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gegen ein solches Verfahren protestierte und erklärte, daß sie Arnikatinktur an Wunden durchaus nicht vertragen könne, setzte Frau Dippelmann ihren Willen durch, und acht Tage lief das Mädchen mit einem so umfangreichen Verbände an der Hand umher, daß von Hausarbeit gar keine Rede sein konnte. Dann zeigte sich — nach Mathildes Ansicht infolge der Tinktur — die kleine Wunde so bösartig, daß man zum Arzte schicken mußte, der kopfschüttelnd den Finger schnitt und die Sache in weiteren acht Tagen wieder glücklich in Ordnung brachte.
Wenn diese Erfahrungen den Kuriereifer der Frau Dippelmann auch nicht gerade anfeuerten, so dauerte doch die Lust zum Quacksalbern noch eine geraume Zeit fort. Niemand war vor ihren Medikamenten sicher, und die Kinder ergriffen schon die Flucht, sobald sie die Mutter eine verdächtige Bewegung nach dem verhängnisvollen Arzneischränkchen machen sahen.
Da ereignete sich bei einer „kalten" Abendgesellschaft im DiPPelmann'schen Hause, daß der Hausherr einer seiner vielen Lieblingsspeisen — diesmal waren es in Gallert gekochte Rippchen von jungem Wildschwein — reichlich viel Ehre ange- than hatte- selbst das von Herrn Dippelmann sofort angewandte Hausmittel, nämlich ein nicht zu kleines Gläschen „Hennessy" mit drei Sternen, wollte dagegen nicht anschlagen.
Das war nun etwas für die Hausfrau. Mit Begeisterung eilte sie an ihre geliebte Hausapotheke und kam mit einem Büchschen zurück, dessen Inhalt sie als Pepsin- Magnesia bezeichnete. Herr Dippelmann machte gute Miene zum bösen Spiel, sperrte gehorsam seinen Mund auf und bekam einen Kaffeelöffel voll des Pulvers auf die Zunge geschüttet und einen Schluck Wasser nachgegoffen.
Die Kur hatte eine ganz unerwartete Wirkung.
Wie wahnsinnig sprang Herr Dippelmann empor, lief räuspernd, hustend und prustend im Zimmer umher und drohte, nachdem Atem und Redekraft nach und nach wiedergekehrt waren, mit sofortiger Andieluftsetzung der ganzen vermaledeiten Hausapotheke, wenn ihm von deren Inhalte noch einmal irgend etwas nähe gebracht würde.
Selbstverständlich war Frau Dippelmann nicht wenig gekränkt, und mit Recht. Seine besten Absichten so mißverstanden zu sehen, ist schmerzlich, und zudem wußte sie ganz gewiß, daß Herr Dippelmann sich irrte, wenn er das ihm kunstreich applizierte, wohlthätige Pulver für eine Mischung von Ziegelmehl und Torfstreu erklärte. Es war Pepsin- Magnesia und nichts anderes, dabet blieb sie, bis der in der Gesellschaft anwesende Droguist Müller die Schachtel zur Hand nahm und deren Inhalt schnell als Zahnpulver feststellte.
Diesem fachmännischen Urteile gegenüber konnte Frau Dippelmann ihre Behauptung, daß sie noch niemals Zahnpulver in ihrer Hausapotheke aufbewahrt habe, nicht lange aufrecht erhalten- kleinlaut mußte sie schließlich die Möglichkeit eines Versehens zugeben.
Seitdem ist die wackere Dame in der Wahl ihrer Kur- Objekte sehr vorsichtig geworden, beschränkt ihren medizinischen Eifer fast ausschließlich auf die wehrlosen Kinder und hört es ungern, wenn man, was im Kreise ihrer Bekanntschaft merkwürdig häufig geschieht, von dem Nutzen der Hausapotheken im allgemeinen und der sanitären Wirkung des Zahnpulvers als innerliches Mittel im besonderen spricht.
Geineinniltziges.
Ein Glas für eisgekühlte Getränke. Das Prinzip der Gefäße mit doppeltem Boden und doppelter Wandung, welches zum Warmhalten von Getränken usw. schon lange in der Krankenpflege Anwendung findet, ist nunmehr ärztlicherseits auch dazu verwendet worden, um das beim Kühlen der
Getränke in Eisschalen lästige Abwischen der feuchten Gefäße vor dem Gebrauch zu umgehen. Das wird erreicht, indem ein kleines Gefäß in das mit Eisstückchen gefüllte größere tonnensörmige Gefäß hineingestellt wird, wobei ein paffender Gummiring, der dem Rande des äußeren Gefäßes aufliegt, für vollkommen dichten Abschluß sorgt. Ein kleines Loch in dem Gummiringe mit Stöpsel ermöglicht das Entweichen der Luft aus dem Zwischenraum zwischen den beiden Gläsern. Alle vier bis fünf Stunden muß das Eis erst erneuert werden, da auch nach dem Schmelzen des Eises das Eis eine viel niedrigere Temperatur behält, als es in den offenen Schalen der Fall ist.
SesundHeitspffege.
Zur Hygiene der Fußbekleidung. Beherzigenswerte Winke über die Hygiene der Schuhbekleidung gibt Profeffor Rubner, der Direktor des hygiemschen Instituts in Leipzig. Er hat die physikalischen Eigenschaften des Schuhzeuges genau erforscht und leitet davon wichtige Erfahrungen für die Gesundheitspflege des Fußes ab. So fand er, daß das starke Rindsleder wegen feiner Dichte erheblich mehr Wärme durchläßt, als alauugares und sämisch Leder. Kork läßt wenig Wärme durch, ist daher zu kalter Zeit als Einlage für die Sohle gut zu verwerteu. Filz hält die Wärme bester, als lohgares Leder. Etwas höhere Absätze (gegen 30 mm) sind bester als die stachen, weil sie die Sohle und den Fuß bester vor Nässe schützen. Die gesamte Oberfläche des vom Schuhwerk bedeckten Fußes betrügt 700 bis 800 qcm, daher wird sehr viel Wärme durch das Oberleder hindurch abgegeben, und infolgedessenmachtsichdiewürme- ersparende Wirkung des Strumpfes geltend. Dieser richtet sich in erster Linie nach der Dicke; wollene Strümpfe sind meistens doppelt so dick, wie baumwollene bezw. leinene. Die Strumpfwaren sind an ihrem Wärmeleitungsvermögen fast völlig den entsprechenden Trikotgeweben gleichartig- bei gleicher Dicke^läßt daher der baumwollene Strumpf mehr Wärme durch wie der wollene. Die Fußbekleidung, Leder sowohl wie der Strumpf, ist erheblich komprimier'bar und geeignet, den Stoß des beim Gehen auf die Sohle fallenden Körpers zu dämpfen. Gegen das Durchnässen, wodurch die Wärmeleitung auf das Doppelte gesteigert werden kann, schützt das Oelen- allerdings wird dadurch auch mehr Wärme abgegeben - aber es verhindert anderseits den starken Wärmeverlust durch Wasterverdunstungeu an der Oberfläche des Leders. Der Fuß hat sehr viele und große Schweißdrüsen; die Schweißabsonderung ist deshalb bei sonst trans- spirierendem Körper dort groß; aber es kann durch dicke Strümpfe u. f. w. nur dann zu einem örtlichen Schweißausbruch kommen, wenn der Körper überhaupt au der Grenze, wo die Schweißabsonderung schon bald beginnt, angekommen ist. Dahingegen bewirkt die durch das Schuhzeug stark behinderte Ventilation eine Schweißablagerung und eine Sättigung der Luft int Schuh mit Dampf. Schon um bestere Ventilation zu gewähren, anderseits um das Schuhzeug dem Fuß stets nach Bedarf Paffend anzuschließen, verdient der Schnürschuh vor dem Zugstiefel den Vorzug.
Humoristisches.
Wandlung. A.: „Du hast also die kleine Emmy geheiratet, die immer so gern gelacht hat, um ihre hübschen Zähne zu zeigen! Ist sie noch immer die alte?" — B.: „Na, lachen thut sie zwar nur mehr selten, aber die Zähne zeigt sie mir noch immer!"
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Gute Stellung. A.: „Na, wie geht's denn Ihrem Sohne? — B.: „Ach, der hat eine sehr einflußreiche Stellung." — A.: „So, was ist er denn?" — B.: „Kanalreiniger."
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitatS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


