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gedichteten Vers sprach:
„Sind rein auch meine Töne nicht,
Doch rein mein kindlich Herze spricht!"
Bescheiden trat nun neben ihn hin ein junger, kleiner Mann — und setzte sich an das Klavier.
Dann aber floß eine kurze weihevolle Melodie von den Saiten der Geige, und zwar ohne Stocken von der ersten bis zur letzten Note, umspielt und gleichsam getragen von einer vollen, meisterhaft gespielten Klavierbegleitung.
Ob die Saiten ganz rein erklangen?
Der Klavierbegleiter murmelte nur einmal bei etttem hohen A, dem Spieler allein vernehmlich: „Reiner, Prinz, um der heiligen Cacilia willen!"
Die Melodie entzückte alle--vor allen aber den
prinzlichen Vater und Musikschwärmer. Lebhaft schritt er auf seinen Sohn Johann zu, nahm ihn in die Arme und rief: „aber wer hat denn diese herrliche, schlichte Weise erdacht, die wie ein Weihnach ts gebet klingt." Doch nimmermehr unser guter Ferrandtni?! Das ist ja £int ganz neue Musik I"
„Hier steht er, eS ist der Kapellmeister Carl Maria
nieder - ob sie aber ko hübsch find wie I von Weber, aus Prag" antwortete voll strahlender Freude jene eine" dachte der 'junge Prinz. „Unmöglich 1" entschied der Prinz Johann und zog seinen Begleiter zu dem Vater »«« i-7«, 6"'- S'l?' 6161 6it '*■ H Ä'Ä lÄ
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vergessen, der Herr Kapellmeister aus Prag. Es war Aber rein - mein Prinz^nicht wahr?, flüsterte eS freilich weder sonderlich warm noch hell, aber der Schall der I ganz leise . f{. h «f i n
Weihnachtsglocken füllte es ganz und gar, und zog auch über Ob wohl einPlätzchen frei wur e f berühmten ein beschriebenes Blatt hin, auf dem ein kleiner Tannenzweig scheinbaren deutschen Kapellmeister, bet der veruymren L üÄirÄ « Ä» Ut. bieteibe Weble, bie b..
üetgolbete M[fe «u«. - <t< sich »Ibtzilch mit all' feinen m«t« bet Pein, Max -in .Weihn«4tM-b» Schätzen so grenzenlos arm vor, jenem jugendlichen Manne I spater der ganzen W-.lt geschenkt, a e k , gegenüber, der ihn eben mit großen träumerischen Augen wurde die Arie der Agathe in seinem „Fretsch tz . -
««I4««te, als lehre er ««- Irg-n« ->«-- f««e« Ä -m r2-L-»l-
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Si'elteie Rede und Gegenrede flog nun zwischen beiden I alles besiegend und alle Herzen schmelzend, hin Ä^bS1 U« Ä «-'n.. «
iUm Also bis morgen Abend--und rein! Nicht entstand, im W-ihnachtsmonat des Jahres 1814 und - im
wahr," mein Prinz?" lautete daS scherzende Abschiedswort. Tannenduft. ----------
Der prinzltche Geiger nickte doch ein wenig beklommen. I
Einen raschen Blick warf er noch über den Tisch herüber, $Ottl Mimt DtZeMVer.
auf das weiße Blatt mit dem Tannenzweig. — Aber da Dezember 1899.
standen keine Noten in Reih und Glied aufgepflanzt — eine , ------
feste Hand hatte nur wenige Worte niedergeschrteben, auf I $er Dezember, als Winter und Weihnachtsmonat, stellt namentlich -inen gr-i-n Brie,b°,en. Di- i-n-en W» PtS'ÄJtt'Ä
Mtln"me?Ä«bl-r BrSnichm'" I * ^n^ebm’be^bteTbeben Feste der Ehristerhrii geebl es im deulschen
«Ktin süßes gmevte» -oraur-yen. I $olfc @e(,räud)Cr die wir gedankenlos nachleben und fort und fort
Also auch eine Braut hatte er, ganz wie — — andere I wiederholen, ohne ihre Bedeutung oder ihren Ursprung zu kennen. , I Wenn es auch nicht in unserer Absicht liegt, hier einen kulturhistorischen
eeute‘ . m . ... ...r hnrnfi.r Bericht zu bringen, und die sich durch Jahrhunderte hindurch erhaltenen
Der junge Prinz mußte auf dem Heimwege darüber l @rinn'er° u uBn|crc3 Volkslebens darzulegcn, so wollen wir doch aus
nachdenken, ob sie ihm wohl alle Melodien Vorsingen würde, einigc sich nn das Weihnachtssest knüpfende Sitten näher emgehen.
die er niederschrteb. Wie herrlich mußte sich jene Melodie Zur Zeit der winterlichen Sonnenwende hielten die Götter des ger-
wnbl sinaen lallen die er setzt studiert hatte! I manischen Heidentums zwölf Nächte hindurch ihren Umzu^ Diese Tage
wohl slngen lassen, ote er , waren streng geheiligt, und während dieser Zelt gaben sich Götter und
Am nächsten Abend nun, verlief die Weihnachtsststlichkett I ' b«. ausgelassensten Lust hin. Die Hauptsache war Ivohl damals programmmäßig, zur höchsten Freude des Prinzen Max, I ro|e ^cute uoch meistens gutes Essen und Trinken. Man aß in dieser und zum sichtlichen Vergnügen der Hörer und Zuschauer. g;eftäeit vornehmlich Lieblingsgerichte und Früchte der Götter, oder Ge- afti. vrinrlicben Brüder Friedrich August und Clemens, I back, welches die Gestalten der Götter und deren Lieblingstiere zeigte. Die prtnzltchen ^ruoer, »rteoriq «.uguic . ' s,e' @itte; ant winterlichen Sonnenwmdfest oder zur Weihnachtszeit
waren diesmal nur wenige Takte auseinander, was niemand l säuisch-heidnisch und dann von den Christen über-
zu bemerken schien, und die jugendlichen Darsteller in dem I ^ommro. Besonders in Schlesien und in der Lausitz, aber auch m Lusisviel: »Des Römers Fluch" leisteten vorzügliches. Wahre I vielen andern Teilen unseres deutschen Vaterlandes ißt man am Weih. S»-n ,-b-ch -.-,«.-)» jnn«- Pnn. A-h-nn «i- e. im nmst«-■«*»*«“ LL zierlichsten gestickten Hofkostüm, hie Gelge unter dem Arm, A^imchtbarkeit, und dieser Glaube hat sich bis in die heutige Zeit daS Zöpfchen fest eingedreht — sich vor dem Eltern paar I e^Q(ten, ,
verneiate und schalkhaft den von seiner Schwester Amalie I Wir lenken unsere Aufmerksamkeit m erster LiNie auf den Fisch- vernctgre UN juj y, l 1 matf. auf welchem unter lebenden Fischen der Karpfen überwiegend
vorhanden ist. Die besten Karpfen sind die ll/8 bis 3 Kilo schweren; von Feinschmeckern wird der milcherne dem rogenen vorgezogen. Die Zubereitung ist vielseitig: gebacken, blaugesotten, m Gelöe ec. In Ost- und Norddeutschland wird er aber um die Weihnachtszeit als so» genannter Bierkarpfen, auch Karpfen in polnischer Sauce, gegessen. Der Rogen giebt eine vorzügliche Suppe, welche gleich dem Bierkarpsen und den Mohnklößeu in Schlesien eine Hauptspeise am heiligen Abend bildet Der Rogen von 1 bis 2 Karpfen wird mit etwas Master, Suppen- wurzeln, Salz, Zwiebeln und Gewürz abgekocht und in kleine Stückchen geschnitten. Hierauf bereitet man aus Butter und zwei Löffeln Mehl ■ eine hellbräunliche Mehlschwitze, in der man auch eine gehackte Zwiebel röstet verkocht diese Einbrenne mit Fischbrühe, in der man 10 Gramm Liebiq's Fleisch-Extrakt aufgelöst hat, thut den Rogen hinein und richtet die Suppe über geröstete Semmelwürfel an. Außer Karpfen sind tnt Dezember folgende Binnenfische gut: Schleie, Wels, Saibling, Lachs, Zander und Barbe. Seefische sind in reichster und guter Auswahl da, billig und gut ist der grüne Hering, dagegen ist Seelachs noch knapp. Vorzüglich sind jetzt Austern und russischer Caviar, aber leider noch zu teuer. Früher war man mit dem billigen Elbcaviar zufrieden, aber das Bessere ist des Guten Feind — heute muß es Astrachaner sein, wenn er schmecken soll. «
Zu den unbedingt nötigen Kleinigkeiten für das Weihnachtssest ge- hören als symbolische Gaben unzertrennlich: Pfefferkuchen, Aepfel und Nüsse, die in anderer Form früher Opfergaben waren und heute als Zugabe von lohnenden Geschenken immer noch Brauch find. Kür Pfeffer«


