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L8W. - srr. 181.
Zormtag den 17 Dezember.
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WM it der Freude zieht der Schmerz
Treulich durch die Zeiten,
Schwere Stürme, wilde Weste, Bange Sorgen, frohe Feste Wandeln sich zur Seiten. I. P. Hebel.
Die inn're Hoheit lebt von ihrer eigenen Fülle, Sie selbst, und nur sie selbst, ist ihr Gewinn.
Tiedgc.
Im Tannendust.
(E. Polko.)
------- (Nachdruck verboten.)
Kein eifrigerer Musikfreund lebte wohl im Anfang dieses Jahrhunderts in den deutschen Landen, als der Prinz Max, Vater des nachmaligen, hochgelehrten Dante - Ueber- setzers, König Johann von Sachsen. — Ein musterhafter Gatte und zärtlicher Vater, kannte er keine größere Freude, als einen Abend im engsten Kreise der Seinen und im zwanglosen Verkehr mit anregenden Menschen, aber — nur mit Musikbegleitung. Die Kinder erhielten, gleichviel, ob sie sich talentvoll oder unbegabt zeigten, von frühester Jugend an den besten Musikunterricht, natürlich von italienischen Musikern, von denen damals die Hofkapelle wimmelte, die noch, von dem berühmten Adolf Haffe her, ihre Zusammenstellung behalten und viele recht ergraute Mitglieder enthielt. Es war ein Nachkomme und Verwandter jenes Lehrmeisters der musikalischen, geistvollen Maria Antonia, Ferrandini, der eben das Diolinspiel den drei prtnzlichen B-Üdern, Friedrich August, Clemens und Johann beizubrtngen versuchte. DaS konnte doch nicht gar so schwer sein — der Vater freute sich schon im voraus auf die Hauskonzerte mit seinen Söhnen. Die hübsche, muntere Stiefmutter der Kinder, die Prinzessin Luise, zweite Gemahlin des Prinzen Max, bezauberte mit ihrer schönen Altstimme jeden Hörer und sang ihre italienischen Arien fast wie eine Primadonna. Sie lachte aber oft wie ein Kind über die Jammertöne der Geigen, und jenes Trio von zwei Geigen und einem Klavierpart, den der Vater zu übernehmen sich so brennend sehnte. Im Zusammenspiel pflegte nämlich das prinzllche Brüderpaar, gänzlich unbekümmert umeinander, seine musikalischen Pfade zu wandeln, Friedrich August als der Aelreste, gelangte gewöhnlich triumphierend um verschiedene Takte früher ans Ziel des Schluffes, und ließ seinen Partner hinter sich zurück,
der das freilich nie eher als am Ende der mühevollen Laufbahn zu bemerken geruhte. — Der Lehrmeister ließ es ruhig geschehen, mit Prinzen durfte man ja überhaupt nicht heftig werden und dann — Ferrandini fühlte Mitleid mit all' diesen Deutschen, die von der Musik so wenig verstanden! Wer anders als die Italiener konnte überhaupt Sang und Klang in dieses Land des Schnees tragen?! Es war nur gut, daß sie dieses einsahen und nicht versuchten, auf eigene Hand fertig zu werden.
Und so führten denn seine jungen Schüler zu allen Familienfesten auch einzig und allein von ihm gesetzte Duette auf, die er dann auf dem Klavier begleitete. Er strich vergnügt den goldenen Lohn ein, den diese Produktionen ihm allezeit brachten. — Diese Deutschen — wie sie doch jene Kunst liebten, von der sie so wenig verstanden! — Nun, man mußte ihnen dies Vergnügen lassen, wie einem Kinde sein Spielzeug. Zum Glück konnten ja Lehrmeister und Komponisten in Italien niemals aussterben. Man wollte ihnen schon etwas vorwärts helfen, durch italienische Musik, wenn sie — gut bezahlten.
So war auch das WrihnachtSfest deS Jahres 1814 herangekommen, und so trübe es auch da draußen in der Welt aussah, infolge des großen Krieges, den Palast deS Prinzen Max durchflutete ein Heller Freudenschein und eS sang und klang dort vom Morgen bis zum Abend. Gewaltig schwer waren diesmal die künstlerischen Aufgaben der Prinz» lichen Kinder, es wurde Berwandtenbesuch vom österreichischen Hofe erwartet, ein neues KotzebuescheS Lustspiel und zwei Sprichwörter sollten deshalb ausgeführt werden. In den Zwischenpausen sollte der Prinz Clemens zum erstenmal ein Violinsolo vortragen und das unvermeidliche Duo zwischen Friedrich August und Johann die Feier einleitea. — Aber das Studium deS verschnörkelten Solos ließ diesmal reichliche Thränen fließen, und nicht selten flog sogar der Violinbogen aus der Hand des Prinzen Clemens in die erste beste Ecke. Und so fiel denn eines Tages der junge Solist seinem Bruder Johann schluchzend um den Hals und beschwor ihn, bei der Weihnachtsaufführung mit ihm zu tauschen und statt seiner das abscheuliche, verzwickte Ding zu übernehmen, er selber müsse daran zu Grunde gehen. Im ersten Moment schlug Johann freilich die Bitte des Bruders rundweg ab, — aber cs war seinem guten Herzen doch nicht lange möglich, den Bitten und Thränen von Clemens zu widerstehen und so versprach er endlich für ihn einzutreten. — Ach, wie oft, in den bangen Stunden der geheimen Proben, bereute Prinz Johann diese seine Willfährigkeit und nur der Gedanke


