Ausgabe 
19.1.1899
 
Einzelbild herunterladen

39

erste Zeit i..., , konnte und kämpfe mich durch. Laß uns ein Wieder- sehen hoffen, wenn auch in ferner Zeit."

Die erste schwere Thräne feuchtete, ihre Wimper, als sie diese Zeilen für die Mutter unter der auszubesiernden Wäsche barg, aber es mußte sein.

Dann fand sie sich auf dem Bahnhof, wo sie ein Billet dritter Klaffe löste. Sie war nicht früh 'gekommen, ihr Handköfferchen hielt sie in der Hand und drückte sich scheu an den Wänden, um nur nicht von irgend einem Bekannten entdeckt zu werden. Um diese Zeit war es leer, den Nacht­zug benützten wenige, aber der Perron war tageshcll im Strahl des elektrischen Lichtes, und einige Offiziere vom Regiment, in dem Albert stand, wandelten schwatzend und

rauchend auf und ab.

Ihr schlug das Herz doch wild, und hier erst überkam sie mit voller Wucht das Gefühl des Alleinstehens. Der heranbrausende Zug bog um die Kurve, die glühenden Augen wurden sichbar und kamen näher, er hielt in der Station. Die Schaffner rissen die Thüren auf, die Passagiere stiegen aus ihr Herz stockte. Aus dem Salonwagen erster Klasse trat Albert auf den Perron, mit lautem, fröhlichem Willkomm von den Kameraden begrüßt. Ihre Füße wankten, und ein Schwindel erfaßte sie er kam zurück von Trautdorf, sie sah in der strahlenden Helle deutlich sein Gesicht, die schlanke, elegante Gestalt, das sonnige Lächeln auf den geliebten Zügen. Sie hörte seine vertraute, fröhliche Stimme, während er sorglos mit den Gefährten plauderte, und ihre Kraft drohte sie zu verlaffen.

Wie fern war sie ihm wie fern! schrie es in ihr aufl Sie taumelte vorwärts und stieg hastig in das Frauencoups dritter Klasse, wo eine halb schlafende Arbeiterin ihr weinendes Kind zu beruhigen suchte.

Ein wilder, wahnsinniger Schmerz überkam sie noch einmal, Zagen, Zweifel, Grauen. Hatte sie doch zu rasch gehandelt? Vielleicht gab es Entschuldigungen für ihn? Nein er selbst hatte in seinem Billet die ganze Idee Blödsinn genannt, während er ihr vorher einen sicheren Er­folg vorspiegelte also unausführbar was aber war ihr Verhältnis zu ihm bann? Eine aussichtslose, heimliche Liebschaft, die sie entwürdigte und ihren Ruf untergrub. Es hatte sein müssen. MA

Sie saß mit offenen Augen regungslos während der ganzen Fahrt, an die harte Holzwand gelehnt, und kämpfte mit ihrem rebellischen Herzen.

(Fortsetzung folgt.)

Fräulein Dreifuß.

Hine wahre Geschichte von Willy Weber.

------- (Nachdruck verboten.)

Sie war ein ganz nichtsnutziges Ding. Vor allem besaß sie einen unbezähmbaren Drang zum Umhertreiben und Vagabondieren. Alle Ermahnungen der Mutter halfen nichts, selbst einige derbe Katzenköpfe des Vaters blieben ohne Wirkung. Man konnte zehn gegen eins wetten: wurde Miez" gesucht, so war sie nirgends zu finden.

Im übrigen warMiez" ein hübsches Tierchen mit seidenweichem grauen Fell, klugen Augen, langen Spurhaaren- sie konnte sich ganz gut aufs Schmeichelkätzchen hinausspielen, wenn sie nur wollte. Aber da Jugend keine Tugend hat, wollte sie gewöhnlich nicht. Befreundet hatte sie sich eigentlich nur mit der Tochter des Hauses, der blonden Else, deren Liebkosungen sie unter lautem Schnurren entgegennahm. Allen übrigen Familienmitgliedern brachte sie Teilnahmlosig- keit, sogar Geringschätzung entgegen, die Magd aber haßte sie geradezu. AlsMiez" eines morgens an den Sahnen­topf gegangen war, war sie von der Magd ertappt worden. Sie hatte sich zwar durch einen verzweifelten Sprung in Sicherheit gebracht, aber die Magd hatte hinter dem Flücht-

noch rufen.

Im Hause war es soweit ganz hübsch, aber das Herum­laufen im Garten, auf der Straße, im Feld und Wald gefiel Miez" eben besser. Gefahrlos war das allerdings nicht - einmal hatte sie von einem Kutscher einen Peitschenschmitz abgekriegt, in den See war sie auch schon geraten, ein Hund hatte sie in den Schwanz gebissen, sogar Schrote waren ihr schon um die Ohren gepfiffen, als sie sich zu dicht an die Kette der Jäger herangewagt hatte.

Sie klagte ihre Not der Mutter.Wer nicht hören will, muß fühlen«, hatte sie die abgewiesen,an Ermahnungen hat es nicht gefehlt, aber wenn du sie alle in den Wind schlägst ..."

Miez steckte eine zerknirschte Miene auf, dabei dachte sie aber: Redet mir vor so viel ihr wollt, das geht bei mir zu einem Ohr hinein und zum anderen hinaus. Und so blieb es beim Umhertreiben.

Eines Tages strich Miez über einen Kartoffelacker. Vor­sichtig duckte sie sich die Furchen entlang, da raschelte es vor ihr, und ein junges Rebhuhn stieg mit raschem Flügel­schlage auf. Miez nahm sofort die Verfolgung auf. Sie hatte sich auch bald an das Tierchen herangepürscht und wollte eben zum entscheidenden Sprunge ausholen, da ließ sich plötzlich ein großes Rebhuhn beinahe vor ihrer Nase nieder.Mir auch recht", dachte Miez, sprang zu und verfehlte das Huhn, das blitzschnell zur Seite gelaufen war. Dieses Spiel wiederholte sich noch einige Male, und als Miez noch einen Gewaltsprung riskierte, stieg das Rebhuhn auf und strebte dem nächsten Gebüsch zu, in welchem sich das Junge längst in Sicherheit gebracht hatte.Was für Schlau­berger das sind", knurrte Miez,'ne solche Fopperei ist noch gar nicht dagewesen. Nun sitze ich hier und kann mir den Mund wischen". ,

Sie schlängelte sich noch vorwärts bis zu einer einsam am Wegrand stehenden Scheune, vielleicht gabs unter dem Dachfirst einen Sperlingsbraten. Sie staunte nicht wenig, als sie an der Thür schon eine Katze sitzen sah; pechschwarzes Fell, verschmitzte, gelbe Augen, emporstrebende Ohren. Wie ein Blitz schoß ihr der Gedanke durch den Kopf: diese Katze ist ein Kater, und vor dem Zusammentreffen mit Katern hatten sie ihre Eltern so eindringlich gewarnt! Aber ehe sie sich noch zurückziehen konnte, war sie schon bemerkt worden. Mit zierlichen Schritten tänzelte der Schwarze auf sie zu: Guten Tag, Fräuleinchen", schnurrte er in außerordentlich jovialem Tone,wo kommen Sie denn her, mit wem habe ich denn das Vergnügen? Ich bin der schwarze Peter vom Dominium".

Ich heiße Miez", flüsterte sie schüchtern,und wohne drunten beim Bauunternehmer".

Na, soweit 'ne ganz nette Gegend, aber wir vom Dominium sind doch immer herrschaftliche Katzen . . .", er setzte sich in Positur und drehte sich die Spurhaare. Nun entspann sich eine allgemeine Unterhaltung- die Mäusefrage wurde diskutiert, die Ruppigkeit der Dienstboten besprochen, die Gemeingefährlichkeit der Hunde erörtert. Dann wurde das Gespräch intimer, es wurde leiser geführt und ging schließlich in ein vergnügliches Schnurren über . . .

Also leb' wohl für heute", miaute schließlich der schwarze Peter zärtlich und reichte Miez graziös die Pfote. Es bleibt also bei unserer Verabredung morgen gegen Abend an derselben Stelle!"

°>" D.rl-h«,.d°- . |

iW hattet SÄtte

Einmal hatte Miez das Fleisch vom hif,

te sich in die Schlafstube geschlichen und als ablML^ Magd die Thür öffnete, war sie fauchend und pustend M Treppe hinuntergesaust, daß die Magd vor Schreck um Hilfe chrie, weil sie Einbrecher vermutete, und schließlich hatte sie hre Krallen ordentlich gebraucht, als sie gefangen werden sollte.Biest elendigliches . . . .", hörte sie die Gekratzte