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Was denn?" fragte Renata etwas verlegen.

Nun, diese Aehnlichkeit."

Sehen Sie wohl," fiel Frida ein,habe ich's nicht gleich gesagt? und heute haben Sie Ihr Haar wieder so glatt gestrichen."

Besonders Stirn und Augen erinnern sehr an Sie," sagte der Professor und blickte mit seinen ernsten Augen prüfend bald in Renatens Gesicht bald auf das Bild, bis erstere sich errötend abwandte, was wußte der Professor von ihren Augen! Sie erhob sich und betrachtete mit halbgesenkten Lidern das ernste, etwas strenge Gesicht in dem morschen Rahmen.

Was ist denn in den Schränken?" fragte sie, um die Aufmerksamkeit des gelehrten Herrn von sich abzuwenden.

O, die dürfen wir nicht berühren, Renata," sagte Frida etwas spöttisch,das find eiwas groß geratene Reliquienschreine und Onkel ist doch nur aus Angst um seine Kleinodien herunter gekommen."

Ohne die Bemerkung seiner Nichte zu beachten, erwiderte Wolfram freundlich:Interessiert Sie das alte Zeug, Fräulein Wendelin?"

Renata lächelte etwas verlegen:Verständnis habe ich wohl ebenso wenig dafür wie Frida."

Ja, Onkel," fiel diese ein,fie hielt Deinen kostbaren Taufstein auch für einen Steintrog."

Renata lachte, und er auch.

Das glaube ich, Fräulein Wendelin, es ist anderen Leuten auch so gegangen, und die alten Gylfens wären sehr entrüstet, wenn sie wüßten, wie ihr Taufstein, darin ihre Kinder zu Christen gemacht worden find, zum Viehtrog erniedrigt worden ist."

//Ja, Herr Professor, die Gylfens interessieren mich sehr, das ist mir die Hauptsache, um es gleich zu gestehen," sagte Renata hastig.

So? Das ist sonderbar, hörten Sie früher schon davon?" fragte er gedehnt.

Sie schüttelte den Kopf:Nur dies Gesicht kam mir bekannt vor," sie sah das Bild an,und das Haus, als ich es das erste Mal sah, aber solche Häuser giebt's wohl mehr. Nicht wahr, dies war eine Kapelle?" fuhr fie fort.

Er bejahte:Ich bin stolz auf diesen Raum, und es hat mir schwere Kämpfe gekostet, ihn zu erhalten, als mein Vater ihn niederreißen lassen wollte. Sehen Sie diese Mauern," und sein Finger klopfte gegen die gewaltigen Quadersteine, fie stammen noch aus dem dreizehnten Jahrhundert und haben vielen Stürmen Trotz geboten." Seine dunkelgrauen Augen leuchteten förmlich vor Freude, und seine aufmerksame Zuhörerin machte im stillen die Bemerkung, daß er ihr immer jünger erschien, seit fie ihn kannte.

Ist die Thüre auch so alt?" fragte sie.

Nein, die ist bedeutend jünger, beachten Sie diese kunst­vollen Beschläge."

Ich habe schon das G herausbekommen," sagte Renata lächelnd der Thüre näher tretend.

Sie wurde von einem Gylfen, der nach dem dreißig­jährigen Kriege sein Erbe aus Schutt und Trümmern wieder aufbaute, hier eingesetzt."

Wie kommt aber eine Kapelle hierher?" fragte Renata.

Ursprünglich stand hier ein Kloster, das im Anfang der Reformation verlassen und später im Bauernkriege zer­stört wurde. Die Gylfens kauften es an und erwarben noch viel ehemals dazu gehöriges Land, so daß eS ein stattliches Gut wurde. Da das Geschlecht katholisch war, richteten sie die ziemlich unversehrt gebliebene Kapelle zu ihrem Gebrauche wieder her, was ihnen auch gestattet wurde. Die Nachbar­häuser sind später entstanden, und der Gylsenhof lag damals ein gut Stück von der Stadt entfernt."

Und seit wann ist Ihre Famiüe in seinem Besitz?"

Mein Vater kaufte es von den Erben. Die Gylfens find ausgestorben schon Anfang des Jahrhunderts. Ich möchte Sie aber bitten," fuhr er leise fort,den Namen Gylfen

nicht in Gegenwart meines Vaters zu gebrauchen, wir ver­meiden es ebenfalls so viel als möglich."

Renata neigte bejahend das Haupt.

Die beiden hatten gar nicht bemerkt, daß Frida fie ver­lassen hatte,- jetzt lugte sie von außen zum Fenster herein - Wahrhaftig, da steht Ihr noch und vertieft Euch in die verschollenen Gylfens, Renata ist vor Gelehrsamkeit schon einen halben Kopf gewachsen."

Renata wandte sich lächelnd nach der Sprecherin am Fenster um.Onkel, Renata sieht von der greulichen Luft schon ganz elend aus, ich dächte, hier draußen könntet Ihr besser Euern gelehrten Diskurs fortsetzen."

Frida hat recht, Fräulein Wendelin," sagte der Professor, ich war sehr rücksichtslos, Sie so lange hier' ftstzuhalren."

Sie erfüllten mir doch nur einen Wunsch, wofür ich herzlich dankbar bin," erwiderte das junge Mädchen,und ich darf wieder herein?" setzte sie etwas zaghaft hinzu.

Wann Sie wollen," entgegnete er mit freundlicher Bereitwilligkeit. Sie folgte ihm nun durch den Gang und eine niedrige Seitmthüre in den Garten, wo Frida sich wie toll mit Maxens Hund herumjagte. Renata folgte der leichten, graziösen Gestalt mit den Augen- wie reizend sah das Mädchen aus, jetzt, wo es vergaß, daß es hübsch war. Selbst des Onkels Blicke ruhten freundlich auf ihr.

Da drangen Stimmen vom Hausflur her und Frida horchte.Es kommt Besuch," rief sie und verschwand eilig hinter der Laube, Renaten mit sich ziehend.

Ach bitte, Renata, binden Sie mir das Band, sitzt die Schleife gut und sehe ich auch nicht so erhitzt aus?" so ging es hastig von ihren Lippen. Renata half ihr nach bestem Wissen mit einem etwas malitiöien Ausdrucke im Gesichte. Wie umgewandelt war diese eitle Frida, nun sie wußte, daß sie gesehen wurde. Würde diese Gefallsucht nicht alle anderen guten Eigenschaften ersticken?

(Fortsetzung folgt.)

Doktor Raimund.

Von Walter Brach.

------- (Nachdruck verboten.)

Vor einem der schönsten Häuser in der Fürstenstraße hielt das Coups des Doktor Raimund. Alsbald flog der Wagenschlag zurück, und ein kleiner, aber massiv gebauter Herr mit klugem, energischem Gesichtsausdruck warf einige Zeitschriften auf den Sitz des Wagens zurück, schlug die Thür zu, erteilte dem Rosselenker einige kurze Weisungen und verschwand in dem Hause. Mit elastischem Schritt, obwohl kein Jüngling mehr, flog der Arzt die zwei Treppen hinauf, zur Behausung des Freiherrn von Reifstem, wo er als Bekannter von dem Diener mit obligatem Gruße empfangen, seines Pelzes entledigt und direkt in den Schlaf­raum seines Klienten geleitet wurde. Reifstein galt für den schönsten Garyon der Stadt. Auf hoher Statur saß ein klassisch geformter Kopf, dessen feine Blässe mit dem tiefschwarzen Haupt- und Barthaar anmutig kontrastierte. Die wohlgepflegten Hände, die Züge, wie das große, dunkle, halb träumerisch, halb müde in die Welt schauende Auge, hatten etwas weibliches. Diese Eigentümlichkeiten traten jetzt, da sich der Kopf von den seidenen Kissen abhob, recht deutlich hervor.

Ein berauschendes Parfüm erfüllte das Gemach, durch die Butzenscheiben fiel das matte Licht der Wintersonne. Die schwellenden Polster, Mahagonimöbel, zahlreiche Nippes gemahnten eher an das lauschige Boudoir einer raffinierten Weltdame, als an die Behausung eines eingefleischten Jung­gesellen.

Ich habe Sie sehnlich erwartet, Doktor," klang es müde aus den Kissen.Seit einigen Tagen läßt mein allgemeines Befinden zu wünschen. Wenn Sie ein Wieder­aufflackern meines früheren Lungenleidens befürchten, so schicken Sie mich wieder fort nach dem Süden ich bin

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