Ausgabe 
19.3.1899
 
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eine gewöhnliche Dienerin, die man entläßt, wenn man ihrer i Dienste nicht mehr bedarf?"

Lasten wir den Herzog, Onkel er weiß nicht, daß ich das Schloß verlassen er wird es morgen erfahren ich selbst werde es ihm anzeigen und dann dann" I

Nun und dann?"

Dann wird es sich zeigen, ob der Herzog mich liebt ob er seine Worte, die er zu mir gesprochen, wahr machen wird!" ,

Elsie? Was sprechen Sie?" rief der General in gut­gespieltem Erstaunen.Sie sprechen von einer Liebe des Herzogs zu Ihnen?! Ja, wissen Sie denn nicht, daß ein Herzog niemals ein Mädchen ohne Stand und Namen im Ernste lieben kann? Kind, Kind, besinnen Sie sich. Er­zählen Sie mir aufrichtig, was vorgefallen ist, denn daß etwas vorgefallen, sehe ich Ihnen an."

Ich habe Ihnen nichts zu erzählen, Onkel, als was ich Ihnen schon sagte: der Herzog hat mir seine Liebe erklärt ich liebe den Herzog was daraus werden soll, ich j weiß es nicht, nur der Herzog weiß es, und seinem Willen lüge ich mich. Aber bis er über mich, über mein Leben und meine Zukunft entschieden hat, bitte ich um Aufnahme in Ihrem Hause, bitte ich um Ihren Schutz. Im Schlosse vermag ich nicht zu bleiben, man würde mir vielleicht ver­ächtliche Beweggründe unterschieben und ich verdiene diese Verachtung nicht!"

Der General war ernst geworden. Im Stillen über­legte er, was er thun sollte. Er wußte, daß man schon in der Gesellschaft von einem Verhältnis sprach, in dem der Herzog zu Elsie stand. Sollte das Mädchen vom Hofe ent­fernt werden und er nahm es jetzt in seinem Hause auf, so stellte er sich doch gewissermaßen in Gegensatz zu dem Hofe. Anderseits konnte es der Herzog sehr übel vermerken, wenn Man Elsie die Thüre verschloß. Der General war zu sehr Hofmann, als daß er die Unbequemlichkeit seiner Stellung Nicht unangenehm empfunden haben sollte.

Er ging einigemale sinnend im Zimmer auf und ab. Dann nahm er an der Seite Elstes Platz, ergriff ihre Hand And sprach in väterlichem Tone:Mein liebes Kind, das ist «ine sehr unangenehme Geschichte. Ich bin wirklich in Ver­legenheit, wie ich Ihnen alles erklären soll. Sie haben sich in eine sehr gefährliche Situation begeben"

Ich sehe schon, Onkel," unterbrach Elsie seine Rede, Sie wollen mir die Bitte um Aufnahme in Ihr Hans Abschlägen?"

Lassen Sie uns ruhig und vernünftig weiter sprechen, Elsie," entgegnete der General.Sie wissen, daß ich es von Anfang unserer Bekanntschaft an gut mit Ihnen gemeint habe. Aber Sie kennen auch meine Frau sie hat sehr strenge Ansichten, sie würde sich nicht an den Gedanken ge­wöhnen können sie würde Ihnen vielleicht schroff begegnen kurz, Elsie, Ich will Ihnen einen Vorschlag machen: Kehren Sie in das Schloß zurück warten wir die Ent­wickelung der Dinge ab die Herzogin wird Sie nicht werlaffen, Sie nicht fallen taffen; sie war ja wie eine Mutter zu Ihnen; oder wenn Sie im Schloß nicht bleiben sollten, bann dann engagiere ich Sie am Thater, ich bin sicher, daß Sie große Erfolge davontragen, und daß der Herzog das Engagement mit Freuden bestätigen wird. Sie sind dann selbständig, Sie brauchen dann niemandem Rechenschaft abzu­legen, Sie werden eine berühmte Künstlerin wir werden Ihnen die Wege ebnen ich sowohl wie der Herzog. Hab' ich nicht recht, Elsie?" (Fortsetzung folgt.)

GEeinnÄtzigeG.

Aeld und Karten.

Ein Preisausschreiben für das beste Resultat mit den Pflanzversuchen der neuen frühtragenden Traubengurke

hat derPraktische Wegweiser", Würzburg, erlassen. Das Blatt versendet an seine Abonnenten, welche die Abonnements- Quittung sür das zweite Quartal einschicken, kostenlos und sranko eine Portion Samen dieser Gurke, wenn dabei die Verpflichtung übernommen wird, über das Ergebnis später auf einem vorgedruckten Fragebogen Bericht zu erstatten. Das beste Ergebnis wird prämiiert. Wer sich von unseren Lesern hierfür interessiert, wolle sich nähere Auskunft von der Redaktion des genannten Blattes einholen.

Wie sich doch die Zeiten und Ansichten ändern! Wie lange ist es her, daß es sür unmöglich gehalten wurde, in Norddeutschland, wie überhaupt im kälteren Klima, schöne, reife Weintrauben zu erzielen, und jetzt wird diese Ansicht als unrichtig verworfen. In der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst und Gartenbau* beschreibt ein Herr aus Oberschlesien ein ganz einfaches Weinhäuschen, das er sich selbst erbaut hat, in dem er im vergangenen Jahre von jedem Weinstockevierzig große Trauben mit Beeren von der Größe der Pflaumen und Kirschen- erzielt hat! Die Nummer mir dem lehrreichen Aufsatze das Weinhäuschen ist abgebildet wird auf Wunsch von dem Geschäftsamte des praktischen Ratgebers, Frank­furt a. d. Oder, umsonst zugeschickt.

Mumenpflege.

Heliotropium als Winterblüher. Es ist sehr zu verwundern, wie selten man dock das durch seinen vanille- ähnlichen Duft allgemein beliebte peruvianische Heliotropium zur Lieferung von Schnittblumen während der zeitigen Winter- monate vorfindet; und doch ist nichts leichter, als seinen Flor in diese Jahreszeit zu verlegen. Eine sachgemäße vorbe­reitende Anzucht ist auch hier wie bei allen arideren Gelegenheits-Winterblühern" notwendig. Im Frühjahr werden die Heliotropium ans Stecklingen, wie üblich einge- topft und bann, so oft die Wurzeln das Gefäß füllen, immer von neuem verpflanzt. Ein freier sonniger Standort, ein zeitweiliger Dnnggnß mit dünnflüssigem Kuhmist und das Entspitzen, sowie Entfernen aller Blütenknospen haben bis Ende August kräftige, gedrungene Büsche erzeugt. Diese werden nun noch einmal umgesetzt, in ein Kalthaus oder einem lauwarmen Kasten nahe unter Glas gestellt und im Wachstum sich selbst überlassen. Auf diese Weise behandelt wirb bas Vanille-Heliotrop bis Weihnachten reichlich blühen.

VevnEehter.

Neue Herrenhüte. Ein Blick auf die Herrenhüte, bie heuer mobetn ftnb ober sein werben, zeigt, baß auch biesmal in erster Linie Englaub bie Vorschriften bafür giebt, wie sich bie Herren zu kleiben haben. DieNeue freie Presse* berichtet barüber: Für bie steifen, runbett Hüte bringt die Lonboner Tatest fashion brei Farben: Schwarz, Brann unb ein meliertes Drap; diese Hüte sind nur in einer Type vertreten: Hoher, voller Kopf mit breitem, sanft aufgebogenem Rande. Eine neue Fasan ist für weiche, runde Hüte fest­gesetzt ; es ist eine Nachbildung der Kopfbedeckung der ameri­kanischen Soldaten, der Hut ist auch nach dem Sieger von Manila, Admiral Dewey, benannt und wird jetzt in London stark getragen. Stark abweichend von der Pariser Mode ist heuer der Londoner Zylinder. Während die Pariser Type ziemlich niedrig, mäßig geschweift und mit breitem Rande versehen ist, zeigt der englische Zylinder eine sehr hohe, wenig geschweifte Form mit stark aufgebogener Krempe. Eine bemerkenswerte Novität bringt ein Pariser Hutmacher auf den Markt; wenn all das zutrifft, was von dem neuen, Pueumatic" benannten Hute erzählt wird, so ist er das Ideal eines Zylinders. Dieser neue Hut soll elastisch wie ein Gummiball fein unb bei jeder äußeren Einwirkung, die bei einem andern ZylinderBuckeln", Falten u. dgl. verur-