530

Ein kapitaler Einfall!" sagte Hans unwillkürlich be­lustigt,würdest Du mir bei dessen Ausführung Beistand leisten?"

Ich bin Dein mit Leib und Seele!" rief Adalbert überschwänglich. Nach kurzem Stillschweigen fragte er:Aber was denkst Du eigentlich von dem Diebstahl beim Vater?"

Hans zuckte die Achseln und schaute schweigend und nachdenklich vor sich hin.

Einer muß das Geld doch genommen haben!" fuhr Adalbert dringlicher fort.Ich gäbe viel darum, könnte ich herausbringen, wer es gewesen ist,- nur auf diese Weise würde ich beim Vater völlig entlastet werden".

Das wirst Du ohnehin durch meine Erklärung, überlaß das nur mir, ich gehe sogleich zu ihm!" erwiderte Hans schnell. Langsam fügte er hinzu:Weißt Du, was ich denke es ist gar kein Diebstahl geschehen. Per Vater hat sich geirrt".

Aber, Hans, ein Mann, der in Geldangelegenheiten so genau, so vorsichtig ist"

Ist auch nicht unfehlbar", fiel Hans ein,und beharrt eben, weil er sich nicht leicht irrt, um so fester auf seinem Irrtum. Sieh, ich erkläre, mir die Sache ungefähr so: der Vater hat in der vergangenen Woche den Kopf ganz außer­gewöhnlich voll gehabt. Er hat wie gewöhnlich eine Summe für den Privatgebrauch in das Geheimfach legen wollen und vergessen, daß er im Drange der Geschäfte dies unterlassen hat. Die dumme Geschichte mit Wetterau ist hinzugekommen, und sein Verdacht war fertig".

Adalbert schüttelte den Kopf und hatte gegen die Er­klärung vielerlei einzuwenden, mußte sie aber zuletzt gelten lassen, da er eine mehr zutreffende nicht zu geben wußte.

In der herzlichsten Weise trennten sich die Brüder, und Haüs begab sich nach dem Zimmer des Vaters. Er fand ihn ganz gegen seine Gewohnheit müßig am Fenster fitzen, den Kopf in die Hand gestützt, den Blick gedankenleer in die Ferne gerichtet.

Beim Oeffnen der Thür wandte sich der Kommerzienrat um; seine Miene drückte Unwillen über die Störung aus, nahm aber einen gespannten Ausdruck an, als er seinen ältesten Sohn eintreten sah.

Du bist es, Hans! Was führt Dich jetzt zu mir!?" rief er ihm entgegen.

Hans Helldorf schloß erst vorsichtig die Thür, ging durch die ganze Länge des Zimmers bis zu dem Fenster, an dem der Kommerzienrat saß und fragte, dessen Hand in die seinige nehmend:Solltest Du das wirklich nicht ahnen, Vater?"

Adalbert war bei Dir!" sagte der Kommerzienrat, und seine schon so düstere Stirn legte sich in noch tiefere Falten. Das hätte er bleiben taffen können".

Im Gegenteil, das durfte er nicht bleiben laffen", erwiderte der Sohn.Er war es Dir, sich und mir schuldig".

Nein, Hans, es giebt Dinge, die darf kein dritter er­fahren, und wenn es auch der Sohn und Bruder wäre. Was Adalbert gethan, das mußte zwischen ihm und mir bleiben".

Aber, Vater, Adalbert hat nicht gethan, was Du ihm zur Last legst; Dir das zu sagen, bin ich zu Dir gekommen", erwiderte Hans und ergriff von neuem die Hand, die der Kommerzienrat nur kurze Zeit in der seinen gelassen hatte.

Dieser fuhr von seinem Stuhle auf.Hat er versucht, auch Dir das Märchen zu erzählen, daß er sich das Geld auf andere Weise verschafft habe, aber darüber nicht sprechen dürfe?"

Es ist kein Märchen, sondern die Wahrheit".

Der Kommerzienrat lächelte spöttisch und ungläubig: Hat er Dir etwa die geheimnißvolle Quelle genannt, aus der ihm das Geld geflossen sein soll?"

Er brauchte sie mir nicht zu nennen, ich kannte sie. Lieber Vater, wie ist es denn nur möglich, daß Du nicht sogleich auf das Nächstliegende verfallen bist?"

Die Blicke von Vater und Sohn tauchten tief in einander, dann schrie der erstere, den jungen Mann bei beiden Schultern packend und ihn heftig schüttelnd:

Hans Hans ist's möglich! Du Du!"

Ich!" antwortete der Sohn und neigte die Stirn, die ein verräterisches Rot leicht überflog. Der Kommerzienrat deutete dieses Zeichen der Beschämung über die ihm gesagte Unwahrheit glücklicherweise anders und wiederholte tief auf­atmend :

Du hast ihm die zweitausend Mark gegeben! Er hat sie mir nicht gestohlen! O, Gott sei Dank, mein Sohn ist kein Verlorener, kein Dieb!" Er faltete die Hände und schaute wie im stummen Dankgebet zur Decke empor. Dann fragte er in einem Tone, durch welchen noch die ausgestandene Angst zitterte:Aber warum hat der thörtchte Bursche mir das nicht sogleich gesagt?"

Laß Dir das erklären, Vater, so gut ich's eben selbst vermag", entgegnete Hans, drückte den Kommerzienrat wieder aus dessen Stuhl nieder und fuhr fort:

Obwohl Adalbert viel Geld verbrauchte und, wie ich wußte, zuweilen arg in der Klemme faß, hat er mich doch nie um Aushilfe gebeten, und so gern ich ihm gegeben hätte, unterließ ich doch stets, ihm ein solches Anerbieten zu machen. Du erläßt es mir, Dir den Grund dafür zu nennen".

Der Kommerzienrat nickte, stieß einen Seufzer aus und bedeckte einen Augenblick die Stirn mit der Hand.

Vor einigen Tagen ist der arme Bursch aber zu mir gekommen, er wußte in seiner Angst und Not sich keinen Rat mehr und bat mich, ihn aus Wetteraus Klauen zu retten. Du kannst Dir denken, daß ich sofort dazu bereit war".

(Fortsetzung folgt.)

Ihr erster Zwist.

Von Anna Koubert. Aus dem Holländischen von E. Otten.

------- (Nachdruck verboten.)

Marie hatte sich sehr beeilt. Punkt halb fechs Uhr war das Mittagesfen bereit.

Es war an einem Donnerstag; heute vor fünf­undzwanzig Wochen war ihr Hochzeitstag gewesen. Sie betrachtete dies als ein Jubiläum, ein fröhliches Jubiläum ihrer jungen Ehe.

Sie hatte halb sind halb erwartet, daß ihr Gatte auch daran gedacht und sie frühmorgens mit einem Strauß be­grüßt haben würde. Allein sie hatte sich getäuscht, getröstet und einen hübschen Plan ausgedacht: sie wollte ihn nun überraschen und überlegte sich schon im stillen, was für ein Gesicht er wohl dazu machen würde.

Die Neberraschung bestand in der Zubereitung seiner Lieblingsgerichte. Bald, nachdem er vormittags fortgegangen war, hatte sie mit dem Dessert angefangen und einen köst­lichen Erdbeerpudding gemacht, während sie das Dienst­mädchen fortschickte, um Seezunge zu kaufen; Seezunge war sein Lieblingsfisch.

Freudigen Herzens hatte sie sich daran gemacht, mit ihren weißen, hübschen Händchen den Fisch entsprechend zuzubereiten und nachzusehen, ob er auch gründlich gereinigt worden war. Das war wirklich eine Heldenthat, denn sie konnte schon den Fischgeruch nicht vertragen!

Die Seezunge stand fix und fertig im Ofen. Der Tisch war mit einem schönen Damastgedeck belegt, das Porzellangeschirr mit den Vergißmeinnicht, welches die Köchin so ungern spülte, die Kristallgläser und die Blumen in den zierlichen Vasen: das alles verriet, daß im Hause etwas ganz Besonderes los sei.

Halb sechs! Nun mußte er jeden Augenblick kommen.

Marie setzte sich schnell an ihren Schreibtisch, nahm eine goldumränderte Karte daraus hervor und schrieb darauf mit schönen, feinen Buchstaben:Menu." An Stelle eines

3 n

5

i p

'S

r f z

§

s

i

t

<

i

s

i

<

i

T

<

1

1 t l \

i i x i

3 l

I

X i

1 i s

<

1

j