.
♦ *
*
Wie sich das kleine Hänschen den Himmel denkt, geht aus folgendem Zwiegespräch hervor, das der T. R. eine deutsche Pfarrersfrau mitteilt: Hänschen: „Vater, hat der liebe Gott gar keine Frau?" — Vater: »Nein, mein Junge!" — Hänschen: „Wer zankt dann aber mit den Engeln?"
* *
*
Gesch äftsgeist. Tarnowitzer junior (im Kalender lesend): „In diesem Jahre wird die Erde durch den Schweif eines Kometen gehen, man befürchtet ernstlich —* Tarno- witzer senior: „Häng' sofort e Schildche in's Fenster: Totaler Ausverkauf wegen Untergang der Welt!" (Lust. Bl.)
* * *
Humor des Auslandes. Er: Für wen strickst Du denn diese Socken? — Sie: Für einen Wohlthätigkeits-Verein. — Er: Ach! gieb ihnen doch meine Adresse! Vielleicht schickt man mir auch ein Paar.
♦ • •
Frau Gutherz (zur Bonne): Karoline, geben Sie Acht, daß sich die Kinder nicht aus das naffe Gras setzen; sie könnten sich erkälten. Wenn die Kinder müde sind, können Sie sich ja hinsetzen und sie auf den Schoß nehmen.
Redaktton: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Arühl'schen Nniversitäts-Buch- und Stelndruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


