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kuchen sorgen di« zahlreichen Pfefferküchlereien, Aepfel, Nüsse und Mohn unterstehen dem Marklverkehr. Nüsse find in diesem Jahre knapp und werden hoch im Preise bleiben. Von heimischen Aepfcln bietet der Markt nur Mittelware. Gut und verhältnismäßig billig sind die in großer Menge vorhandenen amerikanischen Aepfel. Von Südfrüchten sind Feigen und Datteln jetzt in bester Ware vorhanden, Apfelsinen sind jedoch noch herzlich sauer. An seltenen Früchten giebt es: ostindische Showsow, westinditche Mangos und Custeros oder Cherimojas, japanische Li-chi und westindische Ananas, zu niedrigen Preisen, die aber mit der jetzt nur wenig in Handel kommenden schlesischen Ananas gar nicht zu vergleichen sind.
Das Bild deS Gemüsemarktes ist winterlich, aber immer noch reichlich. Der Markt bietet: Kopfsalat, schöne Endivcn, italienischen Blumenkohl, Braun- oder Grünkohl, sowie alle anderen Kohl- nnd Rüben- sorlen. Wer sich aber nicht für Kohl und Rüben begeistern kann, muß sich an die Konserven oder Präscrven halten. Zu empfehlen sind von letzteren namentlich Schnitt- und Wachsbohnen, Spinat, Schoten und Karotten, dieselben bieten im Winter vollständigen Ersatz für frisches Gemüse. Interessanter als der Markt sind die Auslagen der Delikateß- läden, da giebt es täglich Neuheiten. Englische und französische Treibhäuser senden schon frischen Treibspargel, französischen Treibsalat, englische Treibschlangengurken, Stachis, Kerbelrübchen und portugiesische Zwiebeln.
Der Fleischmarkt bietet der Küche in diesem Monat die reichste Abwechslung. Verehrern von Hase und Rehwild wird die Freude zuteil, daß trotz der in der Mitte des Monats beginnenden Schonzeit der Rike (weibliches Rehwild) dieses Fleisch keine Steigerung erfährt. Im Delikateß- handcl sind die ersten Zufuhren von Renntier zu verzeichnen, das dem Hirschgeschlecht angehörende Milch-, Zug- und Lasttier des hohen Nordens, das bis vor wenigen Jahren der mitteleuropäischen Küche säst unbekannt war. Ein Rücken dieses Tieres in guter Zubereitung kommt jedem anderen Wildprctt an Geschmack gleich. Der Renntierrücken wird geklopft, gewaschen, abgehäutet, gespickt, schnell abgebrüht, mit Salz und Wachholderbeeren abgerieben, in eine Pfanne gelegt, mit heißer Butter übergossen und unter Hinzugießen von V» Liter Brühe aus Liebig's Fleisch- Extrakt l</i bis 2 Stunden gebraten. Sobald die Brühe verbraucht ist, gießt man Vs Liter mit Mehl verquirlte saure Sahne hinzu. Noch zarter schmeckt der Rücken, wenn er nach dem Spicken und Abbrühen 24 Stunden in recht gute Buttermilch gelegt wird.
Von Hausgeflügel ist für Dezember an fetten Gänsen, Enten und Hühnern kein Mangel, auch finden wir hier und da einzelne junge Tauben, aber der Jahreszeit entsprechend teuer. Au Mastgeflügel bieten die Delikateßlädeu: Hamburger Kücken, Poularden, Poulets, Perlhühner und prächtige Puten, letztere gelten für den eigentlichen Weihnachtsbraten. Die Pute stammt aus Amerika und gelangte wahrscheinlich 1505 durch Amerigo Vespucci nach Portugal, 1516 als Geschenk des Bischoss Alexander Garaldini an Papst Leo X. nach Italien. Nach England soll sie 1524 gekommen sein und fand hier eine rasche Verbreitung, so daß sie schon 1573 für den gewöhnlichen Weihnachtsbrateu der Landjunker und Gutspächter galt. Deutschland hat die Pute um das Jahr 1530 erhalten. Das Putenfleisch besitzt alle Vorzüge des Geflügelfleisches, es ist nicht blos schmackhaft, sondern auch überaus nahrhaft und leicht verdaulich, eine Perle für die Tafel der Gesunden und der Kranken, lieber die einfach gebratene Pute geht nur noch die gefüllte ober wenn es sein kann, die getrüffelte, die zu den feinsten Schüsseln der Kochkunst gehört. Mau braucht •/» Kilo Trüffeln zum Füllen, die man bürstet und abrundet. Die Abfälle stößt man mit 1 z Kilo fettem Schweinefleisch, einer geweichten Semmel, der Putenleber, zwei Eigelb, zwei Löffeln Madeira, Salz und Pfeffer fein, giebt die Farce durch ein Drahtsieb und streicht mit ihr die junge, gut gereinigte und zmn Braten angerichtete Pute fingerdick aus. Während dieser Zeit dünstet man die Trüffeln in Butter mit einem Glas Madeira ziemlich weich, läßt sie erkalten, füllt sie mit ihrem Satz in die Pute, näht diese gut zu und stellt sie 24 Stunden an einen kalten Ort. Nach Verlauf dieser Zeit wird die Pule in Butter unter fleißigem Begießen gebraten. Beim Anrichten werden die Trüffeln herausgenommen und auf beiden Seiten garniert. Der Bratensatz wird entfettet, mit Kartoffelmehl, 15 Gramm Liebig's Fleisch-Ertrakt und etwas Wein zu trefflicher Sauce verkocht. Auch wenn die Pute bereits ihre weiß-grauen Kinderschuhe ausgezogen hat, ist sie mit Reis gedämpft und das Fricaffeö sehr zu beachten.
Die Frau in der Kulturgeschichte lautet der Artikel, der lt. den uns vorliegenden Lieferungen 22 und 23 beS „Illustrierten Konversations-Lexikons der Kran" (Verlag von Markin Olden- bourg in Berlin) den zweiten Band dieses interessanten Frauenbuches einleitet. Wir sind erstaunt über die Gründlichkeit, mit bet hier auf anderthalb Bogen die Geschichte des Lebens der Frau in ihrer natürlichen Entwicklung von den ältesten Kulturstaaten an bis auf den heutigen Tag behandelt ist. Die Verfasserin entledigt sich mit großem Geschick ihrer Ausgabe und weiß uns das Verständnis für das innere Wesen bet verschiedenen Zeitläufte durch Klarlegung der Anschauungen in Sitten und Gebräuchen Überzeugend beizubringen. — An sonstigen Artikeln seien noch hervotgehoben: „Frauenarbeit im Kunstgewerbe", „Kunsthandatbeit", „Lehrerin", „Leibesübungen", „Liebhaberkünste" und
„Mäbchenetziehung", alles ganz vorzügliche und überaus lehrreiche Arbeiten. Unter den Tafeln verdient diejenige, welche unS moderne Schmuckgegenstänbe vor Augen führt, wegen ihrer prächtigen lithographischen Ausführung uneingeschränktes Lob, wie überhaupt der Ausstattung des Buches besonderes Augenmerk zugewendet wurde. Dasselbe ist komplet in 2 geschmackvollen Leinenbänden ä Mk. 12,50 aber in 2 vornehmen Halbfranzbänden ä Mk. 14,00, event. auch gegen monatliche Teilzahlungen, durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes zu beziehen und sollte auf dem Weihnachtstische keiner Frau sehlen.
Ernst v. Wohlzogen, Die Gloriahose. 21.—25. Tausend. Illustriert von Fritz Reiß. Geh. Mk. 1.—, in Lederband Mk. 2.50. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart. Kein Wunder, daß Ernst v. Wolzozeu ein berühmter Manu geworden ist, hat er die deutsche Litteratlir doch gleich in „Gloriahofen" betreten! Dieser Erstling wirb immer zum Besten zählen, was er an behaglich sonnigem Humor her- vorgebracht hat, er müßte allen gebrückten Seelen ärztlich verorbnet werden, denn wer dieses Thüringer Pfarrhaus betritt — der lacht, auch wenn er’S sonst im Leben verlernt hätte. Der Illustrator Fr. Reiß fügt zur Erheiterung die Augenweide. Die Ausstattung namentlich der farbigen Bilder ist mustergiltig.
Neue Berlagswerke
von Theodor Stroefer, Kunstverlag, Nürnberg:
Viktoria Erika. Eine Erzählung für junge Mädchen von Anna Klie. Preis in Leinwand gebunden Mark 3.—. Der Name Anna Klie hat schon einen guten Klang in dem Dichterinnen-Reigen der Gegenwart. Wir vermuten darum, die Verfasserin hat einigermaßen sich selbst gezeichnet in der Heldin obiger Geschichte, welche mit so viel Sorgfalt auSgeführt und mit so viel Vorzügen den anderen Mädchen der Erzählung gegenüber auSgeftattet ist. Viktoria ist eine Dichternatur, arm, hochbegabt, phantasievoll, bescheiden dabei. Nach dem Lause der Welt muß sie zurückstehen hinter dem Grafenkind, mit dem sie erzogen ist — eine reizende Episode, dieses Leben im Schloß! — Sie hat Gelegenheit, ihre Talente zu entfalten, daS Ringen um Anerkennung, die Freude eigenen Verdienstes kennen zu lernen, und so vorbereitet, tritt sie in den Ehestand als zweite Gattin, deren Stellung nicht so leicht wäre, wenn sie sich nicht solche zu schaffen wüßte. — So hat die anmutige Erzählung einen tieferen Kern, einen höheren Gehalt bei aller Fülle anziehender Schilderungen — ein Buch für unsere Töchter, das übrigens in der feinen Ausstattung, im Druck, Bildern und Einband ganz den vornehmen Eindruck macht, den man von einem Geschenkwerke, auch für die Jugend heutzutage, verlangt.
Für Muller und Kind. Illustriert von Paul Thumann. Wohlfeile Volksausgabe, elegant tartonniert, Mark 3.— „Mutter und Kind" — es gibt kein packenderes Thema für den Griffel beS Künstlers alS diese-, und dieses Thema ist noch niemals in einer Folge so entzückender Bilder behandelt worden, als hier von Thumann. Welche gesunde Mädels und Buben sind baS — keine Blaßgesichter, feine Zierpuppen — unb solches tiefe, echt deutsche Gemüt pulsiert in diesen Bildern und Versen, meist alten Kinderreimen, uns allen von Alters her vertraut! Die herrliche Schlichtheit und Wahrheit der Auffassung, das wirklich Kindliche der Gestalten und Szenen, mit innigem Behagen dem Leben abgelauscht und mit Meisterschaft demselben nachgezeichnet, dies macht daS Buch zu einem wahren Labsal, zu einem Juwel unter der heutigen Bilderbüchermasse, zu einer Freude für Alt und Jung im deutschen Hause. Denn deutsch, grunddeutsch ist alles empfunden, nur ein deutscher Künstler konnte fo etwas machen, nnd auch die geradezu staunenswerte Treue unb Schönheit ber Farbengebung in Farbendruck ist deutsche Kunsttechnik (Fr. Wolf in München). So möge denn das wundervolle Buch mit seinen Kindergestalten und Tierfiguren, mit seinen luftigen und ernsten, auch frommen Szenen in dieser neuen Ausgabe aufs neue feinen Weg machen, als köstlicher Freudebringer durchs deutsche Vaterland, die Kleinen sich selbst im Bilde zeigend, den Alten ihre eigene Jugend zurückzaubernd!
Arithmogriph.
Nachdruck verboten.
1 3 2 4 9 wertvolle Kopfbedeckung.
2 6 8 boppellebiges Tier.
3 2 8 Stabt in Italien.
4 2 3 4 9 4 norbische Gottheiten.
5 2 5 9 3 ein Fluß.
6 9 5 9 3 Organ.
7 6 8 Stadt an ber Donau.
8 2 2 3 unfruchtbares Laub.
9 5 9 3 ein Tier.
Die Anfangsbuchstaben ber gefundenen Wörter sollen ber Reihe nach, von oben nach unten gelesen, eine Feldblume bezeichnen.
(Auflösung m nächster Stummer.)
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Zweirad — Ostern — Rienzi — Nicke» — Maulbcerlaub — Asphalt Cranach;
Zorn macht blind.
R,dafti»n: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieß«.


