Ausgabe 
18.5.1899
 
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üach Süden herum. In einem Nu schlappte die Leinwand gegen die Maste, die Raae« schaukelten, die Brigg lag wie ein Klotz auf dem Wasser, und ein scharfer Wind pfiff uns um die Ohren.

Das war eine Gelegenheit, mich auszuzeichnen und meine Gewandtheit vor Miß Franklins bewundernden Augen leuchten zu lassen. Auf der Stelle, ohne irgend eine Ueberraschung zu zeigen, gab ich die nötigen Befehle. Der Kapitän konnte keinen solchen aussprechen, dem ich nicht schon zuvorgekommen war. Ich hatte sofort alle Mann aufgerufen, die Backbord- Borderbraffen bemannt, die Leesegel auf der Leeseite ein- holen, die großen Brassen abfieren, das Gaffelsegel aufgeien und die Schoten der Vordersegel steif anholen lassen. Die Brigg hatte sich auf dem Fuß des Hinterstevens gedreht wie ein Kreisel. Ich sprang den Leuten bei der Arbeit bald da, bald dort bei und zog mit ihnen um die Wette an den Brassen. Die flinksten Leute aus meiner Wache, deren Ehr­geiz ich noch obendrein durch schlaue Bemerkungen über des alten Windwärts Leute anspornte, schickte ich ins Takelwerk, die Leesegel-Spieren einzuholen.

Innerhalb einer Viertelstunde nach dem plötzlichen Um­schlagen der Brise waren die Raaen scharf beim Winde ge­braßt, die Segel neu gestellt und die Brigg furchte mit frischer Kraft die mit weißen Kämmen geschmückten Wogen, daß der Gischt an unseren Backen hoch emporstaubte.

Der Kapitän erteilte mir kein Lob, das war von ihm nicht zu erwarten, aber der eifersüchtige, finstere Bück, welchen der alte Windwärts, der ebenso wie alle anderen auf Deck gestürzt war, mir zuwarf, verriet mir, daß ihm jedenfalls ein günstiges Wort über mich zugeflüstert worden war. Es ist ein böser Wind, der niemand etwas Gutes bringt und die Wirkung, die dieser Stoß aus Süden hatte, war, daß der Schiffer erfuhr, daß ich den Pflichten meines Dienstes gewachsen war. Von nun an überließ er die Brigg meinen Händen, und ich hatte stets klares Deck, meine Arbeit darauf zu verrichten.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber Verwechslung wichtiger Pflanze«!

Die Zeit des Waldmeisters und Maiweins ist wieder gekommen, der würzige Duft gelegentlich angesetzter Bowlen erfreut Weiblein und Männlein, da erscheint es denn nicht ungerechtfertigt, darauf aufmerksam zu machen, daß Wald­meister, zumal von sammelnden Kindern und unkundigen Dämchen, häufig mit Labkraut verwechselt wird. Man hat mir zwar auf diese Aeußerung einmal in einer Gesellschaft erwidert, daß eine Verwechslung von Waldmeister, Asperula oder ata, und Labkraut, Galium Mollugo, kaum möglich sei und zwar wegen der Behaarung und dem ab­weichenden Geruch des letzteren, doch entspricht diese Ver­neinung mehr theoretischer Erwägung als praktischer Er­fahrung. Meine Ueberzeugung möchte ich dahin aussprechen, daß bei ganz kleinen Pflänzchen bon Asperulaunb Galium die Ähnlichkeit sehr groß ist. Schon Joh. Gottl. Nann sagte in seinem botanischen Werke:Deutschlands wild­wachsende Arzneipflanzen, Stuttgart 1828", daß der Wald­meister häufig mit dem Labkraut verwechselt werde. Nach meinen Wahrnehmungen werden nun eingesammelt ganz junge Pflänzchen von

1) Galium silvaticum, Waldlabkraut. Dies ist zu unterscheiden von Waldmeister durch die nicht viereckigen, sondern runden Stengel und, wie auch bei den folgenden, durch den fehlenden Wohlgeruch.

2) Galium Mollugo. Ganz junge Pflänzchen, wie sie hier in Betracht kommen, können nur durch den fehlenden Geruch erkannt werden.

3) Galium Apariue. Dies ist zu unterscheiden

durch die am Kiele und am Rande der Blätter rückwärts gerichteten kleinen Stacheln- die aber auch bei kleinen Pflanzen leicht übersehen werden.

Was nun den allen diesen drei Arten fehlenden Geruch anbetrifft, so gestand mir vor Jahren einmal ein Einsammler von jungen Labkrautpflänzchen zu, daß er denselben durch einige Tropfen Waldmeistereffenz aus der Apotheke ersetzt habe.

Viel wichtiger als die Unterscheidung des Waldmeisters vom Labkraut ist diejenige der Brunnenkreffe vom Bittern Schaumkraut- denn der NameLabkraut" sagt schon, daß es unschädlich ist, gleichviel ob es zu Bowlen oder sonstigen Zwecken Verwendung findet, während das bittere Schaumkraut ungesunde, magenverderbende Eigenschaften besitzt. Letzterer wird massenhaft, besonders in meiner Heimat, der Rhein­provinz, für die gewürzhafte, wohlschmeckende, magenstärkende und blutreinigende Brunnenkresse verkauft und genossen und zwar zumeist int März und April, wo die Brunnenkreffe im Freien (außer überwinterten Pflanzen, die tief unter Waffer stehen), noch gar nicht zu finden ist.

Die Unterscheidungszeichen beider Pflanzen sind folgende: Brunnenkresse: Stengel hohl und aus den Blattachseln wurzelnd. Geschmackgewürzhaftangenehm. Schaumkraut: Stengel nicht hohl, mehr aufrecht und in den Blattachseln nicht wurzelnd. Geschmack scharf, auf der Zunge brennend und nach dem Genüsse meist längere Zeit andauerndes Aus­stößen erregend.

Mir ist ein Fall bekannt, wo eine ganze Familie durch öfteren Genuß des letzteren magenkrank wurde. Deshalb schauet zu, was ihr pflückt und kauft! Ba.

Ein billiger Barometer. Man löse in 60 Gramm Alkohol auf: 8 Gramm Kampher, 2 Gramm Salpeter, 2 Gramm Salmiak und bringe die Lösung in einen Glas­zylinder oder in eine enge Flasche. Bei trockener Zeit bleibt die Flüssigkeit hell- bei wechselndem Wetter zeigen sich in der Mitte kleine Sterne- bei stürmischem Wetter dagegen tritt eine vollständige Bewegung der Lösungen ein.

Gegen das Antanfen der Silberwaren. Zu diesem Zwecke wendet man das Kollodium an, verdünnt mit Alkohol ungefähr so, wie die Photographen dasselbe ge­brauchen. Die Oberfläche silberner, plattinierter, versilberter, neustlberner re. Gegenstände wird durch einen Ueberzug von solchem Kollodium längere Zeit vor Anlaufen geschützt- das Verfahren kann sowohl bei polierten Gegenständen als auch bei solchen angewendet werden, welche schon matt und weiß sind, da das Kollodium bekanntlich wafferhell und farblos ist. Die silbernen oder mit Silber belegten Waren werden etwas erwärmt und dann das Kollodium mit einem elastischen Pinsel aufgetragen, jedoch so sorgfältig, daß alle Punkte mit Kollodium überstrichen sind- jene Stellen, welche übersehen wurden, laufen in kurzer Zeit um so auffallender an.

Um hölzerne Pfosten re. im Boden dauerhaft zu machen, nimmt man gekochtes Leinöl und rührt in dasselbe pulverisierte Kohle, bis diese Mischung die Konsistenz einer Anstrichfarbe erhalten hat. Damit streicht man den Teil der Pfosten an, welcher in den Boden getrieben werden soll. So zubereitetes Holz hält im Boden länger als Eisen.

Um Zitronen «nv Orangen zn konserviere«, d. h. frisch zu erhalten, löst man Schellack in Weingeist auf und taucht die Früchte in diese Flüssigkeit. Durch den leichten Harzüberzug werden sie konserviert und behalten ihren Saft und ihr Aroma. Der Schellack läßt sich, wenn man außer der Frucht auch die Schale benutzen will, durch Kneten der elastischen Frucht in der Hand zum Abspringen bringen und so entfernen.